Kissling, Hermann ; Stadtarchiv <Schwäbisch Gmünd> [Editor]
Künstler und Handwerker in Schwäbisch Gmünd 1300 - 1650 — Schwäbisch Gmünd, 1995

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Jobst Johannes

Christof Jelin, Hans Jelins verlassener Sohn von
Schwäbisch Gmünd, mit Margareta, Balthasar Schubers
Tochter von Tübingen.
Der Name J., auch Jehle, Vlin, Ulen, findet sich in
Gmünder Urkunden und Akten des 15. und 16. Jh.
mehrfach: 1471 Sensenschmied Paul Ülin, 1500 Hans
Velin (Vater des Bildhauers?), 1526 Claus Vlin, 1531
Lienhart Yelin, 1545 Jörg Jehlin, 1557 Witwe des Hans
Ulen (Mutter des Bildhauers?). Im 17. und 18. Jh.
zählen die Jelin zu den ratsfähigen Geschlechtern, am-
tieren als Visierer, Ratsmitglied und Bürgermeister.
Eine Überlieferung besagt, J. habe seine Kunst „im
Ausland“ erlernt. Sein dekoratives Formenarsenal läßt
an niederländische und niederdeutsche Erfahrungen
denken. Tübingen, wo er eine größere Werkstatt unter-
hält, und Stuttgart sind fortan seine Hauptarbeitsstätten
und Lieferorte. Die Werknachrichten beginnen 1580,
als er für eine history und sonder werckh von alabaster-
steinen in die Stuttgarter Schloßkapelle 138 fl be-
kommt, ein erstaunlich hoher Betrag. Voraus gingen die
Tumba der Prinzessin Eva Christina (t 1575) und das
Epitaph des Studenten Karl von Drachstedt (t 1577),
beide Stiftskirche Tübingen. Um 1585 folgt ebendort
das Wandepitaph des kaiserlichen Rates und Juristen
Dr. Wolfgang Breuning (t 1563), dann um 1588 die
Büste der Herzogin Dorothea Ursula für das herzogli-
che Lusthaus in Stuttgart. Mit dem Epitaph des Profes-
sors Jakob Schegk (t 1587) in der Tübinger Stiftskirche
schuf J. den neuen Typ des kleinfigurigen Wandepi-
taphs mit Alabasterrelief, das in der Folgezeit die
stehenden Wandgrabmale weithin ersetzen wird. Zu
den Hauptwerken, die seinen Ruhm begründen, zählen
die Tumben in der Tübinger herzoglichen Grablege. Ab
1588 arbeitet er an der Tumba für Herzog Ludwig (t
1593), 1591 an der Tumba dessen Gattin, der Herzogin
Dorothea Ursula (+ 1583). Weitere Arbeiten J. s: 1593
die Gedenktafel am Tübinger Collegium, das Epitaph
des Grafen Gottfried von Oettingen (t 1596), ein Alaba-
sterwerk im Langhaus der Tübinger Stiftskirche, die
Epitaphe des Burkhart von Ehingen (t 1596) und für
Georg von Ehingen und dessen Gattin, beide in der ev.
Pfarrkirche Kilchberg bei Tübingen. Zu seiner letzten
Arbeiten zählt das Epitaph für Wilhelm Ernst Graf von
und zu Waldeck in der Westvorhalle der Tübinger Stifts-
kirche. Schließlich wäre noch das untere Tor des Tü-
binger Schlosses (1606/07) zu nennen, ein dekoriertes
Architekturstück, das zeigt, welche Blüten Spätrenais-
sance und Manierismus im Herzogtum Württemberg zu
treiben vermochten.
J. arbeitete auch als Schnitzer (bei seiner Vorliebe für

Alabaster, der frisch gebrochen auch mit dem Messer
zu formen ist, kein Wunder). 1581/82 zahlt ihm der
Stuttgarter Hof 3 fl für etlich vogl, die er zu großen
Stucken geschnitten.
J., der übrigens an seinen Werken weder Name noch
sonstige Autorenzeichen hinterließ, überflügelte den
auch in Tübingen tätigen älteren Leonhard Baum-
hauer*. Als dieser und dann noch Sem Schlör den Mei-
ßel auf die Seite legten, hat J. die Bildhauerkunst in
Stuttgart und Tübingen bestimmt. Er ist sogar zu den
besten deutschen Bildhauern jener Zeit gezählt worden.
Seinen Ruf verdankt er einer damals unübertroffenen
handwerklich subtilen Ausarbeitung, vor allem seiner
Könnerschaft im ornamental-dekorativen Bereich. Er
hat Alabaster, dessen verhältnismäßig leichte und ge-
naue Bearbeitungsmöglichkeit seiner Darstellungsweise
entgegenkam und sie zugleich beeinflußte, als plasti-
sches Material populär gemacht. Seine figürlichen Dar-
stellungen entsprechen jedoch nicht immer hohen An-
sprüchen wegen ihrer Formelhaftigkeit und Blässe in
der künstlerischen Auffassung.
ThB XVVIII, 499. - Demmler, Grabdenkmäler, 82. - Klaus. Künstler
II, 329-331. — Rott. Quellen II. 253. - Schahl, Kunstbrevier, 28 ff. -
Fleischhauer, Renaissance 144 ff. - Kissling, Museum. 55.
Jobst (Jopst) Johannes (Hans), Goldschmied, m 1607
Regina App (1612-1627 7 Kinder). Am 1.2.1625 klagt
ihn der Bäcker Veit Feierle an, ihm für 7 1/2 fl 1 b Brot
gegen einen Silbergürtel geliefert zu haben, der aber die
Prob nicht ausgehalten habe.
FamR VI, 211. KlagB III (1.2.1625; 18.9.1625).
Jörg, Plattner, 1538 sein Haus in der Waldstetter Vor-
stadt neben Rudolf Kantengießer.
UASp 939.
Joerg Aberlin, württ. Baumeister, *um 1420, + 1493
oder 1494. Um 1490/91 beginnt die Einwölbung des
Münsters, dort am Chorhaupt, wo die Wappenschilde
der beiden leitenden Meister angebracht sind. Der he-
raldisch rechte (östliche) Schild zeigt ein eigenartiges
Meisterzeichen, einen Sparren mit drei Sternen, das
Familienwappen der Joerg. Hier in Gmünd war der
letzte große Bauplatz des aus der Bauhütte der Stutt-
garter Stiftskirche hervorgegangenen Meisters. Um
1450 hatte ihn der Graf von Württemberg an Stelle sei-
nes verstorbenen Vaters als Baumeister übernommen.
Orte seines Wirkens waren Stuttgart (Stiftskirche, Le-
onhards- und Spitalkirche), Cannstatt, Marbach, Balin-
gen, Markgröningen und kleinere Orte wie Aidlingen

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