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vielseitig schillernde Wesen der Barockkunst erklärt als
Loslösung von der Regel der Antike auf Grund von An-
schauungen, die doch wieder so vielfach auf diese zurück-
gehen, Loslösung von der Starrheit in der kirchlichen Lehre
neben dem tiefen Drang nach Befreiung des inneren Men-
schen. Er wird dabei feststellen müssen, wie namentlich der
deutsche Künstler zu so außerordentlicher Selbständigkeit
im Schaffen kam, zu einem dem klassisch Geschulten so wenig
verständlichen, daß er selbst Bach vergessen, die Kunst des
„Zopfes“ nur mit jener tiefen Verachtung erwähnen konnte,
mit der die Aufklärungszeit von der Gotik sprach. Es wird
sich dabei keine Eingleisigkeit der Straße ergeben: neben
den kühn Ausgreifenden die streng Gebundenen, neben den
Männern sprungweise vordringender Gedankenarbeit jene
der sich innerlich sammelnden Vertiefung in erfühlten Wer-
ten; neben in alter Wissenschaftlichkeit, in erstarrender Ge-
lehrsamkeit und einer auf diese sich stützende Religiosität,
die in allen Lebensfragen sich regende Freiheit der Gesin-
nung, die Grundlegung des Gemeinlebens zu künstlerischem
Tun, die bei wortloser, fast stummer Begeisterung für das
Schöne und Edle gewahrte Einfalt, schaffende Sachlichkeit
bei herzlich reicher Schlichtheit.

Die Aufklärung

Den am schwersten zu bekämpfenden Gegner sah die Kir-
chenregierung in der heranwachsenden Bedeutung philo-
sophischen Denkens, im Rationalismus. Da standen im Vor-
dergründe zwei Schüler des Leipziger Professors Jakob Tho-
mas, nämlich dessen Sohn Christian und Gottfried Wilhelm
Leibniz, beide früh sich entwickelnde Gelehrte von regstem
Geist, auch Leuchten der Wissenschaft insofern, als sie rasch
die akademischen Grade erlangten.

Leibniz ging früh in die Weite, wurde, obgleich Lutheraner,
Rat des Erzbischofs von Mainz, errang sich eine Welt-
stellung als Philosoph. Als solcher griff er wirkungsvoll

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