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Die Industrie

Neben den vom König errichteten oder unterstützten ge-
werblichen Anstalten gab es auch sonst noch im Lande eine
Reihe von Großgewerben, die teils durch einzelne tüchtige
Unternehmer geschaffen und geleitet werden, teils aus dem
Zusammenschluß einer größeren Zahl von Handwerkern
einer Stadt oder durch die Tätigkeit eines die Hausindustrie
beherrschenden Verlegers sich entwickelten.

Die vielseitigen Bemühungen R. Wuttkes, aus den Archiv-
akten zur Erkenntnis der wirtschaftlichen Lage des Gewerbes
unter Augusts Regierung zu gelangen, haben nur bescheidene
Ergebnisse gebracht. So sind die Akten einer Gewerbe-
zählung von 1694 teils verschwunden, teils noch nicht be-
arbeitet. Wuttke beschäftigte sichnamentlichmitdenStädten,
deren achtundneunzig im Kurfürstentum bestanden. Als in
diesen tätig werden 152000 Personen im Alter von über zehn
J ahren gezählt. Die Listen geben an, worin ihre „Nahrung“ be-
stand, das heißt, welchem Geschäftsbetriebe sie oblagen. Da
erscheint die Handlung als vorwiegend in Leipzig, Dresden
und Torgau; das Braugewerbe in Chemnitz, Zwickau,
Torgau, Meißen, Grimma, Eilenburg, Oschatz, Leisnig;
Wein wachs in Meißen; die Universitäten in Wittenberg
und Leipzig. Steinkohlenhandel wird für Zwickau gemeldet.
Aber auch im Plauenschen Grunde bei Dresden wurden
Kohlen gewonnen. 1717 heißt es, daß unter Feldern und
sumpfigen Wiesen in einem Tal zwischen Potschappel
und Zauckerode ein schwarzer Stein von den Bauern ge-
brochen werde, der von ihnen zum Heizen, von den
Schmieden für ihre Feuer gebraucht und in viel tausend
Tonnen jährlich abgeführt wird. Dieser „Kohlstein“ sei
ein großer Schatz, der seinem Grundherrn viel einbringe.
Loen fuhr 1716 in eine Steinkohlengrube bei Wettin ein,
deren Förderung für die Salzwerke bei Halle verwendet
wurde. Noch 1748 hat zum Beispiel Jabionski allerhand

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