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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0258
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„1885” und rundet die Gruppe historischer
Bauten an der Straßenabzweigung nach NB-
Süd harmonisch ab. Der Wohnteil - zweige-
schossig ausgebaut - liegt in Firstlinie des
Wirtschaftstraktes und wird über einen in selte-
ner Weise neugotisch ausgestalteten Flettzu-
gang erschlossen.
Nur wenige Meter östlich erheben sich zwei
bemerkenswerte Nebenbauten, die man ihrer
Funktion als Speicher entsprechend auf die
rückseitigen Flächen der Hofparzelien platzier-
te. Zu den angeblich ältesten Belegen dieser
kleinen Nebengebäude gehört der zweige-
schossige Stockwerksbau Nr. 62, dessen
Ständer paarweise angeordnete Kopfwinkel-
hölzer und Fußbänder sichern; die Fachliteratur
(Fließ) datiert ihn in das Jahr 1563 (angeblich
Bauinschrift). Obgleich diese Einschätzung bis-
lang nicht abgesichert werden konnte, unter-
stützen von Punktlinien begleitete Tordierun-
gen, Rautenbänder und die Form der noch mit
Taubändern verzierten Karniesknagge (s.
Kreuze und reliefierte Wappenkartuschen auf
den Abläufen) die Zeitsetzung in die 2. Hälfte
des 16.Jh. (vgl. die Verzierungen am Speicher
in Wedemark-Bissendorf, Gottfried-August-
Bürger-Str. 1).
Um 1650 ist hingegen der einstige Treppen-
speicher Nr. 74B zu datieren, ein zweigeschos-
siger, ebenfalls durch gekehlte Kopfwinkelhöl-
zer versteifter Ständerbau. Als charakteristische
Formen dieser Zeit gelten die kielbogige Pforte
im Erdgeschoss und die vorhangbogige Spei-
cherluke im Obergeschoss, wobei auch die
reliefierten Taubandkonsolen diesen Zeitansatz
unterstützen; erst im 18.Jh. wurde der beschei-
dene Anbau unter Pultdach angefügt.
Abseits dieser Gebäudeballung im Umfeld des
Wöhler-Dusche-Hofes darf sich das Hallenhaus
der Hofstelle Am Ortfelde 86 aufgrund seiner
Bauinschrift („1574”) als einer der ältesten
erhaltenen Belege des Zweiständerinnen-
gerüstes in der Region rühmen, obgleich der
Umbau zum Einfamilienwohnhaus den Ge-
samterhaltungszustand deutlich belastete. Eine
moderne Haustür und einflügelige Fenster
durchbrechen heute den Wirtschaftsgiebel und
forderten den Abbruch der horizontalen Riegel
der quer liegenden Gefache und einer winkel-
steif verbindenden Fußstrebe ein. Als typische
Details des 16.Jh. gelten im Wirtschaftsgiebel
neben den mächtigen Querschnitten die von
paarweise angeordneten Kopfbändern ver-
stärkten Ständer, die direkt über Stichbalken
vorkragende, nur flache Scheingeschosszone
mit Halbrosetten und die durch drei Taustäbe
und ein eingekerbtes Andreaskreuz rhythmisier-
ten Knaggen. Das in Ständerbauweise ab-
gezimmerte Kammerfach scheint hingegen
deutlich jünger zu datieren (um 1700). Die
durch eine steinerne Pforte von der Straße ab-
gegrenzte Hofstelle ergänzen ein flacher, zum
Wohnhaus ausgebauter Stall und ein steinerner
Brunnen (Viertelsegmente) des Jahres 1670.
Die ehemals zugehörige Längsdurchfahrts-
scheune, heute Wohnhaus der benachbarten
Parzelle Nr. 88, gibt sich durch die schlanken
Fußstreben und den flachen, durch Knaggen
rhythmisierten Drempel als ein Wandständer-


Niedernhägener Bauerschaft, Am Ortfelde 62, Speicher, Ansichten, Schnitt, Grundriss, Detail, in: G. Traber: Alte
bäuerliche Nebengebäude in Nordniedersachsen. Diss. Braunschweig 1958

Niedernhägener Bauerschaft, Am Ortfelde 62, Speicher, Knaggenbündel


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