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Grundriß mit elf Fensterachsen neu errich-
tet. Der dreiachsige Mittelrisalit wird durch
ein Eingangsportal unter kleiner Verda-
chung über eine vorgelegte, doppelläufige
Treppe erschlossen. Die untere Fensterrei-
he ist ebenfalls mit einer Verdachung verse-
hen. Das Wohnhaus und ein Teil des Parks
waren ursprünglich mit einem Wassergra-
ben umgeben. Eine von dem hannover-
schen Baumeister Laves entworfene Brük-
ke führte über den Graben vom Wohnhaus
zu dem ehemaligen Gewächshaus, dessen
Entwurf ebenfalls Laves zugeschrieben
wird. Es ist heute nur der pavillonähnliche
Mittelbau vorhanden. Die angebauten Ge-
wächshäuser wurden im Laufe der Jahre
abgerissen. Die Anlage des Parkgeländes
zwischen dem ehemaligen alten Hof und
dem heutigen Wohnhaus erfolgte wohl in
der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhun-
derts.
Den fast quadratischen Wirtschaftshof um-
stehen dreiseitig Scheunen- und Stallge-
bäude aus Bruchsteinmauerwerk, die in die-
ser Form schon auf der Karte der Kurhanno-
verschen Landesaufnahme verzeichnet
sind. Ein Teil der hohen Einfriedung aus
Bruchsteinmauerwerk ist im nördlichen Be-
reich vollständig erhalten. Im Osten, entlang
der Hauptstraße, sind nur Reste der ehe-
mals ca. 2 m hohen Mauer erkennbar.
Schon im Jahre 1229 wird für Leveste die
Existenz einer Kirche bezeugt, die der Heili-
gen Agatha geweiht war. Reste dieses
alten Baues sind in dem heutigen einschiffi-
gen Bruchsteinbau mit Stützpfeilern erkenn-
bar. Anfänglich gehörte der heute als ev.
Pfarrkirche genutzte Bau BURGDORFER
STRASSE 9 zu dem Stift Minden. Er wurde
1329 von dem Grafen von Roden dem Klo-
ster Marienwerder geschenkt. Der West-
turm ist auf quadratischem Grundriß über
profiliertem Sockel in Quadermauerwerk er-
richtet. Das Glockengeschoß aus unregel-
mäßigem Bruchstein wird von einem acht-
eckigen, gedrungenen Schieferhelm be-
krönt. An der Außenwand auf der Nordseite
des Turmes ist ein kleines Relief in einem
Rundbogen eingemauert. Es stammt ver-
mutlich von dem romanischen Vorgänger-
bau aus der Zeit um 1200 und stellt wohl
die Heilige Agatha dar. Bemerkenswert sind
die Malereien in den Kreuzgewölben des
Langhauses, die vermutlich aus dem
15. Jh. stammen. Zu der Inneneinrichtung
gehören der Kanzelaltar aus dem Jahre
1722 und die hölzerne Gutsempore aus
dem Jahre 1660 mit den Wappen der Fami-
lien von Knigge und von Münchhausen.
In Friedenszeiten war die Lage für die Ort-
schaft Leveste von größtem Vorteil. Jedoch
in den unsicheren Zeiten des Dreißigjähri-
gen Krieges hatten die Bewohner unter die-
ser besonderen Lage zu leiden, denn die
herumziehenden Truppen benutzten den
Helweg ebenso wie in Friedenszeiten die
Handelsleute. So wurde Leveste damals oft
ausgeplündert, und mehrere Wirtschaftsge-
bäude wurden durch Brand zerstört.
Die Ortschaft lag im Schutz der Wasser-
burg, wohl ursprünglich mit den 7 Vollmeier-
höfen, wie sie noch in einer Contributions-

Leveste, Verkoppelungskarte 1858/59
Amt für Agrarstruktur, Hannover


Leveste, Burgdorfer Straße 9, Kirche St. Agatha, 1363


Leveste, Am Gut 1-4, Gut,
Gewächshauspavillon, Laves


Leveste, Burgdorfer Straße 9,
Kirche St. Agatha, Blick auf Altar


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