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sechzig Mann starken Bande, ein „großes Genie, das er frei-
lich durch Bosheit entehrte“. Das heißt einer jener, die sich
mit Unrecht von der Justiz verfemt, als Rächer an einer
verkehrten, verderbten Weltordnung fühlten, als Wohltäter
der Armen aus dem Gut heraus, das sie den Überreichen
abnahmen. Lips Tullian erscheint als Rächer der Mensch-
heit gegen die Ungerechtigkeit der Welt, als ausgleichender
Vermittler zwischen Armen und Reichen, ähnlich manchen
kommunistischen Helden der jüngsten Revolutionszeit,
jedenfalls aber als Mann der Tat in einem „tintenklecksen-
den Säkulum“.

Nun noch ein Wort über die Wege der Schiffahrt. Sachsen
besaß eine solche nur auf der Elbe. Der Plan, von dieser zur
Pleiße und Elster einen Kanal zu bauen, der schon Johann
Georg III. und IV. beschäftigt hatte und den August wieder
aufnahm, kam nicht zur Ausführung und ist bis heute nicht
durchgeführt.

Dafür, daß die ElbschifFe zur Beförderung von Reisenden
benutzt wurden, habe ich aus der Zeit Augusts keine Nachricht
gefunden. Sicher benutzten einzelne die Boote und Kähne,
die talauf und talab führen, ob aber auch Marktboote, wie
solche am Rhein und Main einen regelmäßigen Menschen-
und Warenverkehr vermittelten, kann ich nicht angeben.

Die Feste

Augusts Regierungszeit war eine solche der großen Feste.
Die Zeitgenossen berichten von diesen mit größerer Genauig-
keit als von den politischen und kriegerischen Ereignissen.
Die Folgezeit hat sich an diese Darstellungen gehalten bis
in die jüngste Zeit, die uns Jean Louis Sponsels ausgezeich-
netes Werk „Der Zwinger, die Hoffeste und die Schloß-
bauten in Dresden“ (1924) brachte. August gilt als von
solcher Vergnügungssuch t besessen, daß er darüber das Wohl
des Staates und sein eigenes vergaß.

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