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Lufen, Peter Ferdinand [Oth.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 5,3): Landkreis Göttingen, Teil 2: Altkreis Duderstadt mit den Gemeinden Friedland und Gleichen und den Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen — Hameln: Verlag CW Niemeyer, 1997

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https://doi.org/10.11588/diglit.44173#0277
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Historische Spinnerei

Außerhalb der Ortslage, unmittelbar an der
L 569, haben sich die Gebäude der ehemaligen
Streichgarnspinnerei mit ihren Maschinen und
Triebwerkanlagen erhalten, die ein wichtiges
technisches Baudenkmal darstellen. Maßgebli-
chen Anteil an der baulichen Instandsetzung
hatte der 1983 gegründete „Trägerverein Histo-
rische Spinnerei Gartetal“. Der Vorgängerbau
der Spinnerei wurde als Getreidemühle genutzt,
deren Anfängen bis ins ausgehende 16.Jh. ur-
kundlich zurückreicht. Mitte des 17.Jh. wurde in
der Getreidemühle eine Papiermühle eingerich-
tet.
Die Entstehung der Streichgarnspinnerei und
damit die Geschichte eines typisch ländlichen
Gewerbebetriebes der frühindustriellen Zeit be-
gann 1847, als mit dem Erwerb der inzwischen
aufgegebenen Papiermühle eine Nutzungsän-
derung zur Flanelltuchfabrikation und Spinnerei
einsetzte, die neben der eigentlichen Fabrika-
tion auch Landwirtschaft betrieb.
Die stattliche, in Fachwerk errichtete Gesamt-
anlage besteht aus der eigentlichen Spinnerei,
dem Wohnhaus und dem ehemaligen Back-
haus. Dominierend hebt sich die Spinnerei ab,
ein langgestreckter, doppelgeschossiger Fach-
werkbau unter steilem Satteldach, der zahlrei-
che bauliche Mängel und substantielle Schäden
zeigte. Um das Obergeschoß über dem Spinn-
saal als Ausstellungsraum nutzen zu können,
mußte die Balkenkonstruktion saniert und ein
Boden eingezogen werden.
Ev. Pfarrkirche St. Johannes d. Täufer
Auf einer leichten Anhöhe, an der Straßengabe-
lung Hauptstraße/Ketzhagen entstand die St.
Johanneskirche (Alte Heerstraße 27). Die ge-
ostete Saalkirche mit dreiseitigem Chorschluß
wird geprägt durch den blockhaft wirkenden,
wehrhaften Westturm mit verschiefertem Auf-
satz und Laternenhaube. Der in Bruchstein ge-
mauerte mittelalterliche Westturm setzt sich klar
vom später angefügten „Barocksaal“ ab, der
von einer schlichten Flachtonne überspannt
wird.
GLEICHEN-REINHAUSEN

Unmittelbar an der einst bedeutenden, von
Göttingen nach Heiligenstadt führenden alten
Heerstraße, die die topographische Gegeben-
heit des schluchtartigen und tief ins Buntsand-
steingebiet eingeschnittenen Wendebaches
zwischen den Ausläufern des Kleinen Knülls
und dem Reinhäuser Staatsforst nutzte, ent-
stand der geschichtsträchtige Ort Reinhausen.
Der steil zur Talung abfallende, sich keilartig
vorschiebende Bergsporn des Kirchbergs bot
die idealen topographischen Voraussetzungen
für die Anlage des befestigten Stammsitzes der
Grafen von Reinhausen. Die für das 10. und
11.Jh. als Inhaber des Comitats im Leinegau
überlieferten Herren von Reinhausen errichteten
eine frühmittelalterliche Höhenburg, von der aus
sich das Tal und die zwischen Steilhang und
Wendebach verlaufende Heerstraße über-
schauen und kontrollieren ließ. Nur noch in gro-
ben Zügen ist der Grundriß dieser früh- bis

Klein Lengden, Zum Lengder Grund 12, Wohnhaus


Klein Lengden, Landestraße 569, ehern. Streichgarnspinnerei


Klein Lengden, ev. Pfarrkirche St. Johannes d. T., Außenbau, Blick von Süden


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