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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

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https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0409
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NEUSTADT A. RBGE./STÖCKENDREBBER


Stöckendrebber erstreckt sich nordöstlich von
Neustadt auf dem linken Geestufer der Leine-
masch unmittelbar südlich der Grenze zum
Landkreis Soltau-Fallingbostel.
Naturräumlich betrachtet profitierte das histori-
sche Dorf von den trockenen, fruchtbaren
Ackerböden im Westen, die ihm noch heute
günstige Voraussetzungen für einen florieren-
den Ackerbau bieten, der nach wie vor eine
wichtige Ertragsbasis des Ortes ist. 1033
wurde Stöckendrebber als „Dribura” (-
Drebber) im Zusammenhang mit Besitzun-
gen des Martinsstiftes zu Minden erwähnt,
das hier Ländereien in Größe einer Hufe
(= 1 Hof?) besaß. Im späten Mittelalter war es
hingegen in weiten Teilen den Herren von
(Nieder-) Stöcken unterstellt, die man als
Dienstmannen des Wölpener Geschlechts auf
dem Burgsitz im benachbarten Niedernstöcken
vermutet.

Schneeren, Heuberg 5, Quer- und Längsdurchfahrtsscheune, um 1820


Schneeren, Hinter der Kirche 16, Wohnwirtschaftsgebäude

Stöckendrebber, Auf dem Damm 2, Wohnwirtschaftsgebäude, „1780"


Anders als sein östlicher Nachbar wurde
Stöckendrebber im Dreißigjährigen Krieg weni-
ger stark in Mitleidenschaft gezogen; zwar wur-
den neun von insgesamt 34 Höfen als verwüs-
tet, keiner jedoch als verbrannt genannt. Die
Kurhannoversche Landesaufnahme verzeich-
nete schließlich 37 Feuerstellen inklusive des
Adels-Hofes von Bothmer als auch das charak-
teristische Parallelstraßensystem, das sich auf
trapezoidem Grundriss zwischen der Leine im
Osten und der heutigen Landesstraße L 191
entwickelte; ein moderner Siedlungsausbau ist
allein in westlicher Richtung zu registrieren, wo
sich einst das abseits des Ortskerns gelegene
Scheunenviertel befand.
Für den nach wie vor bäuerlich-ländlich gepräg-
ten Ort sind weite, nur am Rand überbaute
Hofflächen als charakteristisch hervorzuheben,
die vor allem im Südosten des Dorfes in die freie
Landschaft überleiten. Unter den zumeist
schräg zur erschließenden Straße hin orientier-
ten Wohnwirtschaftsgebäuden ist dem gedrun-
genen Zweiständerbau Stöckendrebber Straße
18 aufgrund seiner frühen Zeitsetzung beson-
dere Aufmerksamkeit zuzuwenden: Der dend-
rochronologisch auf 1614 datierte Fachwerk-
bau zeigt in seinem Wirtschaftsgiebel das für
diese Region seltene Nebeneinander bogig
geführter Fußwinkelhölzer, kurzer Kopfbänder
und Karniesknaggen, während der erdge-
schossige Teil des Wirtschaftsgiebels durch
spätere Umbaumaßnahmen deutlich an Qua-
lität verloren hat.
Gut 150 Jahre trennen ihn somit von den
Zweiständerbauten Zum Osthorn 8 (bemer-
kenswert die Holzausfachung im Giebel-
drempel des Wohnteiles) und Hirtenweg 1,
die nach ihrem kräftigen Giebelvorsprung,
den Verstrebungen und den Ständerquer-
schnitten wohl in die zweite Hälfte des 18.Jh.
verweisen.
Eine vielleicht nur wenige Jahre spätere
Entwicklungsstufe dokumentiert hingegen das
Vierständerhallenhaus Auf dem Damm 2, des-
sen vorkragender Wirtschaftsgiebel mit seinen

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