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Ehern. Gutshof
Neben der Kapelle befindet sich ein Stallge-
bäude des Gutshofes aus der 2. Hälfte des
17. Jh. Der giebelständige Dreiständerbau
mit Kübbung hat zwei Längsdurchfahrten,
von denen eine zum Hof hin offen ist. An die
Front des Stalls schließt bündig das Hoftor
von 1688 an, das wohl ursprünglich weiter
östlich vor dem Park aufgestellt war. Zu bei-
den Seiten der Einfahrt stehen Mauerstücke
aus Raseneisenstein, die mit Sandstein ver-
blendet sind; sie sind - ähnlich dem Stechi-
nelli-Tor in Winsen - mit Obelisk, liegender
Volute und Knaufaufsatz geschmückt. Seit-
lich befinden sich Durchgänge. Von der ehe-
maligen Parkanlage nach französischem Mu-
ster sind heute noch Alleen dreihundertjähri-
ger Eichen und Hainbuchen erhalten. Auch
die Kanäle sind noch zu erkennen, die von der
Wietze geflutet werden konnten. Die damals
unbegradigte Wietze begrenzte den Park
nach Osten. Im Park steht ein Zierbrunnen
aus dem Jahr 1678. Sein rundes Becken ist
von zwei Postamenten flankiert, auf denen io-
nische Säulen einen Architrav mit einem ge-

Wieckenberg, Stechinellistraße 9, Scheune, frühes
18. Jh.


Wieckenberg, ehern. Gutshof, Stechinelli-Brunnen,
1678


sprengten Segmentgiebel tragen. Zu Beginn
der zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts ließ
der damalige Besitzerdas Herrenhaus errich-
ten, einen massiven zweistöckigen Ziegelbau
mit Mansarddach. Zur Straße hin baute man
ein Kutscherhaus mit Ställen im Erdgeschoß
und Stuben unter dem Dach.
Stechinelli, der 1678 mit dem Amt des Gene-
ralpostmeisters belehnt worden war und das
Postwesen im Herzogtum Braunschweig-Lü-
neburg organisierte, richtete in Wieckenberg
seinem Gutshof gegenüber eine Relaissta-
tion ein. Daran erinnert noch heute der Name
der Gastwirtschaft „Zum alten Postkrug “. Der
um 1800 errichtete Schafstall (Nr. 15), ein
holzverbohlter Dreiständerbau mit Längs-
durchfahrt, flankiert traufständig die Stechi-
nellistraße, die zwischen dem Gutshof und
der Wietzebrücke von Ahornbäumen ge-
säumt ist. Auf der benachbarten Hofstelle (Nr.
9) liegt augenfällig ein Wohnwirtschaftsge-
bäude aus der 2. Hälfte des 19. Jh. Dort ist
außerdem die Scheune vom Beginn des 18.
Jh. bemerkenswert. Der holzverbohlte Drei-
ständerbau mit Längsunterfahrt besitzt Gie-

beldreiecke, die auf vorkragenden und von
Zierknaggen gestützten Wandrähmen ruhen.
Auf den übrigen Hofstellen des Dorfes ist die
Bausubstanz in den letzten Jahrzehnten viel-
fach überformt oder erneuert worden.
Südlich führt eine Straße aus dem Dorf, die
1928 auf Beschluß des Celler Kreistages
durch ein bis dahin nicht erschlossenes Ge-
biet bis an die Kreisgrenze gebaut wurde.
Man wollte eine Verbindung von Wietze und
Wieckenberg über Fuhrberg nach Hannover
schaffen und ging davon aus, daß der Kreis
Burgdorf die Anschlußstrecke ausbauen
würde, was jedoch nie geschah. Mit dem Pro-
jekt warzugleich die Urbarmachung und land-
wirtschaftliche Nutzung des Wietzenbruchs
ermöglicht. Die Straße wurde hochwasserfrei
und größtenteils in einer Breite von 11 m an-
gelegt, wovon der Fußweg 2 m, die Steinbahn
mit Kopfsteinpflaster 3,5 m und der „Som-
merweg“ für die Viehtrift 5 m betragen. Die
Straße ist auf weiten Strecken von Birken ge-
säumt. Sie führt über drei Brücken, von denen
die dritte über den Wittegraben unverändert
aus der Zeit um 1930 stammt.

Wieckenberg, Stechinellistraße 9, Wohnwirtschaftsgebäude, 2. Hälfte 19. Jh



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