Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 21.1907

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Hugo Lederers Krupp-Denkmal in Essen.

HUGO LEDERERS
KRUPP-DENKMAL
IN ESSEN.

ERNST GOSEBRUCH ESSEN.

Das Bedeutsame dieser künstlerischen Leistung
liegt in dem Standbild; es ist denn doch
nicht so einfach, der unschönen Tracht unserer
Zeit den Ausdruck so ruhiger Würde abzuge-
winnen. Man vergleiche Harro Magnussens vor
einigen Jahren entstandenes Denkmal des Oralen
Roon zu Berlin — wie peinlich wirkt nicht an
ihm die unförmliche und langweilige Masse des
Uniformrockes, die, durch keine große und ge-
schlossene Linie gebunden, unser Auge haltlos
und mißmutig umherirren läßt. Die dekorative,
im vereinfachenden Geist der Antike schaffende
Richtung unserer neuen deutschen Plastik hat
mit dem Essener Werke bewiesen — was für den
Arbeitertypus schon seit Meunier feststand -,
dag auch die Erscheinung des bürgerlichen Alltags
vom großen Stile bezwungen werden kann. So
ist denn mit Freuden zu begrüßen, daß man von
dem ursprünglichen Plane, der die Züge Friedrich
Alfred Krupps nur in einem Medaillon zeigen
wollte, abgesehen hat. Das Verlangen, einen
teuren Heimgegangenen in ganzer, imponierender
Gestalt weiterleben zu lassen, wird ja auch nie-
mals aussterben, und die bildende Kunst hat sich
mit ihm abzufinden.

Aber der Bildhauer-Baumeister, als der
Hugo Lederer hier auftritt, hat auch die das
Standbild umgebende Architektur geschaffen, und

sie kann nur mit Vorbehalt hingenommen werden.
Der Standort des Denkmals ist ein dreieckiger
Plarj am Eingang der Kruppschen Gußstahlfabrik.
Parallel zu den ihn umsäumenden Häuserreihen
laufen drei belebte Straßenzüge, die in der Mitte
eine dreieckige, nicht eben große Anlage um-
schließen. Wo zwei dieser Züge sich in stumpfem
Winkel schneiden, liegt auf einer Terrasse das
Denkmal, dessen im Halbkreis verlaufende Wand
sich nach der dem stumpfen Winkel gegenüber-
liegenden Ostseite des Planes öffnet, nur von hier
eine Ansicht der Gestalt vergönnend. Hinter dem
Denkmal kreuzen sich eine aus Süden und eine
aus Westen kommende Straße, und nun wolle man
aufmerken ! Nur ein schmaler, zur Höhe der Ter-
rasse ansteigender Hang trennt die Bürgersteige
von der Rüdeseite der Wand, mit ihrer riesigen, steil
vor uns emporschießenden, nur leicht in Felder
eingeteilten Fläche sieht sie, von hier gesehen,
wie ein steinerner Gasometer aus, der die dem
Standbild gegenüberliegende Ostseite des Platjes
fast gänzlich zudeckt, — ja, es muß klipp und
klar ausgesprochen werden, daß dieser Anblick
unmöglich ist. Den von Westen oder von Süden
kommenden trifft er brutal, mit schwerem Keulen-
schlag, alle lebendige Schönheit des Planes, der
uns nach der Enge der Straße mit gastlich ge-
öffneter Weite umfangen soll, vernichtend. Auch

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