Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 21.1907

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Hugo Lederers Krupp-Denkmal in Essen.

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ARCHITEKT EMANUEL MAKGOLD—WIEN.

Entwurf zu einer Grabaulage.

Umriß, der sie zur imposanten Einheit bindet,
drückt nichts als Einfachheit und Vornehmheit,
jene beiden wundervollen, echt fürstlichen Be-
griffe, die im Grunde nur einer sind, aus, Ein-
fachheit die Vornehmheit, Vornehmheit die Ein-
fachheit ist. Und nun frage man sich, ob nicht
gleichwohl die fast erschütternde Schlichtheit
dieser Gestalt, welche die höchste Stufe wirt-
schaftlicher Macht und gesellschaftlicher Stellung
darstellt, beredter und eindringlicher wirkt, als
wenn man sie mit Kanonen umgeben hätte. —

An der offenen Seite sieht auch die Wand
günstiger aus. Ein wohl abgemessenes Spiel der
Kräfte, in dem wir die den Eckpfeilern vorgelegten
Streben und die die Arbeitergruppen stoßen-
den Platten den Sockel mit der freistehenden
Bronzefigur vorbereiten sehen, löst ihre Wucht
und nimmt ihr das Kolossale, das ihre Rückseite
in so schroffem Mißverhältnis zum Platye zeigt.
Ja, diese Rückseite! — ehe ich diese Zeilen be-
endete, bin ich nochmal am Denkmal gewesen,
hoffend, mich mit ihr aussöhnen zu können. Allein
sie ist und bleibt unmöglich. Mit wieviel reinerem
Klange würde doch diese bedeutende Schöpfung
Lederers wirken, wenn wir sie als Grabmonument
am Ende eines von Bäumen beschatteten Weges
gegen die Mauer eines Friedhofes sähen!

DEKORATION UND KEIN ENDE. Der Begriff
„Dekorationsdiwan" besagt so ziemlich alles.
Ihm schließt sich eine lange Reihe von Objekten
würdig an, deren wesentliche Bestimmung darin

liegt, zu „dekorieren".....

Die Vorgeschrittenen wehren sich und er-
klären: Bitte, der Dekorationsdiwan ist über-
wunden, wir haben ein englisches Zimmer! Das
englische Zimmer hat einen mächtigen Kamin,
von einem riesigen Feuermantel überwölbt, da-
runter ein offenes Kohlenfeuer, oder nicht? Ach
nein, es ist Gasheizung, auf künstliche Weise
Kohlenheizung vortäuschend, und statt des De-
korationsdiwans findet sich ein sogenannter Zier-
schrank vor mit getriebenen Kupferbändern, die
aber nichts zu halten haben, sondern an den
Türen, die in Scharnieren laufen, angenagelt sind.

Wozu der Feuermantel, wozu das künstliche
Kohlenfeuer, wozu der Zierschrank, wozu die an-
genagelten Kupferbänder? Darauf hört man die
stehende Antwort: Weil's halt so schön ist -
wissen Sie — der Dekoration wegen!

Der Unfug hat keine Grenzen; alles ist noch
neu zu machen vom Kleinsten bis zum Größten:
Die ganze Welt ist neu zu bauen.

Vorstehende Zeilen sind einem sehr empfehlenswerten Buche von
Joseph Aug. Lux entnommen: Der Geschmack im Alltag:. Ein Buch
zur Pflege des Schönen. Verlag Gerhard Kühtmann— Dresden.

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