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nale Treppenspindel in Holzkonstruktion mit
umlaufenden Galerien und Lichtschacht.
Solche zentralen Treppenräume erschlos-
sen wahrscheinlich auch andere Wohnhäu-
ser, die sich die Oberschicht der Stadt
damals bauen ließ; Treppenhausreste beste-
hen z. B. in den Häusern Nr. 11 und 36.
„ALTES WEENDER DORF”
Weender Straße/Untere Karspüle/Botani-
scher Garten
Nördlich des inneren Tores, das etwa am
Platz der Geschäftsneubauten (Weender
Straße 71 und 82) lag, hatte sich bereits im
Mittelalter eine „Vorstadt” gebildet, das „alte
Weender Dorf”, das beim Bau des äußeren
Befestigungsringes einbezogen wurde. Ob-
wohl dieses Gebiet durch den Bau des Reit-
stalles mit Reitbahn, des repräsentativsten
Bauwerks der jungen Universität (Nr. 75,
erbaut 1735, Arch.: Schaedler, abgerissen
1968; konservierter Mittelrisalit zur Zeit am
Eingang des Universitätscampus an der
Weender Landstraße), zwischen Tor und
Reitstallstraße gelegen, aufgewertet wurde,
blieb die Siedlung von der Altstadt immer

etwas abgehängt durch das innere Tor. Sie
bestand im 18. Jh. nur aus wenigen, z. T.
unbebauten Parzellen an der Weender
Straße (nördlich der Reitstallstraße und der
Unteren Karspüle) und auf der Nordseite der
Unteren Karspüle. In diesem Bereich ist die
Parzellengröße bis zu den aktuellen Abris-
sen gut bewahrt worden; die Häuser ent-
standen im späteren 18. und im 19. Jh..
Direkt vor dem Wall steht als markantes
ehern. Professorenwohnhaus das soge-
nannte „Dürerhaus” von 1772, das 1833 klas-
sizistisch umgestaltet wurde. Es ist ein spar-
sam durch Gesims gegliederter Putzbau auf
Sandsteinsockel, der bis auf das Aufbrechen
der Fassade durch die Schaufenster gut
erhalten ist. Auch hier erfreut im Innern ein
intimes Treppenhaus.
Die Untere Karspüle war im Mittelalter der
Weg vom Inneren Weender Tor in Richtung
Nikolausberg. Nach der Anlage der äußeren
Befestigung lag an ihrem östlichen Ende das
„Nikolaitor”, eine Pforte, die später den
Zugang zu einem Bollwerk abgab (vgl. Die
äußere Befestigung); damit sankdie Bedeu-

Obere Karspüle 42 von Norden, 2. Viertel 19. Jh.


Weender Straße 52, 50 ff


Weender Straße 13-15


tung des Weges, der bis ins 18. Jh. hinein zwi-
schen Gärten entlang lief.
Die Gründung der Universität und die Beru-
fung des Schweizer Professors für Anato-
mie, Chirurgie und Botanik, A. von Haller,
rückte die Untere Karspüle ins Zentrum der
jungen Alma mater. Nach längeren Verhand-
lungen entstand auf der Nordseite 1738 der
Botanische Garten, dem 1740 der Bau des
Hallerschen Wohnhauses, das auch die
erste Anatomie aufnahm, folgte.
Von der ursprünglichen Anlage hat sich
nichts erhalten, das Haus mußte 1953 neuen
Institutsgebäuden weichen.
Dagegen finden sich hier Spuren des 19. Jh.
in der Gestaltung des Gartens, in dem Gärt-
ner-Haus von ca. 1870 (Untere Karspüle 1 a)
und den vier an derSüdseitedes Walles von
1856-60 errichteten Gewächshäusern, die
eine innere Gußeisenkonstruktion mit Ver-
glasung und Sandsteinquader-Umfassungs-
mauern verbinden.

Der Botanische Garten wurde bereits 1790
über den Wall hinaus um das Gelände der
ehemaligen „Kalte Herberge Schanz” ver¬

eintere Karspüle 1, Botanischer Garten,
Gewächshaus, 1856-60


Weender Straße 27, 1890


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