Geiges, Fritz
Der mittelalterliche Fensterschmuck des Freiburger Münsters: seine Geschichte, die Ursachen seines Zerfalles und die Maßnahmen zu seiner Wiederherstellung ; zugleich ein Beitrag zur Geschichte des Baues selbst (Band 2) — Freiburg i. Br., 1933

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nit Dil oolfs 311 laufe". Daß öer „Kerner" mit öer flnöreasfapeUe t>er-
bunöen mar, gebt auch aus einer djronifalifctjen fluf3eidmung öes
18. 3ar)rlmnöerts 3um 3abj 1745 (tjanöfcfn:. ö. StaötarcfnDS 15) über
öen „Abgang öer anöreas oöer granatt? botjrer unö Ballierer dapeü,
fonft öas Bainb.äufele genannt" fjeroor. <£ine „St. Ceonfjaröus-Kapeüe"
gab es jeöoch nicht.

Die norliegenöen fluf3eicfmungen über öie Befähigungen, tuelcr/e
öer ITtunjterbau öurd) öie Belagerung Don 1744 erlitten, berichten 3um
30. auf öen 31. ©ftober, öaj3 öer Heine üurm „gegen öas Beinljaus

alfo oerfcfjoffen ruoröen, öaß öas obere Beöedungsmerf fambt öem ob-
geftanöenen fjalm an etlichen eifernen Stangen noch gehaftet Ijat".
Dabei geriet mor/1 auch öie benachbarte St. flnöreasfapeüe in eine
öerart ernfte lUitleiöenfdjaft, öaß man ficf? 3U öeren oölligen Abbruch
neranlafet far). $ür öie angenommene Derroenöung ein3elner Refte
ibjer bunten Derglafung ergibt jicfj aber aus öer (Jatfache, öaß be-
lanntüch gleichzeitig auch öas $enfter im Srauemdf/örlein öurcf) ein-
gefallene Bomben 3urn größeren Seil 3ertrümmert rooröen mar, ein
unmittelbarer faufaler 3ufammenbiang.

XIII

Der überlieferte £3eftcmfc bes für 6ert Bau gefcfyaffenen mittelalterlichen
^enfterfcfymttcfes, fcie llrfacfyen feines gerf alles unb Me 2)urd>füt|rung

öer gebotenen Heftaurationsmaftnatimen

Don öen neununöoie^ig noch ins $reie gehenöen mx-
glaften £icf]töffnungen öer in Betracht fommenöen Bau-
teile entbehrten, als im 3ahr 1914 mit öen 3nftanöfe^ungs^
arbeiten begonnen muröe — menn mir oon öen menigen
belanglof en Reften bunter Derglafung in einigenfleinen TRafc
merf3micfeln abfegen - - adn^er/n, alfo über ein Drittel, jeg-
Haien Defors. 3erm, mooon oier auf öie erft im oergangenen
3ahrrmnöert erbaute (Srafen- unö flbenömarnVKapelle ent-
fallen, befafeen eine ausfdjlie^Iid? öem letzteren entftarm
menöe farbige flusftattung, unö aud) in öen oerbleibenöen,
gan3 oöer menigftens DorI]errfd?enö noch mit öem ITtünfter
3ugehörigen mittelalterlichen ITtalereien oerfehenen £id]t-
öffnungen öominierte bei fünfen öie neu3eitlid]e farblofeDer^
glafung.

Hur neun3efm Sanfter enthielten formt, roerm aud? aus-
nalmislos mer/r oöer meniger fragmentarifch, nod] einen Be-
ftanö an IDerfen, öie urfprünglicb für öen Bau gefebaffen
muröen.

