Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 21.1907

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1 cm
facsimile
Fritz Erlers Wiesbadener Fresken.

PKOFESSOR FRITZ ERLF.R—MÜNCHEN.

Fresko im Wiesbadener Kufbaus: »Der Winter«.

PHOTOGRAPHIE, VERLAG FRANZ II AN KSTAENGL-MÜNCHEN.

gestellt und war doch gebunden an: die vor-
handene Architektur, die Technik der Fresken-
malerei, den Sinn, dem die Bilder dienen sollen.

Der Raum war ohne Beziehung auf die
kommenden Gemälde entstanden. Es wurde
an der Ausgestaltung des Saales noch gearbeitet,
während die Fresken konzipiert, während sie
aufgetragen wurden. Der Erbauer haL das
Verdienst, den Maler berufen zu haben; dem
Künstler gebührt Anerkennung, wenn in Folge
glücklichen Wurfs Architektur und Malerei
nicht kontrastieren. Beachten wir gleich ein
Mittel, durch das der Künstler in diesen
reichen eigenartigen Saal sich zu fügen ver-

stand : er schuf sich eine eigene Wand; durch
alle fünf Fresken geht ein in Farbe und Ton
gleichartiger Hintergrund miteinem einheitlichen
wandartigen Charakter. Oder sagen wir: der
Künstler verdeckte die Wand nicht, sondern
ließ sie erst recht als solche hervortreten.
Hier liegt eben eine neue Auffassung von den
Aufgaben des Wandbildes. Früher verdeckte
man die Wand als etwas Rohes und malte
dicke Farben darauf. Im Bilde aber schuf
man Luftperspektiven, weite Ausblicke in
fernes Land, also Löcher in die Wand; während
doch eigentlich die Wand Etwas sein soll,
das den Raum abgrenzt, den Bewohner ein-

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