Fliegende Blätter — 43.1865 (Nr. 1043-1068)

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Von Michaelis bis Silvester.

(Fortsetzung.)

Er konnte seine Blicke nicht mehr abwenden von dem Kinde,
ein unsägliches Mitleid mit dem trauernden Mägdelein durch-
ging sein Herz; was konnte doch dem Kinde begegnet sein, daß
es in solchem Ucbcrmaß des Schmerzes rang und zitterte? Am
liebsten hätte er die Trauernde stracks angeredet und gefragt, was
ihr fehle, und worüber sie, noch so sung, so heftig traure
und zage? Die Christmette war beendet. Magdalene war

längst aus jener Verzückung des Schmerzes und der Angst
wieder zu sich selbst gekommen, eine müde, ruhige Traurigkeit
war in ihrer Seele zurückgeblieben, sie legte das Haupt in
die Hände und weinte still für sich hin. Es war ihr, als
wäre sie von dem Bilde der Mutter Gottes behütet und
beschützt, sie hätte am liebsten hier bleiben mögen, ach, hätte
sie hier einschlafen können zu einem Nimmererwachen! Die
Menge drängte hinaus durch die Thiiren der Kirche in die
dunkle Nacht, hie und da zogen noch einzelne Schaulustige
von Altar zu Altar, aber auch diese verließen endlich die
lichterhellen Räume, und immer einsamer und leerer wurde
es in den Hallen, in denen noch vor Kurzem die zahllose
Menge wogte und drängte. Magdalene konnte sich noch
immer nicht entschließen, von dannen zu gehen, es däuchtc
ihr, sie begebe sich damit aus dem sicheren Schuh einer mäch-
tigen Hüterin. Auch Herr Laufner stand noch still und unbe-
weglich hinter ihr, er wiederum konnte sich nicht trennen vom
Anblick des trauernden Kindes, und erwog bei sich, ob er
daö Mägdlein nicht anreden solle beim Herausgehen und sie
fragen nach der Ursache ihres Trauerns und Zagens.

Endlich erhob sich Magdalene, sie durfte ja doch
nicht immer hier bleiben. Roch ein sehnsüchtig bittender
Blick nach dem Bild der heiligen Mutter, noch ein langer,
zitternder Seufzer, und gesenkten Hauptes schlich sie da-
von. Eilig schritt Herr Laufner dem Kinde nach, als er
aber an die Pforte kam, da schaute er vergebens nach ihr,
die ihm das Herz so seltsam bewegt hatte. Einsam, still
und finster lagen die schneebedeckten Gassen. Das Kind mußte
wohl einen Seitcnausgang gewählt haben, den er, der Fremde,
nicht kannte. Wohl that es ihm leid, daß er die Trostlose
nicht ansprcchcn konnte, doch sagte er sich alsbald: „Hätte
ich dem Kinde denn helfen können? Wer weiß, was ihre

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Von Michaelis bis Silvester"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Trauer <Motiv>
Anteilnahme
Andacht <Motiv>
Bild <Motiv>
Mädchen <Motiv>
Kummer <Motiv>
Verzweiflung <Motiv>
Altar <Motiv>
Mariendarstellung
Älterer Mann
Beobachtung
Gebet
Karikatur
Mitleid
Kirche <Motiv>
Christmette
Maria mit Kind
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 43.1865, Nr. 1061, S. 145
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