Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 24.1909

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Professor
J. Hoffmann.
Lüster ans
Glaskugeln.

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ZWECKFORM

UND

ORNAMENT.

Uber die Fragen:
Ist eine Form,
welche ihren Zweck in
vollkommenster Weise
erfüllt, aber auf alles
schmückende Beiwerk
verzichtet,schön? und:
Ist das Ornament nicht
im Grunde genommen
eine störende Beigabe,
auf die eine ideale
Kunstverzichtensollte ?
hat man seit alters
gestritten. Vielleicht
gelingt es mir, dem
Problem mit Hilfe der
»Harmonie des Kon-
trastes« näher zu kom-
men. — Harmonie
des Kontrastes nenne
ich eine neue Theorie
über das Wesen des
Schönen (nicht der
Kunst), welche auf
zwei Tatsachen fußt:
zum ersten, daß aus
dem zeitweiligen Ruhe-
bedürfnis unserer Sin-
nes-* )rgane und Gei-
steskräfte ein Trieb
nach Wechsel der Ein-
drücke hervorgeht, zum
andern, daß geistige
Tätigkeiten, die wir
schon einmal ausgeübt
haben und solche, die
mit andern, uns schon
geläufigen, in Wechsel-
beziehung stehen, sich
in unserm Hirn be-
sonders leicht voll-
ziehen. Aus diesen
Tatsachen ergibt sich,

daß wir als angenehm überall den Wechsel von
Findrücken empfinden, daß aber die zu den
geistig bereits verarbeiteten Findrücken sich
hinzugesellenden, kontrastierenden, uns an sich
nicht neu zu sein brauchen, um eine ange-
nehme Wirkung zu erzeugen, ja, daß wir es
sogar als besonders angenehm empfinden,
wenn wir in dem kontrastierenden Ein-
drucke Bekanntes, uns bereits Liebgewordenes

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wiedererkennen oder
wenn der neue Ein-
druck mit dem alten
durch geistige Brücken,
über die hinweg wir
den neuen schnell und
leicht aufzufassen ver-
mögen, verbunden ist.
Eindrücke, die diese
Bedingungen erfüllen
und von unseren vor-
nehmsten Sinnesorga-
nen, Auge oder Ohr auf-
gefaßt werden, nenne
ich schön. Wenn ich
von Kontrasten, als
welche ich unter Um-
ständen schon die
feinsten Nüancen von
Tönen, Größen, Rich-
tungen usw. bezeichne,
und von geistigen Brük-
ken, d. h. von gegen-
seitigen Beziehungen,
rede, so denke ich
dabei nicht nur an
das Zusammenwirken
der Einzelteile des
als schön erkannten
Gegenstandes, sondern
auch an dessen Ver-
hältnis zur Umgebung,
zur Zeit seiner Ent-
stehung, zur geistigen
Beschaffenheit des Ge-
nießenden und an vie-
les andere. Je feiner
die Kontraste und die
vorhandenen Bezieh-
ungen gegeneinander
abgewogen sind, für
um so schöner halte
ich einen Gegenstand.
Die Schönheit liegt
nach der Theorie von
der Harmonie des Kon-
trastes also in dem an-
gemessenen Verhältnis des Neuen zum Alten,
sie erstreckt sich auf Form und Inhalt, auf
Natur und Kunst, sie liegt zugleich im Gegen-
stand selbst und im Intellekt des Menschen.

Kehren wir nach diesen nur andeutenden
Vorbemerkungen zu den eingangs aufgewor-
fenen Fragen zurück!

Wenn alle Teile eines Gegenstandes sich
bezüglich der Form ihrem Zwecke vollkommen










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