Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — N.F. 3.1926

Page: 153
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silbert. Mit Eingravierungen auf Ring und Dorn. 4,9 cm größter Durch-
messer. Durchbrochene Zierscheibe, Bronze, 6,1 cm Durchmesser (Knie-
gegend). Schmaler verbogener Bronzeblechstreifen mit 2 Nieten. — Unteres
Skelett in etwa 2 m Tiefe. Zweiteiliger Beinkamm mit Futteral in mehreren
Bruchstücken. Das Futteral reich mit Zirkelschlag verziert.
Grab 2: Oberes Skelett in 1,50 m Tiefe, a) Spathabruchstück mit
Resten der Holzscheide. Die Holzreste zeigen noch Reste von Schnitzwerk:
von oben nach unten in etwa 6 mm Abstand voneinander verlaufende, etwa
3 mm breite parallele Stege, noch 41 cm lang, b) Rest einer großen ovalen
Eisenschnalle mit großem rundem Beschlag, 7,8 cm Durchmesser. 3 halb-
kugelige Nietköpfe. Auf der Unterseite sind noch Spuren eines groben Eeinen-
gewebes aufgerostet, c) Rechteckiges Eisenbeschläg mit 4 halbkugeligen
Nieten, 5,4 : 6,6 cm groß. Kleines quadratisches Eisenbeschläg mit 4 flach-
gewölbten Nieten. Auf demselben Reste eines groben Gewebes. Messer, noch
10,7 cm lang. Die untere Bestattung hatte keine Beigaben. Funde im
Städtischen Museum Ulm.
Die Gräber gehören einem Grabfeld an, das sich von der Bemmelberger
Gasse ■— dem früheren Froschloch — bis zur Gastwirtschaft zum Rößle
erstreckt. Schon in früheren Jahren sind in der Bemmelberger Gasse beim
Wasserleitungsbau Skelette angetroffen worden, ferner hat Küfermeister
Roser in seinem Garten ein gut erhaltenes Schwert gefunden. Auch Herr
Mohn hat beim Brunnengraben Vor etwa 20 Jahren ein Skelett mit Reiter-
sporn und ein andermal in seinem Garten ein Pferdeskelett freigelegt. Schließ-
lich sollen beim „Rößle“ früher einmal Gräber zutage gekommen sein.
Schlat OA. Göppingen. Oestlich des Ortes an der Dorf grenze,
ca. 150 m von der Kirche, wurde auf Flur „Kirchäcker“ ein Grab, 70 cm tief,
mit Eangsax, 2 eisernen Sporen, silberplattiertem Bronzeknopf und Bruch-
stücke eines Silberplättchens beim Fundamentieren der neuen Turnhalle
gefunden. Ein weiteres Grab enthielt angeblich keine Funde; in einer Bau-
grube westlich der Fundstelle wurden keine Gräber festgestellt. AS. Göppingen.
Uhingen. In dem schon seit 1910 bekannten Reihengräberfriedhof
auf dem „Säuwasen“ (vgl. Fundber. XVIII, 85 f. u. XIX, 148 f.) wurde 1925
wieder ein Grab angeschnitten. Franziska 16,5 cm lang, Schneide 7,2 cm
lang, Tülle 4 : 2 cm. A 2089.

Mehrere schon in die Literatur übergegangene Angaben erfordern eine Richtig-
stellung.
Ravensburg. Die bei Gams und Nordliagen Postglaziale Klimaänderungen
und Erdkrustenbewegungen in Mitteleuropa S. 160 Anm. genannten, von Reinerth
als frühmittelalterlich, z. T. römisch bezeichneten Funde sind neuzeitlich (16.—18. Jahr-
hundert) .
Tübingen. Die unter dem Gasthof zum Adler bei einem Kellerbau gefundenen
Siedlungsreste und Scherben, die Prof. Dr. Nägele in den Tübinger Blättern, 2. Jahrg.,
S. 62, auf Grund einer Datierung durch das Urgeschichtliche Institut Tübingen als
merovingisch bezeichnete und zur Bestimmung der alamannisclien Ursiedlung lieran-
zog, stammen aus dem späteren Mittelalter.
Winterlingen. Die an der Kiihstelle gefundenen Lanzenspitzen aus Feuer-
stein, die vom Urgeschichtlichen Institut Tübingen „der Zeit 3 und 4 der Jüngeren
Steinzeit“ zugeschrieben wurden (siehe Der Heimatfreund, Ebingen, Heft 1, S. 5 und
Abb. 3) sind indianischen Ursprungs und stammen, wie sich feststellen ließ, aus dem
östlichen Nordamerika.
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