Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 21.1907

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Otto Schulze—Elberfeld:

ARCHITEKT P. L. TROOST—MÜNCHEN.

»Damen-Zimmer« in dunklem Nußbaum,
Ausführung:: Hofmöbelfabrik M. Ballin-München.

während Paffendorf einige Stuhlmodelle
mißlungen und einige Kastenmöbel in Über-
möbel ausgeartet sind. Der Künstler wägt
eben nicht alles, ihm gilt die Phantasie als
Ausgangspunkt künstlerischen Gestaltens, einem
andern klügelnde Berechnung. Die Gesamt-
stimmung der Räume ist meistens gut, Einzel-
heiten halten kritischer Prüfung nicht stand.
Man sollte über eine solche Folge von Zimmern
mal eine Volksabstimmung vornehmen lassen,
und zwar von Frauen und Männern getrennt;
man würde zu überraschenden Ergebnissen
kommen, wir Kritiker würden vielleicht an
unserer Urteilsfähigkeit zweifeln. Man könnte
da prächtige Enttäuschungen erleben; wir
ahnen kaum, wie gut es ist, daß unsere Künstler
auf ihrem Wege beharren, dem platten Ge-
schmack keine Konzessionen zu machen.

Mehrere der ausgestellten Zimmer bringen
wir hier abbildlich, es sind jene, die, wie
ich wahrnehmen konnte, beim Publikum be-
sondere Zustimmung fanden. Unter diesen
steht das frisch und einladend, so recht bürger-
lich anmutende hell-eichene Speisezimmer
von Prof. Adalbert Niemeyer—München,

ausgeführt von Karl Bertsch — München,
obenan. Es ist auch nicht ganz frei von
Fehlern, so in dem Fehlen der Füße an den
Seitenbauten des Eckbüffets, aber doch eine
gute Einheitsleistung, die in unser Leben
hineinpaßt. Die Abbildungen auf den Seiten
23—25 geben dieses Zimmer wieder. Ein
vornehmes Raumbild umfaßt Bruno Pauls
Toilettezimmer in grauem Ahornholz, fein
in der Farbe, ohne kleinliche Beigaben. Es
spiegelt die ganze Persönlichkeit des Künstlers
wieder, die abgeklärt, unter starker Selbst-
zucht stehend, auffallender Geschmacksfehler
nicht fähig ist. Eine Teilansicht des Zimmers
befindet sich auf Seite 28.

Der auf dieser besonders bemerkbare
Fenstervorhang stammt von Margarete
von Brauchitsch, die in diesem Heft mit
weiteren vorzüglichen Arbeiten vertreten ist,
denen wir einen besonderen Text widmeten.

Gut gemeint scheint mir auch das elegante
Damenzimmer in dunklem Nußbaumholz
mit schwarzen Säulchen und Stäben, leichten
Schnitzereien in Rosenmotiven, welche auch
gestickt auf den Lehnen der Sessel wieder-

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