Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — N.F. 3.1926

Page: 115
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/fundberichte_schwaben1926/0127
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
115

eiserne Nägel, kurz lauter Dinge, die auf die Verbrennung von Toten auf
Scheiterhaufen hinweisen. A 1693, 1753. Auch eine Tonlampe (Boden-
stempel LDP), wie sie als Grabbeigaben üblich waren, wurde gefunden,
früher auch Münzen.
Ein römischer Begräbnisplatz ist also hier nachgewiesen; die Brand-
gräber werden sich wohl bei weiteren Neubauten finden, wenn auch starke
Abschwemmungen auf der Anhöhe und Anschwemmungen weiter unten (bei
dem Grabdenkmal 1 m) seit der Römerzeit stattgefunden haben.
Was den Aufbau des Grabdenkmals betrifft, so ergaben die drei in
der Baugrube von Haus Zeiher gefundenen Blöcke von 0,50—1,70 m Länge
so wenig wie die Nachricht von einem vor 20—30 Jahren wenig westlich
vom Fundament gefundenen Felsblock einen Anhalt für einen hohen Aufbau.
Doch sprechen Bau und Maße des Fundaments für einen hohen Aufbau.
Turmartige Grabdenkmäler in der Art der berühmten Igeler Säule bei Trier
gab es auch in Württemberg und besonders in der Provinz Rätien. Noch
im hohen Mittelalter stand ein solches Denkmal bei Beinstein aufrecht, von
einem andern sind in Rißtissen noch eine Anzahl reliefverzierter Blöcke er-
halten. Bei Großsorheim im Ries, Bez.Amt Nördlingen, hat Frickhinger
im Jahr 1912 Bauglieder eines großen Grabbaues gefunden, dessen Grundriß
leider nicht mehr festzustellen war. Turmartige Grabpfeiler waren auch in der
Augsburger Gegend beliebt. Sie waren sicher häufiger, als die wenigen Reste
dartun.
Auch die beiden Steine, die bei der Kirche von Unterkochen stehen,
ein Pinienzapfen und ein großes mit Genien und Köpfen verziertes Kapitell
(Haug-Sixt 59), stammen von derartigen Grabdenkmälern. Alles spricht
dafür, daß sie schon im Mittelalter, und zwar von Aalen nach der Wallfahrts-
kirche von Unterkochen verschleppt wurden.
Man könnte nun bei dem Denkmal von Aalen an zwei durch das Pflaster
getrennte Grabpfeiler denken. Wahrscheinlicher ist ein Aufbau in Form
eines Triumphbogens. Drexel macht mich auf folgende Parallelen aufmerksam:
1. Das Grabdenkmal des Lucius Pompeius in Aix-les-bains (Savoyen;
Abb. bei Baumeister, Denkmäler des klass. Altertums III, 1886, Abb. 1990;
besser bei Desjardins, Geographie de la Gaule Romaine III, p. 118). Dieser
Bau hat bei 10 m Höhe etwa dieselben Grundrißausmaße wie der Bau von
Aalen: zwei Pfeilerfundamente von 1,85 zu 1,85 m in 3,60 m Entfernung.
2. Aschenbehälter aus Marmor in Form eines Bogens. Im Bogen stand
die Büste des Verstorbenen, die ausgehöhlte Attika diente zur Aufnahme
der Asche. Rom, Giardino della Pigna. Abb. bei Amelung, Die Skulpturen
des Vatikanischen Museums I, T. 91, 26.
Es ist dies eine Nachbildung einer in großen Ausmaßen nicht unbekannten
Grabmalform.
3. Als Vorstufe dieser Denkmalform darf man die seit frühhellenistischer
Zeit in Griechenland und dem griechischen Osten gebräuchlichen Zweisäulen-
denkmäler (zwei durch Gebälk verbundene Säulen auf gemeinsamem Unter-
bau) ansehen, die in Syrien bis weit in die römische Kaiserzeit hinein errichtet
wurden. Beispiele bei H. C. Butler, Architekture and other arts 59 ff.
Paret.
Bopfingen. Im Juni 1923 waren bei einem Neubau „auf der Kappel“
auf der Südseite der Straße Bopfingen—Aalen unmittelbar westlich vom
alten Bopfinger Krankenhaus alamannische Gräber und ein römischer Straßen-
körper angeschnitten worden, wovon mich Herr Kaufmann Daniel Schwarz-
Oberdorf in dankenswerter Weise verständigte.
loading ...