Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]; Hoffmann, Richard [Oth.]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (2,3): Bezirksamt Waldmünchen — München, 1906

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Kunststatistische Übersicht.

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altarblatt in der Expositurkirche in Treffeistein. Das Gemälde stellt die Anbetung
der hl. drei Könige dar und ist eine deutsche Arbeit mit vielen italienischen An-
klängen aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Der gleichen Zeit gehört das Hoch-
altarblatt der Pfarrkirche zu Tiefenbach an, dessen Meister uns in der Person des
Waldmünchener Bürgers und Malers Johann Reischl bekannt ist. Der nämliche
Meister malte um 1722 die Pfarrkirche zu Stamsried aus. Er war ein geschickter
Maler. Auch das Ölbild, welches man nach dem zweiten Brande von 1708 für den
neuen Hochaltar zu Waldmünchen benötigte, ist seine Arbeit (1726) gewesen. Reischl
starb 1733. (Vgl. LoMMER, II, I, 46 Anm.) Die Ölbilder der Seitenaltäre zu Ast sind
ziemlich gute Leistungen der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Vielleicht stammen
auch sie von der Hand des Waldmünchener Meisters. Handwerkliche Fresken, welche
noch dazu (1863) eine schlechte Restauration erfuhren, treffen wir an der Decke der
Friedhofkirche zu Rötz.

V. KIRCHLICHE EINRICHTUNGSGEGENSTÄNDE.
Im Altarbau sind die einheitlich aus ihrer Entstehungszeit erhaltenen drei
großen Altäre zu Tiefenbach von Interesse, namentlich deswegen, weil sie, mit 1722
bezeichnet, einen Anhaltspunkt für die Datierung des in der Oberpfalz so beliebten
Typus im Altarbau geben: wirkungsvolle Säulenaufbauten mit seitlichem, von Bändern
durchzogenem Schnitzrankenwerk. Der gleichen Periode gehören der Hochaltar zu
Biberbach und zwei Seitenaltäre zu Ast an. Das schönste Altarwerk des Bezirks-
amtes ist der Choraltar zu Ast, der in seinem edlen, für jene Gegend außergewöhnlich
reichen Aufbau, abgesehen von .einzelnen Rokokoornamenten, wieder in die Periode
von 1720—30 zu setzen ist.
Hübsche Rokokoaltäre hnden wir in der Rötzer Friedhofkirche (1754) und
in der Kirche zu Herzogau (ca. 1787). Wir bemerken an ihnen das in der Ober-
pfalz so beliebte Schema, an Stelle der Säulen geschweifte, pilasterartige Stützen
zu setzen.
Eine gotische Sakramentsnische mit einfacher, maßwerkverzierter Giebelbekrönung
ist im Chor der Kirche zu Ast. Auf dem Hochaltar der nämlichen Kirche ein Rokoko-
tabernakel mit wildem Rokokoschweifwerk.
Eine einfache Barockkanzel besitzt die Kirche zu Tiefenbach. Zierliche Rokoko-
kanzeln sind in Biberbach und in der Friedhofkirche zu Rötz anzutreffen. Ein
Werk, das bereits der üppigen Spätzeit des Rokoko angehört, ist die Hotte Kanzel
zu Ast (um 177g). Aus der gleichen Zeit stammt die dortige Orgel.
In manchen Kirchen des Bezirks haben sich mittelalterliche Taufsteine erhalten,
die jetzt als Weihwasserbecken benutzt werden, so in Ast, Gleißenberg, Rötz, Schön-
thal. Sie zeigen meist eine halbeirunde Form und sitzen auf rundem Säulenfuß auf.
Das Becken des Taufsteines im Hofe des Stadtmüllers zu Rötz ist aus einem unregel-
mäßigen Siebeneck konstruiert, läuft aber unten halbrund zu, ein interessantes
Beispiel für den Übergang des romanischen Stiles zur Gotik. Ein gotischer Tauf-
stein steht in der Pfarrkirche zu Waldmünchen.
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