Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
stützt, die in ihrer geringen Krümmung und
der scharfkantigen, waagerechten Profilie-
rung mit Stäben und Kehlen dem gotischen
Stil zuzuordnen sind. Ebenfalls haben die
sichtbaren Fußbänder an den Ständern des
Obergeschosses nicht nur die technische
Funktion der Gefügeversteifung, sondern
auch eine ästhetische Wirkung (im Erdge-
schoß sind sie von Bohlen verdeckt). DieTür-
stürze sind im Erdgeschoß als Vorhangbogen
und im ebenfalls queraufgeschlossenen
Obergeschoß als Eselsrücken gestaltet
(Treppe ist nicht ursprünglich). An dem Bau
findet sich eine sehr frühe namentliche Nen-
nung des Zimmermmanns. Die Bezeichnung
„Rüterspieker“ zeugt davon, daß ein Spei-
cher neben seiner üblichen Zweckbestim-
mung auch als Unterkunft dienen konnte, in
diesem Fall einem Reiter des Landesherrn
während des Dreißigjährigen Krieges.
Die alte Hauptzufahrt von Osten flankieren
traufständig ein Schaf- und ein Rinderstall
(heute Pferdestall), beides schmucklose, ver-
bohlte Zweiständerbauten mit reetgedeck-
tem Vollwalmdach. Der Schafstall aus der

1. Hälfte des 18. Jh. stellt als Einraumbau mit
Längsaufschluß den Grundtyp dieses Ne-
bengebäudes dar. Der Rinderstall aus der
2. Hälfte des 18. Jh. besitzt eine offene Unter-
fahrt an einer Giebelseite; das Dach kragt
auch an einer Langseite aus. In derselben
Bauweise sind zwei Großspeicher errichtet,
die aus je einer Quertenne und seitlichen La-
gerräumen bestehen. An einem Giebel des
Speichers von 1835 kragt das Dach über ei-
ner Treppenanlage vor, die Rähme sind von
geschweiften Kopfbändern gestützt. An dem
Speicher von 1852 (heute Pferdestall) kragt
das Dach hingegen an einer Langseite vor,
wobei hier die Balkenlage mit geschweiften
Kopfbändern unterstützt ist. Das kleine
Wohnhaus von 1857, ein Fachwerkbau mit
Ziegelausfachung, steht auf einem hohen
Sockel aus gespaltenen Findlingen; eine
Treppe führt zur Eingangstür. Am Rand der
Hofstelle befindet sich ein Bienenzaun.

HERMANNSBURG - HOF GRAUEN
Der Hof Grauen gehörte ursprünglich zu Bek-
kedorf und ist wohl am Anfang des 19. Jh. auf
eine Anhöhe am Ufer des Hasseibachs ver-
legt worden. Der Einzelhof liegt unter alten
Bäumen und ist von landwirtschaftlichen
Nutzflächen umgeben. Die Kreisstraße 84,
die Ortsumgehung von Hermannsburg, führt
im Westen an dem Hof vorbei. Auf dergroßen
Hofanlage ist das Wohnwirtschaftsgebäude
von 1804 verändert worden, drei weitere Bau-
ten sind erst im Laufe dieses Jahrhunderts
entstanden. Nur der Treppenspeicher von
1828 ist in alter Bauweise erhalten. Er ist in
Hochrähmzimmerung mit durchgezapften
Ankerbalken errichtet und besitzt noch die
alte Treppenanlage unter vorkragendem,
reetgedeckten Satteldach. Einige kleine Hof-
stellen haben sich in den zwanziger und drei-
ßiger Jahren weiter südlich angesiedelt.

HERMANNSBURG - LUTTER

Der Hof Lutter liegt am nordöstlichen Rand

Lutter, Hof Lutter, Wohnwirtschaftsgebäude, 1909


156
 
Annotationen