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Lufen, Peter Ferdinand [Oth.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 5,3): Landkreis Göttingen, Teil 2: Altkreis Duderstadt mit den Gemeinden Friedland und Gleichen und den Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen — Hameln: Verlag CW Niemeyer, 1997

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https://doi.org/10.11588/diglit.44173#0221
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Wicklung der kleinteiligen Ortsstruktur mit ihrer
Wegeführung und geringen Bebauungsdichte
veranschaulichen die 1785 erstellte Kurhanno-
versche Landesaufnahme, die für „Deyderode“
24 Feuerstellen verzeichnet, die 1876 bearbei-
tete Preuss. Landesaufnahme und die 1862/64
angefertigte „Karte von der Feldmark der Ort-
schaft Deiderode“. Geprägt wird der Ortsgrund-
riß durch einen charakteristisch ausgebildeten
Ortsmittelpunkt, hervorgerufen durch die platz-
artig sich weitende Brunnenbreite, eingefaßt
von einer kleinteiligen, nicht geschlossenen
Randbebauung, dem umfriedeten, baumbe-
standenen Tie, dessen exponierte Insellage
überragt wird von der bemerkenswerten Bruch-
steinkirche, dem eigentlichen Zentrum des Or-
tes. Sie bilden das Gerüst des Ortskerns, zu
dem das Wohnhaus Am Bühgraben 6 und die
am nördlichen Ortsrand gelegenen Wohnhäu-
ser Brunnenbreite 2 und 4 gehören.
In Kirchnähe entstand wohl in der 2. Hälfte des
18.Jh. das Wohnhaus der Hofanlage Am Büh-
graben 6, ein doppelgeschossiger, stockwerk-
weise abgezimmerter Fachwerkbau mit dreisei-
tig leicht vorkragendem Oberstock. Beeinträch-
tigt wird die Wirkung der Fassade durch die
Vergrößerung der Fensterformate, einherge-
hend mit der Aufhebung des ursprünglich
durchlaufenden Brustriegels. Hervorhebenswert
sind auch die beiden giebelständig zur Brun-
nenbreite ausgerichteten Wohnhäuser 2 und 4.
Die doppelgeschossigen, stockwerkweise ab-
gezimmerten Fachwerkbauten, wohl aus der
Zeit um 1800, die auf geländebedingten hohen
Sandsteinsockeln ruhen, setzen orts- und
straßenbildwirksame Akzente.
Ev. Kirche
Den Ortsmittelpunkt Deiderodes bildet die ev.
Kirche (Brunnenbreite 9), ein einschiffiger, drei-
jochiger Bruchsteinbau mit giebelreiterartigem,
gedrungen wirkendem Westturm und eingezo-
genem, abgeschnürtem Rechteckchor, der in-
mitten einer umfriedeten, inselartigen Anhöhe
entstand. Bemerkenswert und im südnieder-
sächsischen Kleinkirchenbau singulär ist das
prächtige, überraschend reich ausgestattete
Portal wohl noch aus dem 14.Jh. auf der Süd-
seite. Das Säulenportal mit den in die Gewän-
destufen eingestellten Säulen ruht auf einer mit
einfacher Schräge versehenen Basis, die je-
doch in Lage und Profilierung mit dem umlau-
fenden Mauersockel keine Einheit bildet, so daß
eine feste Verklammerung von Portal und
Baukörper nicht entsteht. Reich ornamentiert
sind Archivolte und Bogenfeld (jüngere Sub-
stanzerneuerung), dessen Säulen durch ein
Wulst-Kehle-Profil ersetzt sind. Eingefaßt ist das
„Schmuckportal“ von schmalen Strebepfeilern,
die in ihrer Schlichtheit die Wirkung des Portals
noch hervorheben. Verändert wurden vermut-
lich Ende des 18.Jh. die Fensteröffnungen.
Überspannt ist die Saalkirche mit einem wohl
aus der Mitte des 15.Jh. stammenden Kreuz-
rippengewölbe, das sich im rechteckigen Altar-
raum nicht mehr erhalten hat. Im Zuge der In-
standsetzungsarbeiten wurden 1987/88 figürli-
che und ornamentale Wand- und Deckenmale-
reien, die im wesentlichen dem 15.Jh. an-
gehören, freigelegt.

Deiderode, ev. Kirche, Südportal, wohl 14.Jh.


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