Diefe Angaben gemäßen alleröings 3at/lenmä^ig info;
fern fein gan3 nötiges Bilö öes an urfprünglicfyem Befüj
Derbliebenen, als ja befanntlid} ein3elne 3ugel]örige Seile öer
bunten Derglafung, momit öas St. peter- unö Pauls-
dtjörlein gegenüber öerSt.Hnöreas^Kapelle ausgenommen
3U dnöe öes 15. 3af?rtmnöerts fämtlidje £id}töffnungen öes
öamals oollenöeten Baubeftanöes ausgeftattet maren, nicht
nur infolge fpäterer Eingriffe in öenfelben ihrem Stanöort
ent3ogen, fonöern - fomeit fie überhaupt mieöer 3m Der5
menöung famen im f)od}d}OX eingeladen rooröen maren.
3n roeldjem Umfang öem überlieferten mittelalterlichen §em
fterfdjmud ein einfacherer Defor norausgegangen, lä^t fid?
nicht fidler ermeffen. IDenn bei öen Reftaurationsarbeiten
öes 14. bis 16. 3ahr^unoer^s au(b n^ oas geringjte Be-
streben funö mirö, öen notmenöig gemoröenen «Jrfatj 3er-
trümmerter $enfterteile öer $ormgebung öes Dorhanöenen
an3upaffen, roas erft bei poten3ierterer Derfdjieöenheit öer jes
meiligen fünftlerifchenHusörudsmittel augenfällig als$remö-
förper jtörenö in öie (Jrfd?einung tritt, fo ift öie llatfache, öafe
man beftrebt mar, öas, mas infolge unabmenöbarer Hbtra;
gung aorhanöener Hnlagen, öer Derbauung ihrer £ichtöff-
nungen fomie berechtigter flnfprüdje an eine gejteigerte£icht-

3ufuhr ausfeheiöen muf3te, möglichft öurd? anöermeite Unter-
bringung öer Hachmelt 3U erhalten, immerhin ein 3etcf)en öer
rDertfcbätmng, meldje man tror3 allem IDanöel öes ©efchmads
öamals nod? öen IDerten öer Däter entgegenbrachte. Die flm
nähme einer folchen (Einteilung mirö man aber, tro^ fonftiger
drmägungen, öie öen (Jntfcblu^ mitbeeinflu^t haben mögen,
öem IPenigen, mas oon öem reichen $enfterfchmud öes
nieöergelegten romanifchen dhorhauptes öen unabmenöbaren
©efähröungen einer langjährigen Bautätigfeit nicht 3um
(Dpfer gefallen, einen angemeffenen anöern piatj ein3uräu-
men, im r)inblid öarauf umfomeniger non öer fjanö meifen
öürfen, öa^ bei öer Späterhin nötig gefallenen flusfcbeiöung
ein3elner öer bunten Derglafungen öes Querfdüffes offenbar
in gleidjem Sinne oorgegangen muröe.

3meds Hadjmeifes öiefer Dorgänge müffen mir uns 3m
nächft oergegenmärtigen, öa^ öer neue dljorbau 3m- 3eit
feiner 1513 Donogenen H)etc)e nod? feinesmegs in öem Ums
fang 3U einem gebrauchsfertigen flb)d)Iuf3 geöiehen mar, als
man an3unehmen geneigt fein fönnte. Sah man l'd} öodi,
um öie Benü^ung öes im mefentlichen fertiggeftellten ftod)-
ebors 3U ermöglichen, nach flusmeis öer $abrifrechnungen
genötigt, öeffen flrfaöen unö ein3elne öer nod] ihres 2TIa^
merfs ermangelnöen $enfteröffnungen öes befanntlid? erft
über 3mei 3ahr3ehnte fpäter öurmeg eingemölbten Kapellen^
frari3es mit Brettern 311 oerfchalen. Unö öa^ es fid? öabei
feinesmegs um ein fur3friftiges prooiforium Ijanöelte, mirö
fdjon öaraus erfid)tlid?, öafj man öie $ugen öer „pritterin
manö ... in öen boginen" unö öie „britterin oenfter im
nümensdpr" 3meds befferer flböichtung mit „liny oöer 3mil'
d?in tüch" uernagelte. Dor allem blieb aber öie drftellung
öer beiöen meftlidien $enfter öes ^ochchores, oon melchen öas
füöliche in feinem unteren Seil offenbar noch geraume 3eit
öurd} öie Beöactmng öer Safriftei oeröedt mar, öaöurd] bint
angehalten, öa^ öem flnfchluf3 öes neuen an öen alten Bau
öie an letjterem oor3unehmenöen flbbrucharbeiten oorange^
hen mußten, mit öeren 3nangriffnahme man im 3ntereffe
öer unbehinöerten Ausübung öes (Bottesöienftes anfeheinenö
fo lange mie irgenö möglid? 3ugemartet hatte.

Darauf ift es 3urüd3uf ühren, öafe öie programmatif d?e Hus-
ftattung öer fiochchorfenfter 3unächft auf öie neun öftlichen
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