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Das Haus des Abel Bornemann entstand
1536 und hat als erstes erhaltenes Gebäude
statt der Windbretter Füllhölzer mit Schiffs-
kehlen, ein Schmuckmotiv, das auch an den
Schwellen auftaucht undzusammen mitden
stark bewegten Knaggen die Geschoßzone
plastisch durchgliedert. Es hat ebenfalls die
rautenförmigen Verstrebungen in den Brü-
stungsfeldern und zeigt im übrigen das For-
menrepertoire der Göttinger Fachwerkbau-
kunst der Jahrhundertmitte. 1906 erhielt das
Gebäude bei einem Umbau einen massiven
stilistisch angepaßten Anbau (Nr. 13, Arch.:
Krafft & Pfaehler).
WEENDER STRASSE
Die Weender Straße ist die historische
direkte Verbindung vom Markt am Jakobi-
kirchhof vorbei zum inneren Nordtor und
zum Weender Tor, wobei noch heute das
verschwundene innere Tor als Zäsur in der
Bebauung deutlich wird.
Der südliche Abschnitt der Weender Straße
war bereits sehr früh vollständig bebaut, was
allerdings an dem Häuserbestand nicht
mehr so ohne weiteres nachvollziehbar ist.

Weender Straße 87, „Dürerhaus”, 1772 und 1833



Weender Straße (55), 57, 2. Hälfte 18. Jh.

Es finden sich nur noch vereinzelt Häuser,
die erkennbar vor dem 18. Jh. entstanden
sind, wobei man berücksichtigen muß, daß
der sich über Jahrhunderte vollziehende
Veränderungsprozeß durch Eliminieren von
Vorkragung, Fenstervergrößerung, Aufstok-
kung, Verputz und Verkleidung usw. eine
Datierung erschwert. Mit Sicherheit sind die
Häuser Nr. 30 (Ratsapotheke, s. o. Markt),
Nr. 62 (Haus Schröder, s. u.) und Nr. 78 (s. o.
Ritterplan) ins 16. Jh., Nr. 60 und 47 ins 17. Jh.
zu datieren.
Eines der prächtigsten Häuser aus dem 16.
Jh. in Göttingen ist das „Haus Schröder”, Nr.
62, datiert 1549. In dem rechten Teil, entspre-
chend dem gotischen Typ mit ehemals
durchschießenden Ständern, Zwischenge-
schoß und vorkragendem Obergeschoß
abgezimmert, zeigt es links den „modernen”
Erker, der in Göttingen etwa um die Mitte
des 16. Jh. aufkam und an mehreren erhalte-
nen Häusern des 16. und frühen 17. Jh. auf-
taucht (z. B. Nikolaistraße 1 b, Barfüßerstraße
5, Groner Straße 35, Jakobikirchhof 1). Auf-
fällig sind die großzügige Verwendung von
Holz und die üppige Schnitzerei. Das Haus

wurde schonend zu Beginn dieses Jahrhun-
derts umgebaut.
Spätestens im 18. Jh. entwickelte sich die
Weender Straße zur Hauptstraße, was auch
heute noch an manchen größeren Gebäu-
den deutlich wird (z. B. Nr. 11, 13/15, 33, 36,
48, 50, 55, 57 usw.). Ein großer Teil der
Bebauung wurde in der Zeit zwischen 1750
und 1820 erstellt. Es handelt sich um drei-
und vierstöckige, meist verputze Fachwerk-
häuser, z. T. mit großem Zwerch- oder Dach-
haus; einige von ihnen erhielten zu Beginn
des 20. Jh. neue Putzfassaden (z. B. Nr. 52);
sie stehen im Wechsel mit gründerzeitlichen
Ersatz- (Nr. 25-49, 61, 63, 64-72) und
unmaßstäblichen Neubauten.
Besondere Aufmerksamkeit unter diesen
mehr oder weniger anspruchsvollen Gebäu-
den gebührt Nr. 57; es ist ein typisches rei-
cheres Wohnhaus aus der 2. Hälfte des 18.
Jh. mit Veränderungen der Erdgeschoßzone
von ca. 1900. Der erneuerte Verputz beein-
trächtigt die Fassade nur geringfügig. Das
Dach besitzt seine ursprüngliche Form. Im
Innern findet sich - außer Resten von Stuck-
decken - die restaurierungsbedürftige origi-

Untere Karspüle 1 a und 14



Weender Straße 57, Treppenhaus

Weender Straße 62, 1549


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