Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]; Hoffmann, Richard [Oth.]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (2,3): Bezirksamt Waldmünchen — München, 1906

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III. B.-A. Waldmünchen.

VI. GLOCKEN.
Glocken aus dem ig. Jahrhundert befinden sich in Ast (1493) und in
Rötz (1485). Letztere ist namentlich wegen ihrer originellen Inschrift interessant.
In ihren Schriftzeichen zeigt sie mit der von dem Büchsenmeister Heinrich in
Rötz gefertigten Glocke zu Fuhrn von 1497 (vgl. Kunstdenkmäler des Königreichs
Bayern, Bd. II, Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg, Heft II, B.-A. Neunburg
v. W., S. ig) so große Übereinstimmung, daß wir auch die Rötzer Glocke jenem
Meister zuschreiben dürfen. Aus dem 16. Jahrhundert eine große Glocke zu Ast (igio).
Die Jahreszahl i6go trägt eine Glocke zu Biberbach, welche insofern beachtenswert
ist, als ihr Stifter, Graf von und zu Marimont in Lothringen, Pfleger zu Wald-
münchen, genannt ist. In der gleichen Kirche hndet sich noch eine zweite Glocke
aus dem späten 17. Jahrhundert (r688), die aus der Werkstätte der bekannten
Regensburger Glockengießerfamilie Scheichshorn hervorgegangen ist. (VO. II, 277,
281; III, 220; IX, 142, 230, 303 ff; XI, 10g; XV, 329, 413, 463. — H. OTTE,
Glockenkunde, 2. Auf!., Leipzig 1884, S. 208. — ADALBERT EBNER, Die Glocken
und Glockengießer in Straubing, Sammelblätter zur Geschichte der Stadt Strau-
bing I [1882!, 208.)
Auch zwei Gießer aus Stadtamhof finden wir: Johann Schwedt (eine Glocke
von 1718 in Rötz) und Johann Erhard Kißner (eine Glocke von 178g in Ast).
Im Türmchen des ehemaligen Schlosses zu Flischbach hängt ein Glöckchen,
von dem Straubinger Joseph Spannagl 1794 gegossen. In Schönthal befindet sich
eine Glocke von Joseph Perdolt aus Amberg von 1823.
Der Mangel an älteren Glocken erklärt sich aus den häufigen Bränden im
Bezirk, wobei besonders die Türme ausbrannten.
VII. KIRCHLICHE GERÄTE.
In Gleißenberg und Rötz haben sich zwei spätgotische Taufschüsseln aus der
ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in Ast ein gotischer Handleuchter aus Messing
erhalten.
Ein Fragment der Goldschmiedekunst aus der Renaissance findet sich an einem
Kelche in Schönthal (1642).
Im 17. und 18. Jahrhundert sind die Kirchengeräte zumeist von Augsburger
Goldschmieden verfertigt worden. Vgl. die Notizen unter Geigant, Tiefenbach, Wald-
münchen. Besonders feine Arbeiten befinden sich in Tiefenbach.
Neben Augsburger Goldschmieden kommen nach Ausweis der Marken auch
Münchener vor, so in Ast, Biberbach, Rötz, Schönthal. Letztere Kirche besitzt einen
schönen Barockkelch (um 1700) von dem bekannten Münchener Goldschmied Franz
Keßler (j* 1717). Regensburger Goldschmiedemarken weisen Geräte inDöfering und
Hiltersried auf. Die eleganteste Arbeit des Bezirks ist die große Monstranz zu
Schönthal im Charakter des späten Barock mit Übergang zum Rühen Rokoko, viel-
leicht eine Freisinger Arbeit.
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