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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0371
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NEUSTADT A. RBGE./HELSTORF

Helstorf, Kurhannoversche Landesaufnahme, aufgen. 1771, Ausschnitt (Landesvermessung und Geobasisinfor-
mation Niedersachsen)



Das am Ostufer der Leine nördlich von Neu-
stadt gegründete Helstorf liegt unmittelbar im
Übergangsbereich zwischen der Bürener (Wes-
ten) und Wedemarker Geest (Osten) am süd-
lichen Ortsanschluss und dem Allerzustromtal
nördlich der Ortschaft. Um 1166 trat es in einer
Schenkungsurkunde erstmals in Erscheinung;
1269 erneut als „helstorpe prope Mandelsloh”.
Das zum Archidiakonat Mandelsloh gehörende
Dorf war in weiten Teilen auch den Herren von
Mandelsloh unterstellt, die hier zahlreiche
Lehen innehatten, u.a. den Freihof und die
1320 erstmals erwähnte Fähre. Nach den seit
dem späten 16.Jh. überlieferten Daten umfass-
te es bis weit in das 19.Jh. hinein durchweg
zwei bis drei Meierhöfe, eine stark schwanken-
de Anzahl von Kötnern (zwischen zehn und
dreißig) und einige Brinksitzer; durchschnittlich
ca. 30 Höfe. Das wirtschaftlich vornehmlich von
der Landwirtschaft getragene Dorf erlitt im Zuge
des Dreißigjährigen Krieges derart starke
Belastungen, dass 1636 von damals dreißig
Höfen allein sechszehn als wüst, halb in Stand
oder verarmt bezeichnet werden mussten.
Durch die wirtschaftliche Stagnation und den
schleppenden Ausbau überdauerte jedoch der
Kern des 1771 kartierten Haufendorfes unge-
stört die nachfolgenden Jahrhunderte, zumal
die Agrarreform des 19.Jh. zu einer weiteren
Verarmung und baulichen Stagnation beitrug.
So wird Helstorf noch heute von einem vertrak-
ten historischen Wege- und Straßensystem
geprägt, das sich entlang der in Gruppen bei-
sammenliegenden Gehöftanlagen entwickelte,
die zur Straße heute häufig schräg angeordnet
erscheinen. Moderne Siedlungserweiterungen
sind vor allem gegen Süden zum Flussbett ei-
ner alten Leineschleife (geplantes Naturschutz-
gebiet Steinkamp) und entlang der Abbenser
Straße zu registrieren, die auf die weiten
Flächen des Helstofer Moores zuführt.
Die im Zentrum des Ortskems aufgehende
Kirche (Brückenstr. 10) wurde bereits 1438 als
„Helstorpe kerkhere” genannt. Nach den 1978
durchgeführten archäologischen Untersuchun-
gen wurde sie wohl schon im 13.Jh. errichtet,
bevor sie dem Kirchenneubau 1751 nach
Plänen Z. H. Vicks zum Opfer fiel. Nur der höl-
zerne Glockenturm des 17.Jh. wurde in die
Neukonzeption miteinbezogen. Als einer der
seltenen hölzernen Kirchtürme des Landkreises
überragt er noch heute das gekalkte Langhaus
der Hallenkirche, deren hell getünchten Innen-
raum ein spätbarocker Kanzelaltar („1756”; auf-
gemalte Jahreszahl auf Wappen des Kanzel-
korbes) dominiert. Der allgemein der Werkstatt
Ziesenis zugeschriebene Umgangsaltar wurde
nachweislich vom Kunstmaler Thilo farbig
gefasst, der wohl auch das Tafelbild der
Abendmahlszenerie anfertigte. Zwei jüngst wie-
der instandgesetzte, aufwendig gearbeitete
Priechenblöcke (Sitze der Familien von Both-
mer und von Stolzenberg, „1751”) leiten zur
aufgeständerten Empore über, die den kleinen
Saalraum dreiseitig umfängt. Erst 1768 fügte
man zwischen Prieche und Empore der
Nordwand ein vermittelndes Zwischenstück
ein, das über eine Außentreppe zu betreten
war. 1864 stellte man auf der verbreiterten

Helstorf, Brückenstraße 10, Kirche von 1751, Außenansicht, Blick von Süden

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