Geiges, Fritz
Der mittelalterliche Fensterschmuck des Freiburger Münsters: seine Geschichte, die Ursachen seines Zerfalles und die Maßnahmen zu seiner Wiederherstellung ; zugleich ein Beitrag zur Geschichte des Baues selbst (Band 2) — Freiburg i. Br., 1933

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ftätten gefprochen, öte öte preöiger inne galten 3U)ifdjen öen betöen
Bächlein (que sitae sunt inter duas ripas), gemeint tjt Blocf 40 (flbb. 3)" :
öas ift öer oon Unterlinöen, öem $almenbergpla^, öer Ring- unö DTe-
rianftrafee umfchloffene (Bebäuöeblod. Die angeführte Stelle öer nicht
auf öiefen be3iebibaren Urtunöe non 1338 fpricfjt aber feinesmegs Don
öen „Staötbäd?lein", öen „rivuli"; öiefer mirö Dielmehr erft 1246,
anläfelid} einer Cagebefcbjeibung öer auf öer Stätte öes Gfjores öer
heutigen IHartinsfirdje gelegenen, fcfjon um 1200 be3eugten St. ITTar-
tinsfapelle, geöadjt.

ITC. Butjle glaubte unfern Staötbäcr/lein fogar einen über öte 3eit
öer Staötgrünöung 3urücfreid]enöen Beftanö 3uroeifen 3U öürfen, inöem
er 1898 in „$reiburg im Breisgau, öie Staöt unö ir/re Bauten" S. 116f.
fcbjieb: „Die jetjt in Steinrinnen öatjinfliefeenöen Bäcrje maren etjemals
IDaffergräben. Diefen (Sräben entlang 3ogen fid] öie $elömege. ITtit
flusöefmung öer Befieöelung jeöod] muröen öie $elöroege 3U ©rts-
ftraßen unö ftatt öer bisherigen (Sräben fteüte man nun in öer Strafen3
mitte gepflafterte Rinnen her." Diefe eigenartige Dorftellung oon öer

urfprüngh'cfjen $unftton öiefer Bäcfjlein, mornad] öeren £auf öte An-
lage öes Staötgrunöriffes beftimmt hätte, beöarf natürlich Jetner befom
öem IDiöerlegung. Dafe öie in rafchem £auf öie (Baffen öer Staöt öurcfp
flief3enöen Haren Bächlein ieöod? im 13. 3ahrhunöert, alfo erft 3U einer
3eit, öa öie flltftaöt fchon 3um größeren Seil bebaut mar, oberhalb öes
Sdjmabentores aus öem öie Burgmühle treibenöen, oon öer Dreifam
gefpeiften ftarfen tDafferlauf abgeleitet moröen finö, öarüber unter*
richtet uns öas flnnioerfar öes befanntlich erftmals 1289 urfunölid? be-
3eugten Klofters öer Reuerinnen, öas auf BI. 2V unterm 16. 3anuat
(RTarcellus Papft unö RZärturer) öen aus einer älteren Anlage öesfelben
übernommenen, bisher unbeachtet gelaffenen (Eintrag enthält: „(5e-
öenefen öurch gott meifter vlrich ein met3er / onö finer hus -
fromen öie öo haben gemacht öie trefame herin gan/öeren
3or3it fol man begon in öer gemein nach oröens gemonheit."
9) 3ürich, Ijans Staub, 1876, S. 751.

10) Die ©lasgemälöe öer Katr/eörale oon £aufanne S. 7, flnm. 5.

11) Dgl. R. BrucI a. a. ©. S. 94f.

2. Die itonftanyr (Enterbungen

Späteftens öem erften Diertel öes 14. 3at?tl}unöerts ges
hören aud) öie $ragmente an, meldte um öie gleiche 3eü
unö 3U öemfelben 3toecfe mie öiefenigen aus öem preöiger-
flofter feitens öer $reiburger TTCünfterfabrif in Konftan3 er-
roorben muröen.

IDas noch oorr/anöen, umfaßt jeöenfalls nicfyt all öas,
mas öamals oon öort in öen Beftt) öes Htünfters gelangte,
über öeffen Art unö Umfang mir jeöocf? nicht ausreidjenö unter-
richtet finö. Allgemeiner befannt — aber teilmeife mangels
Kenntnis ir/rer 3uger;örig!eit unbeachtet geblieben — finö
öaoon auch nur öie Stüde, meldte im Bau felbft unter-
gebracht muröen, mo fie, nach Beöarf befdmitten unö 3m
fammengefaßt, neben anöerem flidmeife 3m Derglafung öer
beiöen je 1,30 Bieter breiten £angbalmen öes $enfters über
öer fjeilig^örab^Kapelle Derroenöung fanöen.

