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sparsamen Zeit erklärten ihre Väter für Lakaienseelen, die
sich durch tiefste Erniedrigung ihres Mannesstolzes, durch
dem verschwenderischen Fürsten dargebrachte Huldigun-
gen entehrt hätten. Aber das Aufblühen der Stadt wäh-
rend dessen Regierung konnte man nicht leugnen. Bald nach
x\ugusts Tod sang ein Leipziger Dichter:

Paris und London zu beschämen
Und Amsterdam den Ruhm zu nehmen,

Das ist der Zweck, den diese Stadt
Beinahe schon erreichet hat.

Und ein Franzose, Arque, fügt in einer 1910 erschienenen
Geschichte der Leipziger Messe hinzu, Leipzig sei zwischen
dem fortgeschrittenen West- und Mitteleuropa und dem
Osten für Schweden und die slawische Welt unter August
zu einem Handelsplatz von gewaltiger Bedeutung geworden.
Dabei ist es geblieben, trotz des friderizianischen, des napo-
leonischen, trotz des Weltkrieges.

Straßen und Verkehr

Von besonderer Wichtigkeit für den Handel und deshalb
auch für Leipzig war der Zustand der Straßen. Durch Ge-
setz war festgestellt, welche von diesen der die Messe be-
suchende Handelsfuhrmann einzuhalten habe. Ihre Pflege
lag den Anliegern ob, die Überwachung der Arbeiten der
jeweiligen Ortsbehörde. Der Staat selbst hatte nur ein Auf-
sichtsrecht, das August durch mehrfache Befehle wirksam
zu gestalten suchte. Die Straßen sollten zehn Ellen breit sein,
also etwas über fünfeinhalb Meter, damit zwei Lastwagen an-
einander vorbeifahren könnten und doch der Beiweg für den
Fuhrmann frei bliebe. In den Krümmen aber sollte er acht-
zehn Ellen breit sein, in Städten „und allenthalben“ sollten
Pflaster, Brücken, Stege sowie die Gräben auf beiden Seiten
in gutem Wesen erhalten, die sumpfigen Wege erhöht, be-
festigt und ausgebessert werden. Die Kosten dieser Arbeiten

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