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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

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https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0276
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Dementgegen ist man im Ortsgebiet, dessen
historischen Dorfkern die Hauptdurchgangs-
straße als Alt-Godshorn durchzieht, augen-
scheinlich bemüht, durch etliche Umnutzungen
alter Fachwerksubstanz, aber auch durch ver-
klinkerte Neubauten etwas vom dörflichen
Ambiente zurückzugewinnen.
Den Auftakt des historischen Dorfes „Gottes-
horn”, das im 18.Jh. vierzig Feuerstellen ver-
zeichnet, bildet eine kleine Fachwerkkapelle im
Westen der Ortschaft, ein bescheidener Saal-
bau mit polygonalem Schluss, 1746 in auffal-
lend traditioneller Weise errichtet. Ein im Osten
abwalmendes, von Taubandkonsolen abgetra-
genes Satteldach überfängt den flach gedeck-
ten Raum, in dem ein als Altarplatte genutzter
Grabstein (um 1500) die einzige historische
Ausstattung stellt (Alt-Godshorn 63).
Ein Teil der vor allem südlich der Alt-Godshor-
ner Straße streuenden Baudenkmale dokumen-
tiert die zwei regionaltypischen Bauformen des
straßenseitig dekorativ ausgearbeiteten
Wohnwirtschaftsgebäudes des 18.Jh. Beide
kennen hohe Giebelwandständer und damit die
hoch liegende Giebelschwelle sowie den Gie-
belvorsprung über eingehälste Kragbalken.
Stark plastische, holzausgefachte Scheinge-
schossgiebel stehen hier allerdings gleichbe-
rechtigt neben schlicht gerasterten Giebelfel-
dern (Alt-Godshorn 71: „1759”; Im Moore 25:
„1781”; Unter den Eichen 4: um 1790). Dabei
ist dem Vierständerbau Unter den Eichen 4 vor
allem aufgrund seiner ortsgeschichtlichen
Bedeutung besondere Wertigkeit zuzumessen,
denn immerhin diente das als Hermann-Göring-
Heim in die Ortsgeschichte eingegangene
Fachwerkhaus lange Jahre als SS-Heim und
fester Bestandteil der ehemals weit über die
Straße Im Moore hinwegreichenden Luftwaffen-
kaserne. Dort, wo sich heute Neubauten der
fünfziger Jahre erheben, reihten sich früher
Baracken aneinander - einige Kasernenbauten
sind noch heute im Umfeld des Gebäudes zu
erkennen. Noch heute bestimmen großflächige,
durch Sprossen unterteilte Holzfenster die
Fachwerkfassaden, die aus der Umbauphase
zum Versammlungsheim stammen.


Godshorn, Im Moore 25, Wohnwirtschaftsgebäude, „1781"

Godshorn, Am Kielenkamp 3, Wohnwirtschaftsgebäude


Den ältesten Objekten wird das gedrungene
Zweiständerkübbungshaus Am Kielenkamp 3
zuzurechnen sein, obgleich die im Wirtschafts-
giebel eingearbeitete Jahreszahl 1770 eine spä-
tere Entstehung nahe legt. Der Kontrast und
konstruktive Wechsel zwischen dem stark
rhythmisierten und holzausgefachten Mitteljoch
(beachte die altertümliche, tief liegende Giebel-
schwelle!) zu den schlichteren Kübbungen
belegt jedoch, dass der Kernbau spätestens
dem frühen 18.Jh. zuzuweisen ist und noch
später die überkommenen Kübbungen ange-
gliedert erhielt, deren Konstruktion mit derjeni-
gen des Wohnteiles übereinstimmt. Das wohl
als Haupthaus errichtete Gebäude wurde nach
den Quellen schon bald als untergeordnetes
Nebenhaus, vielleicht als Altenteiler genutzt.
Das Zweiständerhallenhaus Kapellenstraße 4
bezeugt hingegen wiederum den für Langen-
hagen seltenen, für die Wedemark häufiger
nachzuweisenden Bautyp gleichmäßig geras-
terter, später Kübbungshallenhäuser („1868”).

Godshorn, Rährweg 17, ehern. Schule


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