Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 21.1907

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[Zur Kunst-Ausstellung in Köln.

wie es in Düsseldorf geschah, der Existenz-
berechtigung mehr und mehr entbehrt und
man nur hin und wieder mit gewählten Elite-
vorstellungen den Kurs angeben sollte, um in-
zwischen, ohne Eile und Hast, die Künstler
ihrem Schaffen in einem selbstgewählten Ver-
kehr mit dem Auftraggeber zu überlassen.

Die Ausstellung in Köln hatte, wie wir
schon erwähnten, trotz ihrem exquisiten
Charakter sich leider nicht des gewünschten
Besuches von auswärts zu erfreuen, woran, wie
man uns sagt, die Finanzkommission insofern
nicht ohne Schuld sei, als sie sich gescheut
haben soll, die nötige Summe für eine ent-
sprechende Propaganda auszuwerfen, sodaß
die Mühe der um das würdige Arrangement
verdienten Herren ohne den erhofften Erfolg
blieb. Betrachten wir im Hinblick hierauf das
Ausstellungsleben, wie es sich heute gestaltet
hat, als eine Vermittelung zwischen Künstler
und Publikum, man könnte geneigt sein, es
als ein durch die Zeit bedingtes notwendiges
Übel zu bezeichnen, das dem Künstler eher

schadet als nützt. Es wird für die Ausstellung
gearbeitet: so kommt eine Hast in die Pro-
duktion, die früher unbekannt war. Neid und
Konkurrenzgier werden angespannt, wo einst
ein stilles Handwerksschaffen sich selbst genügte.
Und dann ganz abgesehen von der in mensch-
licher Unzulänglichkeit begründeten Unmög-
lichkeit einer gerechten Jury: wieviel Hoffnungen
werden durch eine Zurückweisung vernichtet,
wie sehr der Künstler in den Augen seines
Gönners dadurch geschädigt. Hat sich doch
hieraus schon die wenig aufrichtige Gepflogen-
heit der Künstler gebildet, vor dem Urteils-
spruch zu sagen, sie stellten in diesem Jahr
nicht aus, um nur hernach nicht als der
Refüsierte dazustehen. Und was hat denn in
der Tat das Urteil einer Jury über den Wert
eines Kunstwerks zu bedeuten: nichts; garnichts.
Noch heute werden die besten (allerdings
auch die schlechtesten) Bilder refüsiert und
sprechen hundert Gründe mit (nur nicht die
Qualität des Bildes) warum dieses angenommen,
jenes abgewiesen wird. — rudolf klein.

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