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aus dem ehemaligen Klosterhof des Klo-
sters Marienrode hervorging. Ober- und Un-
tergut waren die Nachfolger der mittelalterli-
chen Burghöfe der Grafen von Hallermund.
Der Burgmannshof - auch das feste Haus
genannt - lag, wie schon erwähnt, südlich
der Kirche direkt am Marktplatz. Die gräfli-
che Burg wurde 1429 verpfändet und ge-
langte 1582 in den Besitz der Burgmannen
Wedemeyer. 1753 überließ Conrad Wede-
meyer der Stadt einen Teil des Burghofes
bei der Kirche und erhielt als Ausgleich
Land auf dem oberen Anger im Westen der
Stadt außerhalb der Stadtbefestigung. Dort
errichtete er das heute als Obergut be-
zeichnete Anwesen OBERGUTSTRASSE 2.
Das Herrenhaus stammt aus dieser Zeit.
Der zweigeschossige Fachwerkbau unter
Halbwalmdach mit zweiarmig vorgelegter
Treppe auf längsrechteckigem Grundriß
wurde in den letzten Jahren erneuert. Die
großen, langgestreckten Wirtschaftsgebäu-
de aus Fachwerk unter Halbwalmdach mit
verputzten Gefachen, die den rechteckigen
Wirtschaftshof umschließen, stammen vor-
wiegend aus dem 19. Jh. In direkter Nach-
barschaft steht in der Straße AM GEHLEN¬

BACH 14 eine Längsdurchfahrtscheune aus
Bruchsteinmauerwerk.
Das ehemalige Untergut, das auch zu dem
Besitz der Familie Wedemeyer gehörte, ist
heute aufgelöst. Es lag am westlichen Orts-
ausgang unterhalb der Straße nach Sprin-
ge. Nur das umgebaute Herrenhaus, ein
Wirtschaftsgebäude und der Park deuten
auf das ehemalige Gut hin.
Der ehemalige Paterhof liegt im östlichen
Teil der Stadt innerhalb der Befestigungs-
anlage am Südosthang oberhalb des Wall-
baches in der Straße AM WÖHLBACH 1-3.
Er soll ursprünglich zum Kloster Marienrode
bei Hildesheim gehört haben. Während des
Dreißigjährigen Krieges zerstörte Oberst
Planckhorst von den Tillyschen Truppen
das Gut. Die langgestreckten zweigeschos-
sigen Fachwerkbauten, die als Stallungen
und Landarbeiterwohnhäuser dienten, und
die massive Scheune mit drei Querdurch-
fahrten unter Erkerhäuschen schließen den
schiefwinkligen Wirtschaftshof des Gutes
zur Straße ab. Das ebenfalls langgestreck-
te, verputzte Wohnhaus in Fachwerk be-
grenzt den Hof nach Süden gegen das

Eldagsen, Obergutstraße 2, Gut



Eldagsen, Am Wöhlbach 1-3, Gut
Herrenhaus, frühes 18. Jh.

Mühle

Eldagsen, Lange Straße 96,
Wohnhaus mit Gaststätte, spätes 18. Jh.


Eldagsen, Am Wöhlbach 9,
ehern. Schule, 1821


abfallende Gelände. Im Westen ist ein mas-
siver, dreigeschossiger Wirtschaftsteil in
Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung
angebaut. Das Wohnhaus stammt aus der
ersten Hälfte des 18. Jh. Die meisten der
Wirtschaftsgebäude entstanden im 19. Jh.
Bei ihrem Bau verwendete man das Material
der zahlreichen Vorgängerbauten.
In direkter Nachbarschaft zum Paterhof la-
gen die Gebäude des ehemaligen Jungfern-
klosters Marienthal. Der auf längsrechtecki-
gem Grundriß im Jahre 1821 erstellte Bau-
körper der ehemaligen Schule mit vier Klas-
sen und Lehrerwohnungen AM WÖHL-
BACH 9, der in den letzten Jahren als Kin-
dergarten diente, steht auf Kellergewölben
des alten klösterlichen Vorgängerbaues.
Das zweistöckige Fachwerkgebäude mit
verputzten Gefachen wurde später um ei-
nen weiteren Schulbau ergänzt.
Reste der Stadtbefestigung, die aus Wall,
Graben und Mauer bestand, sind an einem
Stallgebäude in der LANGE STRASSE 95
erhalten. Die in ost-westlicher Richtung
verlaufende Hauptstraße, die heutige
Lange Straße, folgte den topographischen
Gegebenheiten. Das Rathaus wurde 1845
durch einen zweigeschossigen Putzbau er-
setzt. Der benachbarte zweigeschossige
Ziegelbau mit Eckerker unter kleinem Türm-
chen LANGE STRASSE 62 stammt aus der
Zeit um die Jahrhundertwende. Auffallend
sind die traufständigen Bauten LANGE
STRASSE 92 und LANGE STRASSE 96,
beides zweistöckig abgezimmerte Wand-
ständerbauten aus der zweiten Hälfte des
18. Jh. Konstruktives Gefüge und die
Raumaufteilung mit dem traufseitigen, mitti-
gen Eingang entsprechen den Haustypen,
wie sie beim Wiederaufbau der Stadt Pat-
tensen verwendet wurden. Die vermutlich
älteste Bausubstanz steht in der Mittelstadt
an der ehemaligen Pfarrstraße, der heuti-
gen Kirchstraße. Doch leider wurden die
Bauten in den letzten Jahren stark über-
formt. Als Hofanlage gut erkennbar ist
KIRCHSTRASSE 15 mit dem zweigeschos-
sigen Fachwerkbau unter Satteldach, ver-
mutlich aus der zweiten Hälfte des 18. Jh.
Der rückwärtige Wirtschaftshof war allseitig
von Gebäuden umstanden und durch eine
schmale Zufahrt von der Kirchstraße zu-
gänglich. Heute sind die Wirtschaftsgebäu-
de z.T. abgerissen und verändert. An der
Einmündung der Kirchstraße in die Lange
Straße steht der zweigeschossige Wand-
ständerbau KIRCHSTRASSE 1. Der trauf-
ständige Fachwerkbau von 1800 ist auf der
Straßenseite durch eine waagerechte Bret-
terverschalung geschützt.
Nach dem Brand von 1742 wurde durch
den hannoverschen Festungsbaumeister
Dinglinger die vernichtete Weststadt inner-
halb eines Jahres wieder aufgebaut. We-
sentliche Voraussetzung für die zügige Rea-
lisierung war die Standardisierung der Kon-
struktion und der Grundrisse für die Wohn-
häuser. Es sind giebelständige, vorwiegend
zweistöckig abgezimmerte Fachwerkwand-
ständerbauten unter Satteldach, z.T. mit
kleinem Walm, die als reine Wohnhäuser
genutzt wurden. Der Eingang über vorge-
legter Treppe liegt außermittig in der un-

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