Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,1): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Wertheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1896

Page: 120
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j,Q KREIS MOSBACH.

Unmittelbar über dem grösseren Bau liegt eine um tiefe und 9 m lange Terrasse,
welche an der Westseite (ohne jede Spur etwaigen früheren Verschlusses) ganz offen, an
der Bergseite dagegen durch eine 1 m dicke und noch 2 m hohe Mörtelmauer (die einzige
mit Mörtelverband) und an ihrem Ostende mit einem, dem Gefäll des hinterliegenden
Terrains entsprechenden rechtwinkligen Mauerschenkel begrenzt ist. Ihr einstiger Zweck,
sowie derjenige eines schornsteinartigen Schlitzes in der Mitte der Langmauer sind bis
jetzt noch unaufgeklärt. Wahrscheinlich war aber die kräftigere Structur jener Mauer
durch den Umstand bedingt, dass sie einer überliegenden weiteren (4 ij2 m breiten) Terrasse
zur Stütze dient, welche nach verschiedenen Anzeichen einst einen massivren Thorbau
getragen haben muss. Auf diese kleinere Terrasse mündet dann auch entsprechend der
einzige ehemalige Fahrweg zur Burgstätte, der fast eben den Berghang nach Westen
durchquert und gegen Bürgstadt hinzog. (Ein schmälerer Zickzackweg führte von der
westlichen unteren Ecke der Befestigung am Steilhang hinab zum Main hinunter.) Die
bezeichneten Bauten hatten jedenfalls Ziegelbedachung gehabt, da sich in ihrem Bering
eine grosse Masse gutgebrannten Ziegelwerks verschiedenster Art vorfand, weitaus am
meisten darunter ein Hohlziegel mit Nase.

Im Uebrigen kamen in der Befestigung bei umfangreichen Ausgrabungen nur auffällig
wenige Fundstücke zum Vorschein. Die bemerkenswertheren Architektur-Bruchstücke
waren -folgende: 1. eine Deckplatte mit fallendem Karnies, 2. zwei Reste einer Platte,
welche von kreisrunden, mit Rundstäben umgebenen Oeffnungen durchbrochen war,

3. der schlichte Quader eines starken Thürgewändes (Anschlag und Leibung an einem
Stück), mit quadratischem Balkenriegelloch, sämmtlich aus dem blassrothen Sandstein des
Ortes ziemlich sorgfältig hergestellt. Aus dem Brandschutt des kleineren Wohnbaues
wurden folgende Gegenstände zu Tag gefördert (s. Fig. 47): 1. die Beschlägplatte
einer Schnalle aus vergoldetem Kupfer, bestehend aus einem rechteckigen Plättchen
mit daraufgenieteten vier Reihen perlenartiger Knöpfe zwischen drei gleichfalls aufgenieteten
Leistchen; die Oese für die Schnalle war abgebrochen. 2. Ein Hängeschmuckstück,
ebenfalls aus vergoldetem Kupfer: an schmaler verzierter Spange, im Charnier spielend,
ein leichtgewölbtes (Linden ?-) Blatt mit Wolfszahnornament, 3. das Bruchstück eines
kupfernen Sporn's mit breitem Bügel und Riemenöse am geschweiften vorderen Ende,

4. ein kurzer dicker Thürschlüssel von Eisen mit rautenförmigem Griff und durchbrochenem
Bart, 5. ein zu derselben Thüre gehöriger (weil dicht dabei gefundener) eiserner Thür-
ring (Klopfer nicht abgebildet), 6. eine dicke Perle (oder Spinnwirtel?) aus gebranntem
Thon. Im grösseren Bau, der keine Brandspuren zeigte, ergaben sich (von den erwähnten
Ziegeln abgesehen) keine nennenswerthen Fundstücke. Dagegen kam im Brandschutt
hinter der Schildmauer eine zierliche Bogen- (nicht Armbrust-) Pfeilspitze zum Vorschein.

Gefäss seh erben, fanden sich nur in auffällig geringer Menge und sämmtliche
von geringwerthigen, schmucklosen Gefässen herrührend. Die meisten bestanden aus
dunkelgrauem, groben Thon, der sehr hart, mehrfach steingutartig, gebrannt ist. Nur
wenige zeigten gelbliche Farbe und zartere Masse.

Das »Räuberschlösschen« kann nach seiner Lage auf dem unwirthlichen, jede Be-
quemlichkeit ausschliessenden Steilhang mit seinen kümmerlichen Wohnungsanlagen und
dürftigen Geschirrfunden jedenfalls nicht als einstiger Sitz eines Herrengeschlechtes ange-
sehen werden. Die Aufgabe der Befestigung scheint vielmehr, wie schon oben angedeutet,
die gewesen zu sein, ein westlich gelegenes Gebiet als Grenzfeste und eine Art Sperrfort
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