Fliegende Blätter — 43.1865 (Nr. 1043-1068)

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Üppige V

I.

Der Amtmann Meier hat nach dem Doctor Wunder
geschickt. Es ist ihm etwas sehr Unangenehmes pafsirt: er
hat Zahnschmerzen und zwar die ersten in seinem Leben.
Wenn man bedenkt, daß er ein Mann in den mittleren
Fünfzigen, Besitzer dreier hcirathsfähiger Töchter nebst Zu-
behör und eines schuldenfreien Rittergutes ist, dessen Ein-
künfte vollkommen hinreichend um ihm seine Existenz als Bon-
vivant zu sichern, so will das gewiß etwas heißen. Seine
Zahne sind sein Stolz und man kann in der That weit
suchen, ehe man ein so wundervolles, weißes und vollstän-
diges Gebiß findet, wie das scinige. Heute, zum ersten
Male, ist er mit einer unbekannten, höchst schmerzhaften

getation.

Empfindung aufgewacht und kann nicht umhin, das Prickeln,
Klopfen und Stechen in den Regionen, die den Schauplatz
seiner liebsten Berufsthätigkeit bilden, für jenes verrufene
und bisher noch stets verspottete Leiden zu halten. Daß
aber auch Zahnschnicrzcn so verflucht unangenehm sind!
Verzweiflungsvoll rennt Herr Meier in seinem Zimmer um-
her, die schmerzende Seite drückend und reibend und sicht
sich fast die Augen aus nach dem ärztlichen Helfer. Er
hat seinem Johann befohlen, denselben hcrbeizuschasfcn, wo
er ihn träfe, gutwillig oder mit Gewalt, aus dem Bette,
vom Kaffeetisch, oder aus der Krankenstube, im Frack oder
in Unterhosen— aber eine Ewigkeit vergeht, bis der Ersehnte
endlich in's Zimmer tritt. — „Himmeldonnerwetter, Doctor! — "

„Ruhig, verehrter Freund! Sie haben Zahnschmerzen,
wie ich sehe. Sperren Sic den Mund auf! Wo sitzt's?"

„Hier, links unten. Ich begreife nicht — meine Zähne
sind gut —."

„Ausgezeichnet, kein Makel dran. Es ist vom Blute,
INON olwr, zu große Erhitzung — haben gestern des Guten
zu viel gcthan!"

Herr Meier seufzt und fühlt sich schuldig; das gestrige
Souper hatte bis gegen Morgen gedauert und der Wein war
in Strömen geflossen.

„Dagegen hilft nichts," fährt der Doctor fort, „als
Geduld. Bleiben Sie heute im Zimmer, trinken Sie keinen
Wein, dann vergeht's von selber."

Die Aussicht auf eine Geduldsprobe statt sofortiger
Erlösung und eine derartige Diät obendrein war eben nicht
verlockend; aber besser ein paar Stunden stoisches Ertragen,
als eine Verlängerung dieser Höllenmartern durch Nicht-
bcfolgcn des ärztlichen Rathcs —, der Amtmann beißt
tapfer die Zähne aufeinander und hat seinen Entschluß gefaßt.

„Ein Schluck kaltes Wasser ab und zu in den Mund

SS

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Üppige Vegetation"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Amtmann
Morgenkleidung
Zahnschmerz
Bett <Motiv>
Schmerz <Motiv>
leiden
Aufwachen <Motiv>
Aufstehen
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 43.1865, Nr. 1064, S. 169
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