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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0420
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stellen, ein in seltener Weise von modernen
Umbauten verschonter Fachwerkbau. Zusam-
men mit einer steinernen Pforte bildet er den
baulichen Auftakt zum historischen Halbhof
aus, der mit dem von der Straße weit zurück-
versetzten, zweigeschossigen Traufenhaus
ein außergewöhnlich repräsentatives Fach-
werkwohnhaus erhielt. Seine herrschaftlich
anmutende Bauform erklärt sich durch die
Einheirat der Friederike von Ramdohr, der
Tochter des Königlich-Hannoverschen Drago-
nerhauptmanns von Ramdohr (Anfang 19.Jh.),
der der damalige Hofbesitzer Eckels ein stan-
desgemäßes Wohnen auf dem Land ermög-
lichen wollte.
Als eine von der Gesamtansicht ähnlich intakte
Hofanlage ist der Kothof Kurze Straße 10
wiederum im Kirchviertel hervorzuheben, des-
sen achtachsiges Wohnhaus (angeblich
1866) nach dem Einsatz moderner Ein-
scheibenfenster jedoch deutliche Verluste hin-
nehmen musste. Möglicherweise sind die über-
kommenen Stichbogenöffnungen ebenfalls
neuere, wenn auch bereits historisch geworde-
ne Zutaten, wie einige dem hannoverschen
Rundbogenstil verpflichtete Öffnungen erahnen
lassen. In jedem Fall ist der zugehörige Stall mit
rhythmisierenden Kranhäusern ein Wiede-
raufbau des Jahres 1922, nachdem ein Brand
Weihnachten 1921 den Vorgängerbau zerstör-
te.
Authentischer präsentieren sich die Fassaden
der jeweils zweigeschossigen Putzbauten
Breite Straße 19 (um 1895/1900), Nordstraße
10 (angebl. „1897”) und Peiner Straße 28
(„1905”), die in dieser Reihung einen überaus
anschaulichen Querschnitt der Architekturviel-
falt der Jahrhundertwende ermöglichen. So
weisen die Wohnhäuser Breite Straße 19 und
des Halbhofes Nordstraße 10 zwar einen iden-
tischen Aufbau (Traufstellung, Mittelrisalit, seit-
licher Eingang) bei vergleichbaren Ausmaßen
(zweigeschossig, sechsachsig) auf, dennoch
bleibt ihre Gesamterscheinung je nach Zitat
typischer Renaissanceanleihen (Breite Str. 19)
oder verschiedener historistischer Versatzstü-
cke (Nordstr. 10) divergent.


Sehnde, Bismarckstraße 3, Mehrfamilienwohnhaus

Sehnde, Moltkestraße 2-14, Doppelwohnhäuser


Zwerchhausartig in das Dach rückbindende
Risalite dekorieren auch die bürgerliche Villa
Peiner Straße 28, an deren Fassaden sich im
kontrastreichen Nebeneinander Beschlagwerk-
dekor neben Zierfachwerk gruppiert. Staffel-
fenster neben Drillings-, Zweiflügel-, Thermen-
fenstern oder Oculi bereicherten ursprünglich
die Lebendigkeit seiner Fassaden, wurden aber
zugunsten vereinheitlichender Einscheiben-
oder Kreuzstockfenster aufgegeben.
Schließlich blieb an der nordsüdlich verlaufen-
den Bahnstrecke in Richtung Bolzum eines der
ältesten Bahnwärterhäuser des Landkreises
erhalten (Bolzumer Str.). Das kleine, über
einem hohen Sockel aus Sandsteinquadern
aufgehende, massiv (Ziegel) ausgefachte Fach-
werkhaus wurde seinen Zierformen (Andreas-
kreuze, profilierte Sparrenfüße) nach zu folgern
wohl im letzten Viertel des 19.Jh. errichtet und
erst späterhin aus Witterungsgründen mit einer
Holzverschalung versehen.

Sehnde, Breite Straße 19, Wohnhaus, um 1895/1900


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