Fliegende Blätter — 32.1860 (Nr. 757-782)

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D i n o r e r l

oder

die Wallfahrt in Hcmdarmcln.

Große Oper aus dem Menschen- und Thicrreichc in drei Akten, frei bearbeitet
nach dem Französischen, ohne daß jedoch durch diese fvctc Bearbeitung dem
Geiste des OriginaltcrtcS im Mindesten Abbruch geschehen wäre.

Personen:

Herr H o c l, Gutsverwalter, Mitglied des landwinhschaftlichen Vereines
und der Urliste für den Geschwvrenendicnst, für Zugluft empfindlich
und sehr zu Rheumatismus geneigt.

Evrentin, Gänschirt und dummer Kerl von Haus aus, Dilettant auf
der Drehorgel.

30{c( ) Bauern, Besitzer von radizirten Schlagring-

Claude lbera er t rc4)tcn' WKttfn nDd) llic im 2^eatcr unb ,lni

ö ' ) dcßhalb ganz stumm vor Erstaunen.

Ein Tourist, den eigentlich die ganze Geschichte nichts angchl.

Ein Forstmeister, tritt nur sporadisch auf.

Mcstcrl, ein schwarzer GciSbock, stubenrein.

Dinorerl, ein femininuni, sonst Ockonomcnslcchlcr, ledig, Melange
von dämlich und verrückt.

Ein Chor verstorbener GeiSböckc, nach Geisterart durchsichtig, geschmack-
und geruchlos.

Gänschirtcn, ein Platzregen, eine Drehorgel, ei» PostcmnibuS, ein Keller-
loch nebst mehreren hier nicht aufgcführicn nützlichen Gegenständen,
beziehungsweise Naturerscheinungen.

Ort der Handlung:

im Gebirge, gleich wie man hinein kommt links.

Zeit der Handlung:

der erste Akt spielt am Vorabende eines großen Ereignisses, der zweite
in der Nacht dieses Ereignisses, der dritte a» dem darauffolgcndcir
Donnerstag.

Vorwort.

Zn Dingcldingcn, einem Dorfe im Gebirge, herrscht die

Sitte, daß die Bewohner desselben alljährlich in Fcicrklcidcrn

»ach der Kapelle des heiligen Krispinus wallfahrten.

An diesem Tage hatten Herr Hocl, Verwalter und
Mitglied des landwirthschaftlichcn Vereines, sowie der Ur-
liste für den Geschworcncndienst und Dinorerl, seine Braut,
mit ihren Freunden das Ockonomiegut des Vaters der Braut
sehr früh verlassen, um in der besagten Kapelle den pricstcr-
lichcn Segen zu empfangen. Hoel hatte der brennenden Hitze
wegen seinen Rock ausgezogen und marschirtc sohin in Hcmd-
ärmcln. Plötzlich bricht über ihren Häuptern ein fürchterliches
Ungcwittcr los, der Regen stürzt in Strömen, der noch in
starkem Schweiß befindliche Hocl bringt vor Losbruch des
Regens seinen Rock nicht mehr an den Leib, erkältet sich unb
bekommt einen erschrecklichen Rheumatismus. Herr Hocl ist zu
gewissenhaft, um mit einem Rheumatismus in den Ehestand
zu treten, er drückt sich deßhalb ab und setzt sich sehr ver-
drießlich in die Dorfschcnkc. Dort licet er in dem Stadt- und
Landboten von dem BaunschcidtiSmus und dem berühmten
Erfinder dieser neuen Heilmethode, und wie derselbe insbesondere
den Rheumatismus sicher und gründlich zu heilen verstünde.

Herr Hocl beschließt stracks zu dem berühmten Manne
zu reisen und sich von ihm kuriren zu lassen. Das arme
Dinorerl, welches sich so plötzlich von Herrn Hocl verlassen
sicht, ist sehr betroffen, schüttelt den Kopf, wird dämlich
und stellenweise verrückt, wcßhalb sie Tag und Nacht niit
Meckert, ihrem Lieblingsgeisbocke, im Lande herumbummclt, um
ihren Bräutigam zu suchen.

Mit dem Abgänge des Herr» Hocl aus der Dorfschcnkc
beginnt die Handlung und die verschiedene» vorausgcgangencn
Ereignisse, nämlich der Hochzeitszug, das Gewitter, die Hemd-
ärmcl und der Rheumatismus des Herrn Hocl, der Stadt- und
Landbotc und die stellenweise Verrücktheit DinorerlS sind cs,
deren Schilderung dcrKomponist in der Ouvertüre zur „Wall-
fahrt in Hemdärmeln" sich zur Aufgabe gemacht hat.

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