Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 21.1907

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Die Köpenhagener Fayence-Fabrik »A/uminta«.

Rahmfarbe wird durch die Glasur nicht verändert,
da fast ausschließlich durchsichtige Bleiglasuren
verwendet werden.

Von den englischen und deutschen Steingut-
geschirren unterscheiden sich jedoch die Alumina-
Fayencen in anderer Hinsicht sehr. Die Art ihrer
Masse ergibt nicht jene dünnen, fein profilierten
Formen der englischen Ware. Die dänischen
Fayencen sind schwer und derb; sie zeichnen
sich nicht durch plastische Schärfe der Formen
aus. Und während die Art des englischen Stein-
guts zu einer gewissen Enthaltsamkeit in Bezug
auf gemalte Dekoration führte — was übrigens
auch im Zuge der klassizistischen Zeit lag —
verlangten die Alumina-Fayencen nach farbiger
Verzierung.

Daß man für diese nicht etwa auf die alte
ganz unkeramische Technik des Überdrucks von
Kupferstichen, die bei den englischen Fabrikaten
beliebt war, zurückgriff, bedarf kaum der
Erwähnung. Der Dekor der Aluminia-Fayencen
besteht ausschließlich in Handmalerei, die
nach dem ersten Brande vor der Glasur auf-
getragen wird.

Man wendet also dieselbe Maltechnik an,
die dem Kopenhagener Porzellan seinen Charakter
gibt. Aber die Art des Farben-Auftrags und
die dekorative Wirkung sind in beiden Fällen
sehr verschieden. Die zarte, vornehme Unter-
Glasurmalerei auf Porzellan wird mit Ruhe und
Überlegung ausgeführt und erlaubt dem Maler
nötigenfalls Korrekturen.

Die zwar harte, aber poröse Fayence hin-
gegen erfordert einen derben und sicheren Auf-
trag; denn jeder Pinselstrich bleibt, wie er hin-
geserjt ist, für alle Zeit. So empfingen die
Aluminia-Fayencen aus dem technischen Verfahren
ihre dekorative Eigenart. Sie haben bereits ihren
Stil, der dem des modernen Porzellans in ge-
wisser Weise entgegengesetzt ist.

Für den Charakter der Verzierungen ist auch
die Wahl der Farben sehr bezeichnend. Auf
farbige Qualität legte man von Anfang an be-
sonderes Gewicht. Die Wirkungen der Einzel-
farben auf dem fast neutral-weißen Grunde des
Materials, die Tonwirkungen in der Verbindung
mit Nebenfarben und die durch den Auftrag und
die Wechselwirkung zwischen Farbe und Glasur
erzielten mehr oder weniger satten oder hellen
Abstufungen — alles das bildete den Gegenstand
vielfachen und sorgfältigen Experimentierens.
Im Laboratorium der Fabrik wurden die Malmittel
nach ihren zweckdienlichen Bestandteilen und
nach ihrer Mischung untersucht, und im Ofen
erprobte man die Schmelzgrade der Farb-
Substanzen und prüfte peinlich die verschiedenen

Resultate, die mit höheren oder niederen Hitze-
graden zu erreichen waren.

Wie in der alten Fayence-Technik so bedient
man sich auch in der Aluminia sowohl der
Chromfarben als der Metalloxyde als auch einer
Mischung beider, wodurch sich eigentümliche
tiefe Wirkungen ergeben. Man hat Farbmittel
gefunden, u. a. Kupferoxyde, die in zweifarbigen
Tönen schillern, und deren Farbenspiel dem
Dekor einen Reichtum gibt, der an den Glanz
der alten maurischen und italienischen Lüster-
Fayencen erinnert.

Die mannigfaltigen, bald kräftigen, bald
milden, stets aber wohl abgewogenen Farben-
Wirkungen, welche die Aluminia-Fayencen aus-
zeichnen, wären jedoch ohne künstlerische Mit-
arbeit nicht gewonnen worden. Dalgas hatte
das Glück, gleich die richtigen Künstler für die
gestellten Aufgaben zu finden. Es sind bis heute
hauptsächlich zwei Maler, die den Aluminia-
Fayencen den künstlerischen Schmuck gegeben
haben: der frühere Porträtmaler Joachim
Petersen und der Landschafts- und Figuren-
Maler Harald Slott-Möller, der schon
vorher sich mit Erfolg auf dekorativem Gebiet
versucht hatte. Der Leiter der Fabrik ließ ihnen
völlig freie Hand: er verlangte nur, daß sie die
Klippen der Porzellan-Malerei einerseits und die
der Dekoration der Irdenware andererseits ver-
meiden und den Fayence-Charakter in seinem
Wesen und seiner Beschränkung im Dekor zum
Ausdruck bringen sollten.

Jeder dieser beiden Künstler hat seine
Eigenart, die in den Ziermotiven deutlich er-
kennbar ist.

Joachim Petersen, der zuerst in die Fabrik
eintrat, und dem die keramische Arbeit inzwischen
Beruf geworden ist, geht auf die Erzielung voller,
harmonischer Farben-Wirkungen aus. Er ist ein
Künstler von kräftiger Art; man merkt es seinem
derben Auftrag nicht an, daß er gezwungen ist,
mit der linken Hand zu arbeiten. Er ist in seiner
Auffassung Naturalist, liebt die Pflanzenwelt und
bevorzugt kräftige Blumenmotive, die in dichter
Anordnung die Flächen der Gefäße füllen. Neuer-
dings hat er auch die Vogelwelt des Zoologischen
Gartens in Kopenhagen zum Gegenstand seiner
Studien gemacht und daraus dankbare Motive
für seine farbenfreudige Verzierung gewonnen.
Sein Farbenauftrag ist fett und schwer. Eine
besondere Vorliebe hat er für ein bestimmtes
dunkles Kobaltblau, welches er so aufträgt, daß
es den Malgrund völlig deckt und tiefe, satte
Wirkungen ergibt.

Während Petersen seine Malereien teils
selbst ausführt, teils unter seinen Augen von den

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