Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 20.1909

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INNEN-DEKORATION

173

AI-FRED ALTHERR.

schrank in eiche a. i). speisezimmer s. 158.

DER VERKÄUFER.

Unsere mannigfachen reformatorischen Bestre-
bungen, die sich darauf richten, die deutsche
Produktion auf ein würdiges Niveau zu heben, der
deutschen Ware jenes Renommee zu verschaffen, das
jetzt endlich von der französischen Manufaktur ab-
zugleiten beginnt, haben sich vielfältig mit den Ent-
werfenden und Ausführenden, den Künstlern und
Zeichnern, den Fabrikanten und Handwerkern, be-
schäftigt, vergaßen aber nur zu oft eines überaus
wichtigen Faktors: des Verkäufers. Ohn Unterlaß
mühten wir uns so um die breiten Schichten, so
um die exklusiven Kreise der Konsumenten; durch
Vorträge, Aufsätze und Bücher wurde versucht,
das Interesse der Kaufenden für die Bewegung der
gewerblichen Reinigung, für den Neubau aus
Qualität und Schönheit, zu erwecken. Wir reizten
den Egoismus und das Pflichtgefühl der Käufer;
aber wir vergaßen, daß alles Geschriebene und
Geredete schließlich doch nur Theorie bleibt, wir
vergaßen, daß der, der aHein praktisch, mit der
Tat, an dem Publikum Aufklärungs- und Erziehungs-
arbeit zu leisten vermag, der Verkäufer ist. Er ist
der berufene Mittler, um die zur Kultur wollende
Erkenntnis der Produzenten dem Publikum im rechten
Augenblick (darauf kommt es an) drastisch und
gegenständlich zu Gemüte zu führen. Und gerade
diesen Verkäufer nebst seinem nicht minder wichtigen
Bruder, dem Acquisiteur, haben wir arg vernach-
lässigt, haben wenig getan, ihn mit den notwendigen
Ideen der Zeit zu erfüllen. Wir haben wohl zuweilen

an
vor

Scheuere. . . . Und ungeheuere Trümmer
Zeichnen seinen einsamen Pfad.
. Uber den Einfluß des Materials brauche
!ch nicht erst zu sprechen: er ist wohl
E^em Leser dieser Zeitschrift bekannt.

ln'ge wenige Beispiele mögen daher jede
fitere Erörterung ersetzen: der harte Basalt
Egyptens war mit die Ursache für den
strengen Stil dieser Plastik; und ohne seinen
Sroßen Marmorreichtum hätte Griechenland
nie die Kunsthöhe erklimmen können, die
*lr heute noch als geradezu märchenhaft
^Mindern. Man denke ferner an die
^acksteinarchitektur Norddeutschlands
<lc deutsche Holzschneidekunst, und
allem auch an den großen Siegeszug, den
'm neunzehnten Jahrhundert das Eisen an-
rat. und der wohl recht beträchtliche Stil-
|Vandlungen sich erzwang. — All diese Ört-
chen und zeitlichen Bedingungen geben der
Unst nun ein gewisses Gepräge, eine ge-
>sse Besonderheit; und sie nennen wir Slil.
""gleich erhellt daraus, daß sich ein ver-
legener Stil nicht ohne weiteres erneuern
äßt- Er bildet das Ergebnis gewisser Vor-
aussetzungen; wenn diese fehlen, haben wir
o eichsam Wirkungen ohne Ursachen vor uns.
11 diesem Sinne bedeutet also die Frage:
'«aben wir einen neuen Stil?« nichts anderes
als> haben wir eine Kunst, die der treffende
"sdruck unserer Zeit ist? or. emil utitz.

A Kl II I l'EK I AI l-REI) AI.TIIKRR.

bucher-schrank in eichenholz.
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