Hannig, Henner [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,1): Landkreis Hannover — Braunschweig, 1988

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schiedlichen Entstehungszeiten der Baukör-
per, an denen sich die Entwicklung der
Landwirtschaft und deren Folge für die
Höfe und die Bauweise nachvollziehen läßt,
entstand hier eine räumliche Einheit. Die
Längsdurchfahrtsscheune stammt aus der
ersten Hälfte des 19. Jh. Das massive Wirt-
schaftsgebäude wurde um die Jahrhundert-
wende und das städtisch geprägte, massi-
ve Wohnhaus auf Bruchsteinsockel mit
Fachwerkapplikationen im Dachgeschoß im
Jahre 1909 errichtet.
Mit der wachsenden überörtlichen Bedeu-
tung des Handwerks konnten auch in Stem-
men die Handwerksbetriebe ausgebaut
werden. Als Zeuge für diese Entwicklung
kann der in Ziegel errichtete Bau der
Schmiede in der ZUNGENSTRASSE 14 aus
der Zeit um 1880 angesehen werden.
Ortskarte Seite 102/103

BARSINGHAUSEN-WICHTRINGHAUSEN

Die viergeschossige Holländergaleriewind-
mühle AN DER WINDMÜHLE 26 A bestimmt
seit ihrem Wiederaufbau im Jahre 1819 das
Landschaftsbild zwischen den Ausläufern
des Deisters und der Möseke-Niederung.
Die 1795 durch einen Brand vernichtete
Bockwindmühle aus dem Jahre 1618 wurde
durch den Neubau der effektiver arbeiten-
den Kappenwindmühle ersetzt. Die seit
1835 von der Müllerfamilie Weber betriebe-
ne Mühle arbeitete bis 1972 noch voll. Heu-
te ist sie ungenutzt. Trotz einiger Reparatur-
arbeiten im Jahre 1978 hat die Witterung
das stillgelegte technische Baudenkmal in
den letzten Jahren stark mitgenommen.
Großen Einfluß auf die Entwicklung der klei-
nen Ortschaft, die bis Ende des 17. Jh.
Wichmaringhausen genannt wurde und zum
benachbarten Winninghausen gehörte,
hatte das Gut RITTERGUT 1. Das zweige-
schossige Herrenhaus des Rittergutes liegt
in der nordwestlichen Ecke einer großzügi-
gen Parkanlage auf einer von einem Graben
umgebenen Insel, die über drei Brücken

Wichtringhausen, Wassermühlenstraße 13,
Wassermühle, 1766


Wichtringhausen, Rittergut 1, Rittergut


Wichtringhausen, Rittergut 1,
Rittergut


zugänglich ist. Das Erdgeschoß in Bruch-
stein, z.T. verputzt, trägt das hohe Oberge-
schoß in Fachwerk mit verputzten Gefa-
chen unter großflächigem, steilem Sattel-
dach. Das vermutlich schon im 16. Jh.
errichtete und Anfang des 17. Jh. umge-
baute Herrenhaus ist in dem auf der Ostsei-
te befindlichen Erker im Renaissancestil da-
tiert 1611. 1866 hat Wietkau das Gebäude
in neugotischem Stil umgebaut. Dabei wur-
den Teile des Außenmauerwerks massiv
ersetzt, der steinerne Treppenturm, ein Söl-
ler, ein Erker und ein Türmchen wurden hin-
zugefügt. Einige Wappen im Treppenturm,
am Söller und über der Tür neben dem
Erker zeugen von den jetzigen und den frü-
heren Besitzern. Das benachbarte zweige-
schossige in Fachwerk mit verputzten Gefa-
chen errichtete Wohnhaus mit zwei abge-
treppten Erweiterungen im Süden wurde
1865 erbaut. Der massive Kuhstall wurde
nach einem Brand 1905 erstellt. Weitere
Fachwerkwirtschaftsgebäude stammen aus
dem 17., 18. und 19. Jh.
Die vom Bantorfer Wasser angetriebene
Wassermühle WASSERMÜHLENSTRASSE 13,
die hier schon 1766 gestanden hatte, wur-
de lange Jahre auch von der Müllerfamilie,
der die Wichtringhäuser Windmühle gehör-
te, betrieben. Der im Wohnwirtschaftsteil
mit Querdiele eingeschossige und im Müh-
lenteil zweigeschossige Ziegelbau wurde
1858 umgebaut. Die vor einigen Jahren
begonnenen Restaurierungsarbeiten haben
den bereits eingesetzten Verfall des wert-
vollen Baudenkmals gestoppt, das mit zu
den wenigen vorhandenen Mühlen der frü-
her im Calenberger Land so zahlreichen
Wassermühlen gehört.
Neben dem Gut konnten sich nur wenige
landwirtschaftliche Betriebe entwickeln. In
dem nördlichen Siedlungsteil entstanden
kleine landwirtschaftliche Nebenerwerbs-
betriebe. Das wohl am besten erhaltene
Beispiel aus diesem Siedlungsbereich ist
der auf fast quadratischem Grundriß erbau-
te Vierständer unter Satteldach mit verputz-
ten Gefachen aus dem Jahre 1834 in der
WICHMARSTRASSE 63. Trotz der leichten
Veränderungen am Dielentor und der Be-
kleidung des Wohngiebels sind die Gebäu-
deproportionen, die Wandgliederung und
das konstruktive Gefüge gut erkennbar.
Ortskarte Seite 102/103
BARSINGHAUSEN-WINNINGHAUSEN

Die vermutlich aus der Zeit der Sachsen
stammende Siedlung wurde 1246 erstmals
urkundlich als Winnighusen erwähnt. Sie
wurde nach einem hier im 13. Jh. ansässi-
gen Geschlecht benannt. Die ehemals lang-
gestreckte Siedlung entstand bis zum Be-
ginn des 19. Jh. beiderseits eines Bachlau-
fes. Von den alten landwirtschaftlichen Bau-
ten sind nur wenige erhalten. Zu erwähnen
ist die Hofstelle HEERSTRASSE 29/29 A mit
Hallenhaus in Vierständerbauweise unter
Satteldach, im Wohngiebel unter Halbwalm.
Der steile Wirtschaftsgiebel ist stockwerks-
artig abgezimmert. Die quadratischen Gefa-
che sind mit weiß gestrichenen Ziegeln

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