Geiges, Fritz
Der mittelalterliche Fensterschmuck des Freiburger Münsters: seine Geschichte, die Ursachen seines Zerfalles und die Maßnahmen zu seiner Wiederherstellung ; zugleich ein Beitrag zur Geschichte des Baues selbst (Band 2) — Freiburg i. Br., 1933

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©elö, auf öer 3toeiten überreicht er öem Käufer 3UI11 3eidien öer fluf*
laffung unö, öafe er „geroert" ift, einen f^anöfcfmf/. Die abroeicbenöe
Annahme K. t>. flmiras in öeffen Erläuterungen 3U öer Don ifjm 1902
neröffentlicbten f^anöfchjift, ruonacfj auf öer 3tr>eiten S3ene $igur 1 an
$igur 2 öen fjanöfdmh als 3eid?en öer fluflaffung überreicht, gelangt
jeöenfalls in öer Darftellung nicht 3um flusörucf.

Hlone neröffentlicbte im 11. Banö öer 3eiifcbrift für öie ©efcbicbte
öes (Dberrr/eins eine Scbafffjaufer llrfunöe uom 24. 3uni 1328 über öen
flnfprucb öes Konftamer Domfapitels an öen „aal" eines öiefem b/örigen
t Bauern, rr>ornacb öeffen 3tuei Brüöer öem Vertreter öes Kapitels t>or
öem ScfyuItr/eiBengeridjt 3U Stein a. Rf/. „ietmeöer 3tr>en b,entfcf)ü 3e
ainem urfunöe" öarüber überreicht, öa^ fic an öas Kapitel „hören foltin
unö och f?ottin". ilnö als uneöiertes urtunölidjes 3eugnis eines gleich-
gearteten Vorganges ift eine 1453 (®ft. 2) oor öem Dcgtgericht 3U
„RTüIf/ein in öem öorff" geführte Derb,anÖlung über öie auf (Brunö öer

(Brefferorönung DOÜ3ogenc Derleifmug einer Priefterpfrünöe bemer-
tensroert, rnornad? öie 3uoor mit öem „3ungfer Hartman Snerolin"
nerer/elicbte „(Erfame frotoe / frort» oren non Bolfenbeim Oes oeften
3ungthere Rütfdj Krebfen / (Hiebe fmffröme" auf ihren (£iö befunöete:
„Da3 fieb uff ein 3U gefügte / 003 öer pfrünöen eine / So öenne öer
©reffer / 3e friburg jm münfter geftiftet fjette / liöig rouröe / Da fo
femt nu ein priefter oon friburg / anö beti öen egenanö 3ungfr)er Hart-
man Sncroün 3ten Girren man feiigen / 003 er 3ur öiefelbe pfrünöe
lur)e"; unö in feiner (Hgenfcbaft als ältefter öer öa3u berechtigten KoIIa^
toren feines (Sefchlecbtes, „lifye 3t nran feiig Demfelben priefter öie
pfrünö / onö fcfjangfte 3t öer oorgemeint priefter / 3tr>en
Rot r/enöfebü 3um ma^eichen".

Diefe Belege öürften für öie öem tüappenbilö öes älteften Siegels
öer greiburger Krämer3unft gegebene Deutung genügen, falls es fol-
djer für öen, öer flugen tjat 3U fefjen, überbaupt beöurfte.

VIII

Die ^enfterfttfttmg ber ^retburger Stemmten

^^Nas erfie nöröliche Seitenschiff enfter betreffenö fagt
f). Schreib er in feinem ITtünfterbuch oon 1820: „Unten
ift öer Kiefer unö irtaurer tüappen angebracht, teueres foll
früher an öem obern erften $enfter öes Htittelfdjiffes 3U jefyen
geroefen jeyn."

675 Rad) S^ian ©eif3inger

676 Drittes Unterfelö oon flbb. 573

HTit öiefer, offenbar öen 1806 in öen Beftt^ öer Unioerfität
gelangten fluf3eidmungen $. ©eifeingers entnommenen
Angabe roirö uns feine einöeutige flusfunft über öen ur-
fprünglidjen Stanöort öes öer3eit nod? an gleicher Stelle

eingeflidt 3rüifcr/en früt?gotifcf?es $lechtroerf — im öritten
Unterfelö untergebrachten „IHaurer^tDappens". Unö
unmittelbar roirö fte uns aud? noch nicr/t öurd? öen nadj-
fter/enöer Hbbilöung öesfelben oon (Bei^inger beigefügten
Dermerf: „3u oberft im mittleren gang ift an öennen fenfter
roeit^ers nichts namhaftes als öiefe beöe fjanötoerds fchtlöe,
es roaren auch bey jeöem dreu3 ftoef ein gang Don t)ol3ern
Bälden gemacht 1790 aber jint fteinere gänge t)ier unö
öortf? angebracht rooröen, öife roappen finö am £etften fenfter
linder feits." tüas er unter „linfs" unö „rechts" oerfteht unö
in meiner Richtung er 3ät?lt, öarüber unterrichtet jeöocf) öie
Hott3 3U einer flbbilöung öes tDappens mit öem Heb-
meffer: „flm (Frften 6reÜ3jtod rüdroerts 3ur rechten J?anö
oöer 3m (Jpijtel Seitt? roo man auf öen Sant TRichael gehet."
Darnach mären öie beiöen IDappen urfprünglich im
legten 3meiteiligen nörölichen £ict)tgaöenfenfter
geroefen, roobei nicht ausgejchloffen ift, öa^ fie fdjon öort in
öas $lechtroerf öer älteren Derglafung eingelaffen roaren, oon
öem fich im Depot ein roohlerhaltenes meiteres $ragment
oorfanö.

Aus öem „IHaurer^lDappen" fj. Schreibers rouröe im
ITTünfterführer oon Kempf unö Sdjufter öer „IDappenjchtlö
öer 3tirttnerleute", eine DorftelJung, öie fid? meiterhin un-
angefochten behauptete. 3n tDirflichfeit berechtigt öas IDap-
penbüö roeöer 3U öer einen noch 3U öer anöeren Deutung.
Huf nöllig ungemuftertem blauem (Brunö — öeffen Urfprüng^
lichfeit öurch öie hinfichtlid? ihrer $arbgebung jeöenfalls oer-
läfftge 3eichnung ©ei^ingers gemährleiftetift — einen meinen
U)infel unö öarunter eine aus öem Schilöranö roacbjenöe gelb
geftielte roei^e fog. $läche, alfo ein U)erf3eug öer Stein2
me^en, 3eigenö, fann öasfelbe nur auf öeren (Beroerbe bes
3ogen roeröen.

flnla^ 3U öer unterlaufenen 3rtung gab roohl öie früher
allgemein geteilte unö öennufolge auch oon mir lange unam
ge3tr>eifelt hingenommene TtTeinung, öa^ es fid] bei all öen
$enftern, in öeren Stiftermappen r^anömerfsembleme aufge-
nommen finö, ausnahmslos um Schenfungen öer $reiburger
3ünfte hanöle. Da öie Bauhanöroerfer öen „3imerlüten"
unö „Blurern" 3ugeteilt maren, fo öadjte t). Schreiber bei
öem ins Küfers$enfter übertragenen IDappen an öas öer
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