Fliegende Blätter — 32.1860 (Nr. 757-782)

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Der Pfingstkomg.

(Fortsetzung.)

5.

Hrr TeufclspaKt.

Im Castell waren bereits alle Vorbereitungen zum großen
Trinkgelage getroffen. Als die Geschworenen den neuen Pfingir
könig zu dem alten Herrn von Karpüthy führten, befabl er-
den anderen sich zum Teufel zu schccren, er wolle mit dem
Burschen allein sein. Er nahm eben ein Fußbad, im c.m-
stuhle sitzend, und kaute bittere Mandeln, um sich so teinerseits
zur Trinkfestlichkeit vorzubcrcitcn. „Wie heißt 4.u, Junge,
frug er den Pfingstkönig. — „Kisch Mischka, zu dienen, gna
diger Herr!" — „Nun, edler Mischka, Tu bijt ein wa ercr
Bursche. Du gefällst mir. Jetzt wirst Tu also em Jalw
hindurch Pfingstkönig sein, nicht wahr? Und was willst 4.u
während dieses Jahres thun?" — „Tas weiß ich selbst nicht;
ich weiß nur, daß ich ein größerer Herr sein werde, als ich
bisher war." — „Wenn man Dich aber übcr's Jahr absctzt?'
— „Dann gehe ich wieder zurück nach Nädudvar, um dm:l
Tschikusch zu sein, wie ich cs bisher gewesen." — „Hu>t Tu
keinen Vater, keine Mutter?" — „Nicht eine Spur davon.
Ich kannte sie nie." — „Nun, wart' Mischka. Ich will ~irf>
zu noch größerem Herrn machen, als Tu Dir verstelltest,
bringe Dich in Gesellschaft der anderen Herren, gebe Dir Geld
soviel Du brauchst, damit Tu mit Allen spielst und trinkst
und lumpst, und Du nennst Dich fortan statt Kisch Mischka,
der edle Herr von Kisch, Grundbesitzer von NLdudvar; willst
Du?" — „Meinetwegen; aber ick weiß nicht, wie ich mich
benehmen muß, um für einen Herrn zu gelten?" „■o0
lümmelhafter Du Dich benimmst, für um so größeren Herrn
wird man Dich halten, den Bauer erkennt man nur an der
Bescheidenheit." — „Wenn cs nichts weiter braucht, so bin

ich bereit." — „Du wirst mich überall begleiten, spielen, !
trinken, Schelmereien treiben, mit allen Magnaten Bruder- !
schaft trinken, die Männer prügeln und den Damen schön thun, ;
wenn sie es zulaffcn. Sobald das Jahr und Dein Pfingstkönig- ;
thum um ist, legst Du aber die Hcrrcnklcidcr ab, trittst bei f
mir als Hajduk in Dienst, ziehst die rothe Hose an, und be- I
dienst die Herren, mit denen Du das Jahr über Schmollcs
trankst, und hebst die Damen aus dem Wagen, mit denen
Du im Fasching getanzt. Das giebt köstlichen Spaß! Wie
werden die Herren fluchen und die Damen roth werden, erfah-
ren sic, mit wem sic Freundschaft geschloffen!" — Der Bursche
überlegte ein wenig, dann nickte er mit dem Kopfe und sagte:
„Ich bin's zufrieden!" Herr von Karpüthi sah auf die Uhr.
„Jetzt ists drei Viertel auf vier. Denk' daran. Von heute
über ein Jahr um drei Viertel auf vier ist Deine Herrlichkeit
zu Ende; bis dahin bist Du Herr, wie wir Alle, bekommst
monatlich tausend Gulden, — hier ist das erste tauscnd, — 1
das kannst Du stets durchbringen. Jetzt geh, meine Hajduken j
werden Dich ankleidcn; bist Du fertige dann komme in den
Trinksaal. Gegen die Diener sei grob, sonst merken sie, daß
Du Bauer bist, die Herren mußt. Du wie Buben bei ihren
Taufnamen benennen: Mischka, Larzi,, Friczi, Lcnczi. Mich
heißest Du kurzweg Jantschi.." —

Binnen einer halben Stunde war Mischka als Kavalier
gekleidet. Im Trinksaal gings schon ohne ihn lustig her.
Der Hausherr stellte ihn als Herrn von Kisch vor, der sich
blos den Zur gemacht habe, als Tschikosch beim Pfingstfest
mitzurcitcn. Das fand Jeder fürtrcfflich. Man erinnerte sich
auch gleich, Herrn von Kisch irgendwo gesehen zu haben, und
hatte gleich erkannt, daß er kein Bauer sei. Nach kurzer Weile
trank die ganze Gesellschaft mit ihm Bruderschaft. Der „ewige

3 Bestellungen werden in allen Buch- -und Kunst- —lro_ ^

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