Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,1): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Wertheim (Kreis Mosbach) — Freiburg i.Br., 1896

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KREIS MOSBACH.

Die Kapuziner-Kapelle im Kapuzinerhospiz (s. unten) und
die Roche forter Hofkapelle in der Rosenberg'schen Hofhaltung (s. unten)
waren keine selbstständigen Gebäude.

Kloster-Höfe und Häuser.

Kloster-Höfe Der alte Bronnbacher Hof, auf dem Areal der jetzigen Rosenberg'schen

Hofhaltung (s. unten) am Mühlenthor gelegen und damit deren eigentlicher Grundstock,
war schon im Jahre 1244 ein Besitzthum der Abtei Bronnbach und wurde damals von
den Grafen Poppo und Rudolf von allen Abgaben 11. s. w. befreit (W. U. Nr. 26). Im
Jahre 1565 tauschte Gräfin Katharina von Eberstein, die Tochter Ludwig's von Stolberg,
denselben gegen den Holzkircher Hof ein und brachte so das Anwesen in den Besitz
ihrer' nachmaligen Erben, der Grafen von Löwenstein. Sie und ihr Gemahl, der Graf
Philipp von Eberstein, führten alsbald nach 1566 einen durchgreifenden Umbau der alten
Baulichkeiten aus, den sogen. »Neuen Ebersteinischen Bau«, aus welchem sich dann die
jetzige Rosenberg'sche Hofhaltung entwickelte.

Der Holzkircher Hof oder der neue BronnbacherHof. Dieser ursprünglich
der Benedictiner-Probstei Holzkirchen gehörige Hof ist das in der Maingasse (B 225)
gelegene Anwesen, in welchem früher die Bach'sche, dann die Kressmann'sche, jetzt die
Wettengel'sehe Wirthschaft betrieben wird. Im Jahre 1565 kaufte denselben die Gräfin
Katharina von der Probstei und tauschte ihn sofort an die Abtei Bronnbach gegen deren
alten Hof ein, worauf dessen Privilegien von dem Grafen Ludwig von Stolberg auf diesen
»Neuen Bronnbacher Hof« in der Maingasse übertragen wurden.

Der Grünauer oder Karthäuser Hof in der Zollgasse am Zollthor gelegen,
war alter Besitz der Karthause Grünau (Neuenzell), wird zuerst 1354 erwähnt und im
Jahre 1416 von dem Grafen Johann IL gefreit. (Hottenroth pag. 146). Zur Refor-
mationszeit gelangte derselbe in den Besitz der evangelischen Virneburg'schen Linie,
wurde nach mannigfachen Umbauten später die fürstlich Löwenstein-Freudenberg'sche
Kanzlei und ist jetzt das Gebäude der städtischen Kleinkinderbewahranstalt.

Das Kapuziner-Hospiz mit seiner Kapelle (s. oben) grenzte nördlich an den
alten Bronnbacher Hof und berührte mit seinem Hinterhause das Südende der jetzigen
Rittergasse. Um 1600 ging dasselbe in den Besitz des Bürgermeisters Cunz Schimmel
(s. unten Rathsschatz) über. Im Anfange dieses Jahrhunderts wurden das Vorderhaus und
die Kapelle abgetragen. Das noch vorhandene Hinterhaus (jetzt M 92) stösst mit einem
grossen Rundbogenthor mit der Jahreszahl 1581 an das Nachbargebäude. Der zum
Hospiz gehörige Garten nach der Tauber und nach dem Garten des Bronnbacher Hofes
zu hat noch lange den Namen »Kapuziner-Garten« beibehalten.

Ehemalige, jetzt verschwundene oder nicht mehr sicher nachweisbare

Kloster-Höfe und Häuser.

Das Augustiner Haus, im XV. Jh. als Besitz des Würzburger Klosters erwähnt,
muss nach der Lagebezeichnung im Werth. Landschiedbuch fol. 42 an der westlichen
Ecke der jetzigen Wenzel- und Rathhausgasse gelegen haben. Höchst wahrscheinlich
gehören die im Hinterhause (E. 319 d) der Hotz'schen Brauerei in der Rathhausgasse
(E. 319) noch vorhandenen alten Thüren (s. unten) diesem Gebäude an.
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