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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

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https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0365
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Esperke, Neustädter Straße 45, Längsdurchfahrtsscheune, „1662"



gels bzw. unterhalb des kräftigen Giebelvor-
sprungs. Als architektonisches Kleinod kann
schließlich der aus starken Eichenständern ab-
gezimmerte Speicherbau in Ankerbalken-
/Hochrähmkonstruktion (durchgezapft) be-
zeichnet werden, ein durch paarweise angeord-
nete Kopfwinkelhölzer und kräftig profilierte
Knaggen rhythmisierter Wandständerbau. Un-
gewöhnlich ist sein über Stichbalken weit vor-
kragender Steilgiebel, den man wie auch die
Rückseite holzverschalte. Das kleine funktiona-
le Gebäude weist traufseitig noch mit Holzsta-
kung und Lehmbewurf geschlossene Gefache
und einen kielbogig ausgeschnittenen Pforten-
sturz auf, der in dieser Form sicherlich in das
frühe 17.Jh. zurückverweist.
Das Erscheinungsbild der Neustädter Straße
ergänzt eine schlichte Bretterscheune an der
Abzweigung der kleinen Gasse Im stillen Garten
(Nr. 2), die wiederum auf einen im Iß.Jh. errich-
teten Speicher mit integriertem Backhaus (Nr.
3) zuläuft; durch den in jüngster Zeit erfolgten
Umbau des ehemaligen Nutzbaus zu einem de-
korativen Wohnbau ist die historische Funktion
des Gebäudes leider kaum noch abzulesen.
Folgt man der von der Neustädter Straße ab-
zweigenden Straße In Esperke gegen Westen,
so führt der Weg vorbei am Vierständerhaus Nr.
1 („1827”) zum auffallend überhöhten, lehm-
ausgefachten Backhaus der Hofstelle Nr. 4, das
nach der Kniestockausbildung über den ein-
zapfenden Brustriegeln wohl dem späten
19.Jh. zuzuweisen ist.
Es erhebt sich gegenüber der Hofstelle Nr. 3,
deren Haupthaus zur Straße annähernd parallel
verläuft: Den Wirtschaftsgiebel des sanierten
Vierständerbaus („1807”) überzieht ein Netz-
werk aus geschosshohen Schrägstreben, die
zu den Holzbohlenausfachungen der Sockel-
zone einen starken Kontrast einnehmen. Der
Hof wird durch eine straßenparallele Längs-
durchfahrtsscheune (um 1800) unter Halb-
walmdach ergänzt, die in regionaltypischer
Weise die Zufahrt des Gehöfts einfasst. Die im
Giebeldrempel durch Holzbohlen verschlosse-

Esperke, Neustädter Straße 43, Wohnwirtschaftsgebäude, „1756"


ne Scheune weist noch einige mit Weiden-
geflecht und Lehm geschlossene Gefache auf.
Das nur wenige Meter entfernt aufgehende
Halienhaus Postweg 3 gehört zur Gruppe tra-
ditioneller, in Zweiständerbauweise errichteter
Wohnwirtschaftsgebäude des 19.Jh., wie diese
vielerorts im nördlichen Landkreisgebiet und vor
allem in der Neustädter Region und der angren-
zenden Wedemark anzutreffen sind. Eine
Bauinschrift verweist es in das Jahr „1864”,
obgleich der kräftige Giebelvorsprung für die-
sen Zeitansatz recht altertümlich erscheint.
Den östlichen Ortsrand begleitet auf einer
beachtlichen Länge das Gehöft Lange Straße
78, dessen imposantes Wohnwirtschafts-
gebäude als ein repräsentativer Ziegelbau
(„1897”) mit Formziegelsetzungen und gotisie-
renden Blendgliederungen errichtet wurde. An
der Stelle des quer ausgerichteten, zum
Wohnteil vermittelnden Fletts durchbricht ein
dekoratives Zwerchhaus das Halbwalmdach,
der durch einen filigranen hölzernen Windfang

Esperke, Neustädter Straße 23, Wohnwirtschaftsgebäude, „1807"

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