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1734/36 das städtische Gymnasium (Wil-
helmsplatz 4), das die infolge der Universi-
tätsgründung heimatlos gewordenen unte-
ren Klassen des Pädagogiums (ehemals im
Paulinerkloster, heute Universitätsbiblio-
thek) aufnahm. Zu diesem Komplex gehören
auch die Häuser mit Lehrerwohnungen an
der Roten Straße 1 - 5 und Burgstraße 52; im
17. Jh. hatte sich auf diesen Grundstücken
die erste Göttinger Mädchenschule
(gegründet 1593) befunden.
Die Umgestaltung zum „Wilhelmsplatz” ist
ein Werk der zwanziger und dreißiger Jahre
des 19. Jh.: Nach dem Abriß der Franziska-
nerkirche (1820) entstand 1822/24 die
Justizkanzlei nach Plänen von Justus H. Mül-
ler und Rohns (Nr. 2, vgl. Sternwarte, Geis-
mar Landstraße 13), 1824 als Konzertsaal die
Rohnsche „Restauration” (Nr. 3, 1834 zum
ersten Theater in Göttingen umgebaut; wei-
terer Umbau ca. 1895) und 1835/37 anläßlich
des hundertjährigen Universitätsjubiläums
als beherrschender Bau die Aula (Nr. 1) von
O. Prael und in ihrer Hauptachse das Stand-
bild des Landesherrn von E. von Bandel.
Die Aula ist neben dem abgerissenen Reit-
stall, dem Accouchirhaus (Kurze Geismar

Straße 40), der Sternwarte (Geismar Land-
straße 13) und der verlorenen Anatomie
einer der architektonischen Höhepunkte
unter den Universitätsgebäuden der ersten
hundert Jahre. Mit ihr wurde der Universität
ein neuer Mittelpunkt gesetzt, und entspre-
chend festlich geben sich Architektur und
Dekoration des stadtschloßähnlichen, klas-
sizistischen Gebäudes im Äußeren wie im
Innern.
1839 glich man die Fassade des Gymna-
siums dem Stil der Nachbargebäude an. So
bildete man hier einen auf drei Seiten von
klassizistischen Gebäuden bestimmten
Platz von großer Geschlossenheit, der nur
gering durch den barockisierenden Umbau
der „Restauration” (ehemals mit einer
Kuppel, die nach dem Krieg entfernt wurde)
und die kleinteilige Bepflanzung gestört
wird.
Am Eingang der Barfüßerstraße standen das
Haus des Stadtkommandanten (Weender
Straße 32/34) und die Ratsapotheke (s. o.
„Markt”, Weender Straße 30), und es ist
anzunehmen, daß sich so nahe am Stadtmit-
telpunkt begüterte Bürger anbauten. Heute
sind die beiden hervorstechenden Häuserin

derStraße, die im östlichen Teil auch ein typi-
sches Barockhaus (Nr. 2) mit erhaltenem
Treppenhaus hat, die „Junkernschänke” (Nr.
5) und das Haus des Abel Bornemann (Nr.
12). Die „Junkernschänke” - etwa 1500
gebaut - war wahrscheinlich das Wohnhaus
des Bildhauers Barthold Kastrop. Es ist ein in
Fachwerk ausgeführter Eckbau mit durch-
schießenden Ständern, Zwischengeschoß
und vorkragendem oberem Stockwerk mit
durchlaufender Fensterlatte und paarweise
angebrachten Fußbändern. Kastrops Witwe
verkaufte das Haus 1541 an GyselerSwanen-
flogel, deres1547/49 umbauen ließ. Aufdie-
sen Umbau gehen der geschmückte Ecker-
ker am Zwischengeschoß, die lebhaft
bewegten Renaissanceknaggen und der
westliche Anbau mit Eingang zurück. Keines
der erhaltenen Göttinger Fachwerkhäuser
zeigt ein so reiches figürliches Programm
mit Gestalten des Alten und Neuen Testa-
ments und Planeten, verquickt mitornamen-
taler Vielfalt, wie dieser Bau. Der nördliche
Anbau an der Jüdenstraße entstand knapp
nach 1550; hinter ihm befand sich eine
Kemenate.

Wilhelmsplatz 1, Aula der Universität, Architekt
O. Prael, 1835/37



Wilhelmsplatz 2, ehern. Justizkanzlei, Architek-
ten J. H. Müller/C. F. Rohns, 1822/24, Eingang


Wilhelmsplatz, Südseite



Bierstuben

K ii
i i P
jL

Barfüßerstraße 5, ca. 1500 und 1547/49

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