Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — N.F. 3.1926

Page: 116
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/fundberichte_schwaben1926/0128
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
116

Das Römerstraßenstück, in dem die Gräber 3 und 4 lagen (siehe S. 148),
gehört zu der Straße, die von Faimingen her an Frickingen und Dehlingen
vorbeiführt und auf den Generalstabskarten mit „Römer- oder Franken-
straße“ bezeichnet ist und zum Kastell Opie-Oberdorf führte. Bis an den
Nordrand des Breitwangs, auf dem sie als schöner Damm deutlich erhalten
ist, ist ihre Führung klar. Von hier an müßte man eigentlich annehmen, daß
sie nach Art vieler Römerstraßen in gerader Richtung über den Sandberg
nach Opie gelaufen wäre. Dem ist aber nicht so. Prof. Dr. Hertlein-Ludwigs-
burg läßt vielmehr diese Römerstraße am Nordrand des Breitwangs nach
rechts umbiegen und ins Tal hinabsteigen, dort nach links umbiegen und
nun gerade zum Kastell Opie verlaufen. Dadurch nun, daß bei dem Neubau
bei Bopfingen neben den merovingischen Gräbern auch dies letztere Straßen-
stück zum Vorschein kam, hat sich die Ansicht Hertleins als richtig erwiesen.
Ich habe am 3. Mai 1923 mit Herrn Schwarz mit Mitteln des württembergi-
schen Dandesamtes für Denkmalpflege eine Untersuchung dieses Straßen-
körpers vorgenommen und gefunden, daß die Straße dort, wo sie völlig er-
halten und nicht durch mittelalterliche Hingriffe zerstört ist („auf der Kappel“
stand, wie schon der Name sagt, einst eine Kapelle), 5,5 m breit ist und aus
Jurakalksteinen besteht und daß die Schotterung noch 30 cm stark erhalten ist.
Wenige hundert Meter südöstlich des erschlossenen merovingischen
Friedhofes liegt ein zweiter, der bereits 1861 beim Bahnbau aufgefunden
wurde. Es haben hier also bereits in frühmittelalterlicher Zeit zwei Sied-
lungen bestanden, aus denen sich dann im Laufe der Zeit Bopfingen und
Oberdorf entwickelten. Aehnlich ist es ja auch in Nördlingen, wo die drei
merovingischen Bestattungsplätze beim Gasthaus zum „Kronprinzen“, am
hohlen Schänzle und auf dem Totenberge auf drei Siedlungen schließen lassen.
Aus der auf dem Totenberge gelegenen ist das mittelalterliche Nördlingen
entstanden. Und wie in Bopfingen-Oberdorf die merovingischen Siedlungen
an ein römisches Kastell anknüpfen, so in Nördlingen an einen römischen
Gutshof. Siehe IX. Jahrbuch des histor. Vereins für Nördlingen, S. 25 ff.
Dr. E. Frickhinger-Nördlingen.

Gmünd. Römische Bronzestatuette des Jupiter.
Tafel XIX.
Gefunden 1 km westlich der Stadt in Flur Judenäcker anläßlich einer
Remskorrektion im Remsschotter. Als Oberpostinspektor a. D. Schmid-
Gmünd, der die Grabungen wegen der im Schotter sich findenden Kultur-
reste in sehr verdienstvoller Weise überwachte, am 6. Mai 1926 auf die
Baustelle kam, wurde ihm von einem Arbeiter ein Sandklumpen übergeben,
aus dem der grün oxydierte Kopf einer Statuette heraussah. Sie war 3,7 m
tief im Schotter gelegen. Einer vorläufigen Reinigung durch den Finder
folgte eine gründlichere in der Werkstätte des Landesamts für Denkmal-
pflege. Die Statuette kam in die städtische Sammlung Gmünd.
Höhe 11,8 cm. Vollständig erhalten, nur das Szepter, auf das sich der
linke Arm stützt, fehlt. Oberkörper mit Kopf und die ganze Rückseite tragen
grüne Patina, das Uebrige ist braun patiniert. Die Oberfläche hat stellen-
weise durch die Oxydation etwas gelitten, so auch die rechte Gesichtshälfte.
Die Ziselierung des Kranzes und des Haupt- und Barthaares ist durch die
Patina zum Teil verdeckt. Dagegen zeigen Bauch und Beine noch die alte
glänzende Oberfläche. Die Erhaltung darf im allgemeinen als sehr gut be-
zeichnet werden.
loading ...