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ßigem Bruchstein errichteten Außenwände
sind an den Mauerecken durch quaderför-
mige Sandsteinblöcke gefaßt. Die rechtek-
kig geschnittenen Fenster sind durch Sand-
steingewände gerahmt. Die Giebeldreiecke
wurden vermutlich später in Fachwerk mit
Ziegelausmauerungen aufgesetzt.
Gegenüber der Kirche gliedert der lang-
gestreckte, in Fachwerk errichtete Baukör-
per mit dem riesigen, roten Dach der
Längsdurchfahrtsscheune auf der Hofanla-
ge LINDERTER STRASSE 14 den dörflichen
Bereich von Gärten, Höfen und Straße. Im
korbbogenförmigen Torbalken des straßen-
seitigen Giebels ist das Gebäude datiert
1833.
Einer der wenigen erhaltenen Dreiständer-
bauten des Landkreises Hannover ist das
Haupthaus der Hofanlage in der LINDER-
TER STRASSE 22. Der 1696 datierte Fach-
werkbau ist eines der ältesten landwirt-
schaftlichen Gebäude im südlichen Land-
kreis. Es ist ein kleines Niederdeutsches
Hallenhaus auf kurzem längsrechteckigem
Grundriß mit einer Diele und einem Flett von
zwei Fach. Das kurze Kammerfach ist zwei-

Holtensen, Rehrweg 13,
Wohn-Wirtschaftsgebäude, 1839


geschossig und in der Dachfläche leicht
höher gezogen. Die breiten, liegenden Ge-
fache, z.T. noch mit Lehmziegelausmaue-
rungen, und die kräftigen Eichenhölzer sind
ein Indiz für das hohe Alter dieses Bauwer-
kes. Trotz einiger Veränderungen, wie in
der unteren Gefachreihe und der linken
Traufseite, sind die wesentlichen Teile des
Gesamtgefüges sehr gut erhalten. Beson-
ders gut erhalten ist der Wirtschaftsgiebel
mit der außermittigen Toreinfahrt unter dem
Walmdach. Das mit Kreuzstreben gesicher-
te Giebeltrapez ruht auf breitem Schwellbal-
ken - mit Längskanneluren versehen - über
Balkenstummeln und leicht geschwunge-
nen Knaggen mit angedeutetem Taustab-
knaggenmuster.
Die ursprüngliche Anlage des alten Ortsker-
nes am Bach wird durch die Gebäude eini-
ger Höfe gut dokumentiert. Beispielhaft er-
halten und gepflegt ist der Hof LINDERTER
STRASSE 29. Das Haupthaus, ein Vierstän-
derbau unter Halbwalmdach mit ausgemau-
erten Gefachen aus dem Jahre 1821, weist
die für diese Zeit typischen quadratischen
Gefache, das regelmäßige, konstruktive


Sorsum, Weetzener Straße 68,
Mühle, 1876-80

Gefüge auf. Die Längsdurchfahrtsscheune
in Fachwerk mit Ziegelausmauerungen ver-
fügt über die gleichen konstruktiven und
dekorativen Merkmale wie das Haupthaus.
In dem Balken der korbbogenförmigen Tor-
einfahrt ist sie datiert 1839.
Einer der bedeutenden Höfe Holtensens
liegt an dem Nordrand der Ortschaft im
REHRWEG 13. Die Gebäude der als Knig-
gescher Hof bezeichneten Anlage liegen
weit voneinander um einen rechteckigen
Wirtschaftshof mit altem Baumbestand
gruppiert. Das riesige, langgestreckte Hal-
lenhaus, ein Vierständer in Fachwerkbau-
weise, ist zweistöckig abgezimmert. Die
Traufen des Kammerfaches, z.T. verkleidet,
sind leicht höher gezogen. Die Außenwand-
gliederung des 1839 datierten Hauses ist
regelmäßig und flächig ohne Staffelung in
der Tiefe. Das konstruktive und räumliche
Gefüge ist unverändert erhalten. Die Scheu-
ne mit außermittiger Längsdurchfahrt, die
im selben Jahr errichtet wurde, entspricht in
Bauweise und Material dem Haupthaus.
Hiervon abweichend ist das schlichte
Wohnhaus aus dem Jahre 1881, das dem
Wirtschaftsgiebel des Haupthauses gegen-
über liegt. Es ist ein eingeschossiger, fünf-
achsiger Ziegelbau unter Satteldach mit
kleinem Erker über mittigem Eingang. Die
Giebelwände wurden später verputzt.
Ortskarte Seite 172/173

WENNIGSEN-SORSUM

Die seit ihrer Entstehung rein landwirt-
schaftlich orientierte Ortschaft gehört si-
cher, wie sich aus ihrem Ortsnamen deuten
läßt, mit zu den ältesten Siedlungen des
Landkreises Hannover, die noch vor 500 n.
Chr. entstanden. Erstmals urkundlich er-
wähnt wurde Sorsum als Sutheren im Jahre
1126. Die Bewohner von Sorsum gehörten
zur Vogtei Lemmie im Go Gehrden. Kirch-
lich gehörten sie zu Wennigsen.
Fährt man auf der B 217 von Hannover in
Richtung Springe, so lenkt hinter der Ort-
schaft Weetzen die dreigeschossige Hollän-
derkappenwindmühle mit ihrem Kegel-
stumpf aus Bruchsteinmauerwerk die Auf-
merksamkeit auf die in einer Mulde ver-
steckte Ortschaft Sorsum. Die im Jahre
1876-1880 erbaute Windmühle WEETZE-
NER STRASSE 68 ist ein Ersatzbau für eine
Bockwindmühle, die hier schon um 1600
gestanden haben muß. Der Mühlenbetrieb
ist ein Indiz für die schon damals intensiv
betriebene Landwirtschaft.
Durch die große Brandkatastrophe von
1673 wurden fast alle Bauten der Ortschaft
vernichtet. Verschont blieben nur die Kapel-
le, das Schulhaus und eine Hofanlage. Kei-
nes dieser Gebäude ist heute noch erhal-
ten. Die kleine Kapelle AN DER KAPELLE 1,
die vermutlich zur gleichen Zeit wie das Klo-
ster in Wennigsen (im 13. Jh.) entstand,
wurde durch die Renovierungsarbeiten
während des 19. Jh. und in den Jahren
1904 und 1965-1966 grundlegend verän-
dert. Außenwandgliederung, Fensterformen
und Innenraumgestaltung wurden völlig um-

Holtensen, Linderter Straße 29, Hofanlage


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