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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0571
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Steinhude, Neuer Winkel, Blick von Nordosten auf die Giebelhäuserseite


Besonders anschaulich dokumentiert die
durchgehende Randbebauung der uferparalle-
len Gasse Neuer Winkel (Nrn. 5, 7, 9, 11, 14)
die einstige Ortsgestalt, die ursprünglich wohl
flächendeckend giebelständige Fachwerkbau-
ten mit rückseitig lang gestreckten Hofparzellen
einnahmen. Obwohl infolge von Teilabbrüchen
(Nr. 11) deutliche Verluste zu verzeichnen sind,
blieb hier ein seltenes Beispiel einer beeindru-
ckenden Reihung schlichter, als Vierständer-
häuser errichteter Ackerbürgerhäuser (um
1850) erhalten.
Nach einer Kartierung Steinhudes des Jahres
1770 zu urteilen, war die Ortschaft damals
bereits über ihre einstigen Grenzen hinausge-
wachsen, die heute noch die Straßenzüge An
der Schanze und Vor dem Tore markieren. An
den Rand dieser halbkreisförmig erweiterten
Siedlung wurden aus feuerpolizeilichen Grün-
den die zur Korneinlagerung eingerichteten
Scheunen verwiesen, die hier um die Mitte des
18.Jh. ein eigenes Viertel (Am Graben/Meer-
straße) ausbildeten. Der als Festplatz genutzte
Scheunenhof wird noch heute dreiseitig von
einem schmalen Eichensaum eingefasst. Die
als Dreiständerbauten mit Längsdurchfahrt und
holzverschaltem Steilgiebel errichteten und seit
1997 instand gesetzten Scheunen (einige 1765
d, Scheune „F“ hingegen um 1850) zeigen ver-
schiedentlich noch seltene historische Ausfa-
chungen in Flechtwerkstakung mit Lehmbewurf
oder auch alte Ziegelgefache. Durch die
Translozierung einiger ortsfremder Scheunen
wurde das Steinhuder Scheunenviertel zwi-
schenzeitlich um einige lokal eher untypische
Bauten erweitert.

*

Steinhude, Am Anger, Petruskirche, 1807-1856


Petruskirche
Am Rande dieser erweiterten Siedlung wurde
an der längsverlaufenden breiten Straße Am
Anger zwischen 1807 und 1856 eine steinsich-
tige Pfarrkirche, die heutige Petruskirche,
errichtet, deren Äußeres klare klassizistische
Züge trägt. Von dem von zwei mächtigen Win-
terlinden flankierten, spitzdreieckigen Kirchhof
leitet eine junge Birkenallee zum mächtigen
Westturm über, der das Giebeldreieck auf der
gesamten Höhe klar durchschneidet. Der durch
glatte Ecklisenen und ein flaches Mezzanin
gegliederte Saalbau wird traufseitig durch je
fünf hochrechteckige Fensterbahnen belichtet.
Im Innern kontrastiert die Form des 1978 ver-
schalten Tonnengewölbes mit der leichten drei-
seitigen Emporenkonstruktion, der im Westen
zwei Alkoven zu Seiten des sog. Petrusfensters
(Szene nach Lukas 58; um 1920) gegenüber-
stehen. 1952 wurde die klassizierende Kanzel
durch Holzreliefauflagen ergänzt, die wie auch
das überdimensionale Kruzifix ein Werk des
Bildhauers Ernst Weber sind. Seit der umfas-
senden Innenrenovierung 1996 zeigt sich die
Altarwand durch O. Krause-Rischard neu ge-
staltet. Schließlich ist neben einem Opferstock
von 1614 ein Tafelbild mit der Darstellung der
Kreuzabnahme (um 1800) als weiteres histori-
sches Inventar anzuführen.
Innerhalb dieses teilweise modern überprägten
Viertels verweisen die zwei, im Steilgiebel holz-

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