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behandelte, um den katholischen Gottesdienst jene künst-
lerische Weihe zu geben, in der man ein Lockmittel zum
Übertritt erblickte, jene Pracht, die der Protestantismus
nicht haben wollte und daher nicht haben konnte. Sie
widersprach dem Streben nach Schlichtheit wie auch dem
Verzicht auf weltliche Freuden, den Ansichten, die über
das Theater als die Heimstätte des Mummenschanzes, der
Unsittlichkeit, der Lüge, als Werkstätte des Teufels galten.
Den kirchlich Gleichgültigen und den sachlich Unbeteiligten
war aber klar, daß dem Fürsten der Unterhalt von Musik-
kapellen als ein ihm zustehendes Divertissement zu gönnen
sei. Von Kulturaufgaben redete man damals noch nicht, er-
füllte sie dafür um so eifriger.

Die Sammlungen

Augusts Art zu sammeln, war nicht dieselbe, die der Staat
jetzt ausübt. Er war das, was wir einen Amateur nennen.
Das Ziel der öffentlichen Ankäufe von Kunstwerken ist
heute darauf gerichtet, wissenschaftliche Museen zu schaf-
fen, die eine möglichst große Allseitigkeit besitzen sollen, so
daß man sich dort über die Schaffensart aller Zeiten und
Völker unterrichten kann. Vom Sammlungsleiter fordert
man, daß er nicht nach seinem Geschmack, sondern nach
wissenschaftlichen Grundsätzen, das dem verschieden-
artigsten Geschmack Entstammende erwirbt, daß seine
Sachkenntnis ihn befähige, das Beste aus den Schöpfungen
aller Zeiten zu erkennen.

August schuf nicht Museen, sondern das, was man damals
Kabinette nannte. Gabinetto, cabinet ist ein kleinerer, zu
besonderem Zweck dienender Raum, unter Umständen
sogar bloß ein Schrank. Der Fürst zog sich mit seinen Mini-
stern zu geheimer Beratung ins Kabinett zurück; er stattete
es mit dem aus, was ihm besonders lieb und wert war. Es
war sein eigenster Besitz dort um ihn versammelt.

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