Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,1): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Wertheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1896

Page: 144
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j .» KREIS MOSBACH.

weist. Hieraus ergiebt sich eine ziemlich sichere Datirung des Baues, etwa zwischen
1482 und 85, wobei angenommen wird, dass Erzbischof Diether das Werk in Ver-
bindung mit dem Thorbau (s. oben) begonnen und sein Nachfolger Berthold dasselbe
vollendet habe. Diese Annahme findet ihre Bestätigung in dem Vorhandensein des
Wappens des zwischen beiden Erzbischöfen amtirenden Conservators oder Admini-
strators Albert I. von Sachsen an einem der geschnitzten Kopfbänder im oberen
Saale. [In Folge des Umbaues dieses Schlossflügels i. J. 1895 und Einrichtung desselben
zu Lehrer-Wohnungen sind die alten Holzständer mit den schön geschnitzten Kopf-
bändern leider herausgenommen worden.]

Der letzterwähnte fünfseitige Erker gehört zu den reizvollsten Anlagen dieser
Art in der ganzen Gegend (Fig. 55 und 56). Der reichgegliederte polygonale Unter-
bau steigt aus einer Wand-Console auf, die ein dem Feinde die Zunge herausstreckendes
Menschenhaupt zeigt mit einem demselben Feinde kopfüber den Hintern weisenden
Affen darunter. Auch die Stützen der kleinen Eckpfeiler zwischen den Fenstern ruhen
auf allerlei im derben Geschmack der Zeit aufgefassten droleries. Die Details durchaus
spätgothisch". — Das Aeussere des Baues im Uebrigen völlig schmucklos.

An der Hoffront unten hübscher spätgothischer Anfängerstein eines Kamin-
bogens oder dergl. eingemauert.

Unter dem ganzen Bau zieht sich ein mächtiger, hoher Keller hin, zu dem eine
Treppe mit vielen Stufen vom Hofe aus hinabführt. Der Eingang liegt jetzt in dem,
beiden Flügeln des Schlosses gemeinsamen Treppenthurme, der im Jahre 1874 an
Stelle eines altern getreten ist. Die Thür zum Keller trägt am Scheitel des Bogens
die Jahreszahl \$,83> wodurch unsere obige Annahme von der Entstehung des Baues
unter Erzbischof Diether eine weitere Unterstützung erhält.

Der zweite Bau fCJ zeigt über der Thür links oben in spätgothischer Um-
rahmung das Wappen des Erzbischofs Uriel von Gemmingen mit der Jahreszahl
1 {5 { O ( 0 • die Jahreszahl \(^Q"/ am Sturze der beiden Thüren weist auf einen
Umbau hin, von dem offenbar auch noch die Reste der Stuccaturen in dem gänzlich
verbauten und verwahrlosten Erdgeschoss herrühren. (Bis 1803 befand sich hier eine
Bierbrauerei; der Oberstock ist jetzt zur Stadtschule hergerichtet.)

Der gegenüberliegende, ebenfalls völlig schmucklose dritte Bau (D) zeigt am
Thürsturz die Jahreszahl \ ) ] 5] 9J ®j m^ einem Steinmetzzeichen "Tj" darüber,
das sich vorn an der Ecke beim Thor wiederfindet. ^

Durch eine in die ehemalige Schildmauer eingebrochene Thür gelangt man in
den vor der Nordfront sich hinziehenden Zwinger mit zwei Rundthürmen an
den Ecken der Aussenmauer. Von hier aus führt jetzt eine steinerne Brücke über
den tiefen Graben, der Schloss und Stadt umgab, hinüber auf's Feld. Der Anschluss
der ehemaligen Stadtmauer an die Schlossbefestigung im Osten und Westen ist
noch deutlich erkennbar.
r Den weiten Vorplatz vor der Burg begrenzt nach Norden eine grosse massive

Zehntscheuer mit dem Wappen des Erzbischofs Lothar Franz von Schönborn
(1694—1729).
Rathhaus Rathhaus, grosser freistehender Bau (renov. 1889) in spätgothischen Formen mit

massivem Unterbau und einfachem Fachwerk-Oberbau. Rundbogiger, weiter Haupt-
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