3nfomeit ift öas noch Dorhanöene feinem ßauptbeftanö
nach, unter Be3ugnaljme auf meine a. a. ©. oeröffentlidjten
3eid}nerifd]en Aufnahmen, längft (Segenftanö einer befom
öeren Betrachtung gemoröen. ©hne prooenien3angabe 1905
öurdi 3- ©ramm in feiner Deröffentlidjung über öie fpät;
mittelalterlichen IDanögemälöe im Konftan3er ITCünfter nur
nebenbei befcfyrieben, r)at fid? öamit fieben 3ahre fpäter
Bertha IDienede in ihrer öie Konftan3er Hlaler öes
14. 3ahrfyurtöerts behanöelnöen Differtation einger/enö be-
f aßt.

Über öie hier nieöergelegten, als fdjeinbar ausreicfyenö
gefidjert erachteten $eftftellungen meröen mir im mefent-
liefen öurdj öas Kempffdje Htünfterbuch oon 1926 unter-
richtet, mo S. 193 ff. gefagt mirö: „Das redete $enfter 3eigt
in feiner unteren f)älfte ein Seppichmufter mit 3mei fleinen
fnienöen Donatorenbilöniffen in geiftlicher Gracht. Heben
öem Stifter auf öer redeten Seite, öas IDappen öer tlmr-
gauifchen $amilie oon Klingenberg, auf öie audj öie nicht
gan3 ooliftänöige Htajusfelinfchrift am Ranöe 3U beiöen
Seiten öes $enfters hinmeift. Danach fyanbelt es fid} um
3mei mit öem dr?orrjerrnftift St. 3o^ann in Konftan3 in Der-
binöung ftehenöe Stifter. 3n öer oberen Jjälfte erfcheint
öer (5efreu3igte mit TRaria unö 3of?annes un0 ^m Bogen;
felö ein dr/riftusfopf als IHittelpunft eines Dierpaffes, öeffen

©runö öasfelbe Seppichmufter bilöet mie unten. 5s finö
öas öie $enfterfcheiben, öie einft öie IHauritiusfapeile öes
Konftan3er Hlünfters fchmücften unö im 3ahre 1818 mit
Genehmigung öes Konftan3er Bistumsoermefers 3gna^
$reih- oon töeffenberg oon öer Konftan3er Domfabrifpflege
öurdj öie $reiburger lUünfterfabrif ermorben muröen. Hach
öem für öen (Dberrhein charafteriftifchen Gypus öes (5e-
!reu3igten, öer an mehreren $enftern im £anghaus öes $ret-
burger TRünfters mieöerfehrt, ift öas $enfter gegen IHitte
öes 14. 3ahrhunoerTS entftanöen. — Das Bogenftüd öes
linfen $enfters ftimmt mit öer redeten Seite oöllig überein;
nur ift öer dhriftusfopf oon etmas fleinerem Ausmafe."

Diefen Ausführungen mirö öer £)inmeis oorausgefchidt,
öa^ öas bei öer Reftauration unberührt gebliebene $enfter
ein bemerfensmertes Beifpiel öafür bietet, „in meld? hohem
THa^e öie auf öen (Bläfern haftenöe Schmu^fchicht öen Rei3
öer $arbenmirfung 3U fteigern oermag".

Diefe oielgepriefene Schmutjfchichte, auf öeren IDirfung
unö Befchaffenheit geeigneten ©rts näher ein3ugehen fein
mirö, mar naturgemäß Öa3u angetan, eine genaue IDalp
nehmung aller (Bi^elheiten mehr oöer meniger 3U er-
fdjmeren, mas öer in öen oorliegenöen Befchreibungen ent;
haltenen einen unö anöeren un3utreffenöen Angabe einiger-
maßen 3m dntfchulöigung öienen mag, öiefe 3n,ungen
jeöoch feinesfalls reftlos oerftänölich macht. Das gilt nament-
lich be3Üglid? öer in öen Bogenfelöern eingeflidten beiöen
Dierpäffe, öie, oon öem etmas Derfdjieöenen Ausmaß ihrer
dhriftustopfe abgefehen, als „oöllig übereinftimmenö" be-
3eichnet meröen, eine Dorfteilung, öie angefichts öes im
übrigen meitgehenö oerfdjieöenen ornamentalen Defors nur
bei oberflächlichfter Betrachtung auffommen tonnte. Der
frei in öen Kimbus gefegte größere Kopf öes nid}t 3um
Klingenbergfenfter gehörenöen Dierpaffes ift 3uöem auch
oon gan3 anöerer Jjanö ge3eichnet mie öiefes. (£s ift ein
ITCotio, öas uns nicht feiten begegnet. So finöet es fid? bei-
fpielsmeife auf einem öem unfern 3eitlich naheftehenöen,
ie^t im Berner IKufeum oermahrten $enfterfragment aus
öer Kird?e 3U Blumenftein fomie — 3ugleich ein Beleg für
öeffen meite Derbreitung — in öer £iebfrauentirche 3U
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