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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0491
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Fach lange Wandständerbau Am Wöhlerhof 6.
Mit dieser Datierung gehört es zugleich zu den
ältesten erhaltenen Bauten im Ankerbalken-
gefüge (durchgezapft; bemerkenswert auch die
Firstsäule), mit dessen Hilfe die Ausgrenzung
eines Kniestockes entstand. Das kleine Ge-
bäude wurde 1980 an seinem ursprünglichen
Standort im Pfarrgarten ab- und 1987 am
Wöhlerhof wieder aufgebaut und diente in sei-
nem hinteren Teil vermutlich als Pfarrbackhaus,
während es im Kniestock Speicherraum vor-
hielt. So berichten die Quellen von einem Ofen
außen an der Westseite, während der vordere,
durch eine links angefügte Kübbung erweiterte
Teil eine Stube und Kammern aufnahm. Der
quellenkundlich als Studierstube zu rekonstru-
ierende Hauptraum wurde 1817 umgebaut, als
man im Backhaus Raum für ein Klassenzimmer
und einen Lehrerwohnraum schuf.
Ihm liegt die Hofstelle Bahnhofstraße 2 gegen-
über, deren lang gestreckten einstigen Wirt-
schaftshof und heutigen Rasengarten das als
Vierständerbau errichtete Hallenhaus von 1760

Bissendorf, Am Wöhlerhof 6 (transloz.), Nebengebäude des Pfarrhofes, Rekonstruktion des Vordergiebels, in: U.
Fließ, Alte Bauernhäuser in Hannover, 1974

Bissendorf, Am Wöhlerhof 6, Nebengebäude des Pfarrhofes, „1589"


dominiert. Möglicherweise blieb im Innern des
im Wohnteil stockig ausgebauten Hallenhauses
ein älteres Gerüst erhalten. Neben einem teil-
weise mit Raseneisenstein ausgefachten Stall
des 18.Jh. blieb hier einer der zahlreichen
Brunnen Bissendorfs, ein aus Sandsteinringen
erstellter Brunnentrog des Jahres 1664, erhal-
ten.
Ursprünglich waren in diesem Bereich verstärkt
bescheidene Bauten auf kleinen Hofstellen zu
finden. Heute erfreut sich die von alten Bäumen
umstandene idyllische Bausubstanz einer
gesteigerten Wertschätzung als romantisches
Wohnquartier. Als Belege der einstigen ärmeren
Anwohnerschaft sind neben einem auf den
Bissendorfer Münkelshof translozierten Haupt-
haus der Brinksitzerstelle Nr. 10 das in Zwei-
ständerbauweise errichtete Hirtenhaus von
1733 (Bahnhofstr. 4; 1997 grundsaniert, neue
Knaggen und Ausfachungen) oder das straßen-
parallele Landarbeiterhaus von 1832 (Nr. 6)
anzuführen. Das als Wandständerbau abgezim-
merte Wohnwirtschaftsgebäude gliedert sich in
einen vorderen Trakt mit Längsdiele und einen
hinteren Wohnteil, dessen Außenwand man um
1890 massiv ersetzte.
Die jüngere bauliche Entwicklung dokumentie-
ren in diesem dörflichen Randbereich der
gedrungene Vierständerbau Nr. 8 („1858”) und
das zwanzig Jahre jüngere Haupthaus der weit-
läufigen Hofstelle Am Heerwege 7/7A, das
bereits die für das späte 19.Jh. charakteristi-
sche Betonung des Flettzuganges aufweist
(„1878”). Der Beginn dieser architektonischen
Akzentuierung der hinteren Traufe durch
Zwerchhäuser und aufwendige Türblätter ist
gegen 1870 anzusetzen, als das städtische
reine Wohn- und Traufenhaus allmählich Einzug
in das dörfliche Bauen hielt. Fortan zeigt sich
das traditionelle Wohnwirtschaftsgebäude
zweiseitig orientiert, einerseits zum Wirt-
schaftshof, den hier eine später zum Wohn-
wirtschaftsgebäude ausgebaute Querdurch-
fahrtsscheune (Ende 18.Jh.) flankiert, als auch
zur Straße, die zumeist ein schmaler Vorgarten
vom Wohnbereich abgrenzt. Als bemerkens-

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