Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 21.1907

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CAMPBELL & PULLICH-BERLIN.

Die-zahlreichen englischen Architekten und
Zeichner, die in deutschen Ateliers tätig
sind, entfalten eine weit intensivere und nach-
haltigere Wirksamkeit, als man nach ihrem
seltenen Hervortreten in die Öffentlichkeit
vermuten sollte. Sie sind meist sehr geschickte
Arbeiter und beherrschen namentlich die eng-
lischen Stilarten, die von der Käuferschaft
immer noch stark begehrt werden. Noch
mehr aber schätzt man sie wegen ihrer glän-
zenden Darstellungskunst: Skizzieren und
aquarellieren können sie famos, mancher
deutsche Architekt hat diese Kunst erst so
recht von englischen Kollegen gelernt. Ihr
sicheres Stilgefühl, das durch geschäftliche
Einflüsse nicht irritiert zu werden pflegt,
konnten sie allerdings seltener mitteilen. Es
ist ihnen wohl angeboren oder hängt mit der

englischen Allgemeinkultur eng zusammen.
— Campbell war einer von den tüchtigsten
dieser Engländer gewesen. Er ist aber nicht
wie die andern in die Heimat zurückgekehrt.
In Verbindung mit seinem Gesinnungsgenossen
Pullich hat er sich hier »selbständig gemacht«.
Der Engländer und der Deutschamerikaner
errichteten zusammen in Berlin ein Archi-
tekturbureau , um den Deutschen Häuser zu
bauen und einzurichten I

Dieses Faktum ist merkwürdig, nicht weil
ein Ausländer Deutschland zur Ausübung seiner
Kunst erwählt (wir haben im deutschen Kunst-
gewerbe eine ganze Menge fremder Namen,
van de Velde hat sogar eine richtunggebende
Bedeutung gewonnen), sondern wegen der
persönlichen Beweggründe, die hier spielten.
Campbell und Pullich wollen gar nicht mehr

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