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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

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https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0183
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Engensen, Kurhannoversche Landesaufnahme, aufgen. 1780, Ausschnitt (Landesvermessung und Geobasis-
information Niedersachsen)



Mit den Burgwedeler Ortsteilen Wettmar und
Thönse Teil der sog. Grafschaft über dem Moor
und zugleich der Freimark, profitierte Engensen
auch nach dem Übergang an die Welfen vom
Freien- und Gogericht und löste sich mit diesen
Dörfern 1307 von der Mutterkirche St. Pancra-
tius in Burgdorf.
Als der herzogliche Günstling F. M. Capinelli
(gen. Stechinelli), dessen Familienwohnsitz in
Wedemark-Elze zu den bedeutenden Bau-
denkmalen des Landkreises zählt, 1680 einen
Posthof mit Logierstation in Engensen einrich-
ten ließ, bedeutete dies einen weiteren
Bedeutungszuwachs für den kleinen Ort.
Bislang war Engensen rein ländlich geprägt und
lebte allein von Ackerbau und Viehzucht (Rind
und Schaf), nun sicherte die Station auch
Schreibern, Wagenmeistern, Pferdeknechten
und Postillionen ihr Auskommen. Erst der Bau
der Neuen Poststraße und der Aufbau Schil-
lerslages als neue Poststation (vgl. Burgdorf-
Schillerslage, Amboßweg 10) besiegelten 1782
das Ende des Engenser Posthofes, der mögli-
cherweise auch der Tagungsort der welfischen
Hauskonferenzen in Engensen war (zwischen
1674 und 1705 tagten mindestens 233
Sitzungen von insgesamt 445 in Engensen, das
über die Poststraße von Celle und Hannover
gleichermaßen gut und schnell zu erreichen
war). Der Ort war damals mit 32 Hofstellen der
kleinste in der Burgwedeler Region und wird
von der Verlegung vermutlich stark betroffen
gewesen sein, wie allein die hohe Anzahl von
89 Pferden im Jahr 1770 vermuten lässt (1873:
33 Pferde).
Obgleich sich der Ort bis in die Nachkriegszeit
kaum vergrößerte und erst ab 1962 einige Neu-
baubereiche gegen Osten und vor allem im
Nordosten vorgelegt erhielt, präsentiert er sich
heute stark modern überprägt und vergleichs-
weise arm an ungestörter historischer Bausub-
stanz.
Mittelpunkt der um die Kreuzung der späteren
Poststraße (Thönser Str.) mit der Schillerslager
Straße gewachsenen Siedlung ist die Engenser

Engensen, Thönser Straße, Kapelle


Kapelle, ein klein bemessener Saalbau aus
Raseneisen- und Feldsteinen mit polygonalem
Chorschluss (Thönser Str.). Die Form der
gedrückten Spitzbögen der Fenster und die
Profilierung ihrer Gewände lassen eine Bauzeit
im frühen 14.Jh. vermuten, ein Zeitpunkt, der
mit der Loslösung Engensens von der
Burgdorfer St.-Pancratius-Kirche 1307 die
Errichtung einer eigenen Kapelle wahrscheinlich
werden lässt. Seit 1870 wurde sie als
Schulraum genutzt, offensichtlich eine Verle-
genheitslösung, die man erst mit dem Schul-
anbau von 1912 nach und nach aufgab. Die
Schule, in ihrer Funktion über das Bibelzitat
„Werdet meine Kinder und das Werk meiner
Hände zu mir” nach Jesaja 45,11 noch heute
eindeutig zu erkennen, ist über ein Spitz-
bogentor zu betreten, das sich an der Stelle der
einstigen, noch auf alten Fotografien abgebilde-
ten Strebepfeiler befindet.
Mit dem benachbarten eingeschossigen Ziegel-
bau unter Satteldach, dem heutigen Gemein-
debüro an der Kapellenstraße hat sich sicher-

Engensen, Schillerslager Straße 13, Wohnwirtschaftsgebäude, „1891"

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